08.09.1998

Dienstag, 08.09.98 – Eine lange Dünung aus dem Süden läßt die Nacht schaukelig werden. Und um 08:00 Uhr ist auch der Wind dazu da. Vier bis fünf Windstärken aus Südost! Lipso kurz an Land rudern, die Segel klar zum Setzen halten, die Pantry seefest aufräumen und den Anker aufholen, dauert alles zusammen keine halbe Stunde und ab geht die Post – Kurs West! Und wenn ich schonmal ausnahmsweise wirklich ein Stück nach Westen segeln darf, dann bin ich nicht zu halten. Und wenn der Skipper bei drei Meter hohem Seegang vergißt, sein Lokusluck ordentlich zu schließen, dann ist das sein Problem. Der Wind legt auf der Hälfte der Straße von Otranto noch mal zu, der Geschwindigkeitsrekord wird neu aufgestellt und liegt jetzt bei 9,2 Knoten, die Mannschaft wird gepökelt, Richard hat glänzende Augen am Ruder, lediglich das Anzünden seiner Zigaretten muß der Skipper übernehmen. Katrin glaubt jetzt auch, daß ich nicht kentern kann und Maria wird doch nicht seekrank, obwohl sie sich das eigentlich fest vorgenommen hatte. Dorothea läßt sich in den Schlaf wiegen und Torsten lernt das Reffen. Leider sinkt die Reisegeschwindigkeit trotzdem nicht unter acht Knoten, und nach gut sieben Stunden sind wir 54 Seemeilen weiter, nämlich in Santa Maria di Leuca, ganz unten am Absatz vom Stiefel. Eigentlich sogar schon nach sechs Stunden wegen der Zeitverschiebung von OESZ auf MESZ, aber wir wollen’s mal nicht übertreiben mit der Rekordfahrerei. Beim Anlegen wird der Webeleinstek geübt: Erster Versuch: Vier Fender Backbord, vier Fender Steuerbord, da sollte doch irgendwo an den neuen Schwimmstegen ein Platz mit Mooring für uns frei sein, …nein? Zweiter Versuch: Alle Fender Steuerbord zum Längsseitsanleger am äußersten Steg! Zuviel Schwell? …ja , zuviel! Dritter Versuch: Alle Fender Backbord zum Längsseitsanleger auf der geschützten Hafenseite, da vorne an das Fischerboot mit dem blauen Streifen! Vierter Versuch: Nix mit „Vierter Versuch“! Die Fischer sind total nett, helfen uns beim Anlegen und reichen uns zur Stärkung erst mal ein paar Kaktusfeigen. Und sie legen nicht mehr ab, sagen sie, zuviel Wind …!


Zurück zum Törn: Von Korfu nach Malta - September 1998

Hinterlasse einen Kommentar

Captcha loading...