15.10.1998

Donnerstag, 15.10.98 – Ein Hochdruckgebiet! Ein richtiges Hochdruckgebiet! Gut, daß der Laptop eine Rechtschreibkorrektur eingebaut hat, Wolfgang wußte ja schon nicht mehr, wie man Hochdruckgebiet schreibt! Die Windrichtung ist noch nicht so ganz optimal (WNW), aber es ist ein Hochdruckgebiet! Zum ersten Mal seit vier Wochen übersteigt das Barometer die 1020 hp-Marke deutlich!
Obwohl Lipso erst nächste Woche wieder an Bord kommt, bleibt das Arche-Noah-Feeling nicht ganz aus. Das mit dem Wachhundkater und dem Rest von den Edelfrikadellen wollte ich eigentlich nicht erzählen, weil Christoph sonst im Büro wieder Tobsuchtsanfälle kriegt, aber daß wir heute Zwischenstation für ein Rotkehlchen auf dem Weg nach Afrika sind, brauche ich ja nicht zu verheimlichen. Leider fliegt es wieder weg, dafür kommt ein Jungstar mit seinen lustigen Punkten im Gefieder und wird, frech wie Stars und Stare sind, richtig zutraulich.
Apfelstücke mag er am liebsten. Großfall und Baumniederholer sind jetzt nicht mehr bedienbar, da sitzt der Lütte nämlich drauf. Außerdem hat er auf das Luk der Stb-Achterkabine gesch…, aber das will ich ihm mal nachsehen, es gibt ja sonst keine Toiletten hier. Kaum ist Sardinien in Sicht, verläßt er sein „Taxi-Boot“ und kackt zum Dank für die schöne Überfahrt von Afrika nach Europa auch noch auf das Luk der Bb-Achterkabine und den umgebenden Decksbereich. Der Apfel scheint verdauungsfördernd zu sein…
Kurz vor Sonnenuntergang funkt uns eine französische Segelyacht auf Kanal 16 an: Sie sind auf dem Weg von Sardinien nach Ägypten und dann weiter in den Indischen Ozean. Auch nicht schlecht: „Kurs Ost“!
An der Westseite der Bucht von Cagliari liegen mehrere kleine Yachthäfen, das Radargerät lotst mich sicher um eine kleine Insel am Capo di Pula (keine Angst, ein anderes Pula!), Dieter erklärt Dieter, woran man nachts unbeleuchtete Molenköpfe erkennt, und um 23.20 h werde ich in der Marina „Perd’è Sali“ vom ersten angewiesenen Liegeplatz vier Meter weiter Richtung Hafenmitte verholt, weil ich über Nacht lieber schwimme, als mit meinem Kiel im Schlick zu stecken!
Der eine Wolfgang kocht noch fix sardinische Nudeln (mit Sardinen natürlich!), und der andere Wolfgang zählt mit dem Fernglas und dem Rest der Crew die Monde von Jupiter und Saturn. Für Astro-Interessierte: Jupiter steht zur Zeit sehr hell und fast die ganze Nacht im Sternbild Wassermann, die Monde Europa, Io, Ganymed und Callisto stehen auffällig in einer Linie auf „vier Uhr“ und sind wunderbar mit einem einfachen Fernglas zu erkennen!


Zurück zum Törn: Von Malta nach Mallorca - Oktober 1998

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