13.02.1999

Samstag, 13.02.99 – Was lange währt, wird endlich gut!

Über zwei Monate kein aktuelles Logbuch. Das liegt aber nicht an mir, sondern am Skipper, der zum Atlantiküberquerenüben auf ein anderes Schiff fremdgegangen ist. Und dem Vize-Skipper und ersten Bordingenieur Dieter fehlen noch die erforderlichen Computerkenntnisse zum e-mailen. Da waren die anderen Bedienungsanleitungen (Wetterfax, Kartenplotter, Kurz- und Grenzwellenfunk, Radar etc. ) auch erst mal wichtiger.
Aber so ist das eben mit der Rollenverteilung bei den Webers: Der eine schraubt, der andere schreibt…

Trotzdem eine kurze Zusammenfassung aller wichtigen Ereignisse: Die Überführung Mallorca – Malaga war ja in Marina del Este schon fast zu Ende, der Ausflug auf die Alhambra war dank Curts Ortskenntnissen noch schöner als erwartet, Mittwoch und Donnerstag waren noch schöne Segeltage und ausnahmsweise war wegen der Flugverbindungen schon am Freitag Crewwechsel: Dagmar Anemüller, Hella Breitkopf, Martin Pallut und Bernd Nostadt sollen mich mit Dieter und Lipso bis auf die Kanaren segeln.
Dieter freut sich über die „Crew von Frühaufstehern-prima“ (Original-Logbuch!) und frühstückt um 07.10 h.
Gut, daß Wolfgang nicht an Bord ist…
Kurz vor Gibraltar werden ein Wal, eine große Meeresschildkröte und eine Delphinschule gesichtet, und in Gibraltar bekomme ich neue Kleider: Großsegel und 80%-Fock vom Feinsten!
Die neue Garnitur wird auch gleich hart rangenommen, denn die 650 Meilen bis in die Marina Puerto Calero auf Lanzarote sind überwiegend starkwindig bis stürmisch. Der Spinnaker muß als erstes dran glauben, aber leider bricht in einer besonders hohen See auch eine Schweißnaht am Ruder. Dadurch verliere ich das untere Ruderdrittel, das ja extra als Verschleißteil für etwaige Kollisionen konstruiert war. So gesehen ist der Bruch eine gelungene Generalprobe, denn auch mit dem verbliebenen Edelstahl-Oberteil lasse ich mich noch steuern, auch wenn das in grober See zur „Galeerenarbeit“ wird. Aber die Reparatur dauert nur den sowieso geplanten Hafentag auf Lanzarote, der Törn wird denn auch ganz planmäßig in Las Palmas de Gran Canaria beendet, da warten ja auch schon die ersten „Urlauber“: Petra und Heinz Rautert und Bernhard Zenz.
Die drei verbringen mit mir, Dieter und Lipso vom 05.12. -19.12.98 erholsame 14 Tage auf Gran Canaria, Teneriffe und Gomera. Viele Landausflüge werden gemacht, aber es wird auch viel gesegelt, immerhin fast 300 Meilen. Die Kanaren liegen doch weiter auseinander, als man denkt.

Über Weihnachten und Neujahr werde ich „in Familie“ gesegelt. Der Weber-Clan komplettiert sich, Klaus und Peter werden eingemeindet, Christian kommt kurz nach Weihnachten auf Gomera nach und lädt Freunde zu seinem 30. Geburtstag ein, der dann mit schwerem Sturm in Santa Cruz de Teneriffe gefeiert wird. 70 Kleinwagen (VW-Polo schwimmt am weitesten!) werden 200 m vor meinem Bug von der Pier ins Hafenbecken geschwemmt, eine Segelyacht sinkt, weil sie von losgelösten Betonteilen durchschlagen wird, ein Container geht 20 m vor meinem Bug auf Tiefe, eine Motoryacht wird ebenfalls von Pierteilen durchschlagen, bleibt aber schwimmfähig, zwei Personen werden verletzt, das ganze ist irgendwie nicht mehr lustig…

Die Liste der Schäden kann man auch in den deutschen Zeitungen nachlesen: Die Hälfte der Ernte ist zerstört, zum Teide gibt es nur noch eine einzige befahrbare Straße, ein Großteil der Strom-, Wasser- und Telefonleitungen ist unterbrochen, viele Molen werden komplett oder teilweise abgetragen und meine Backbord-Belegklampe auf dem Vorschiff ist verbogen!
Ende Januar bleibe ich alleine in Las Palmas, weil Wolfgang für das Magazin „segeln“ auf der „boot“ in Düsseldorf steht und von der Atlantiküberquerung berichtet. Außerdem macht er Reklame für JOJO, den Kojencharter allgemein und natürlich für mich. Was ich ja nicht wirklich für nötig halte, aber wenn er meint…

Nach der „boot“ bekomme ich von Dieter, Wolfgang, Cousine Barbara und ihrem Freund Manfred in Las Palmas den jährlichen Rundum-Check: Neues Antifouling, neue Wellendichtung, neuer Fußboden, neuer Lack im Niedergang, neue Stereo-Anlage mit CD-Wechsler, neue Unterwant-Püttings, neue Relingsdurchzüge, neuer Lack in der Bilge… und ein neues Satelliten-Telephon. Wolfgang hat die Vor- und Nachteile von Iridium und Inmarsat-M gegeneinander abgewägt und sich für Mini-M von Nera entschieden. Jetzt bin ich mit e-mail und Telephonie nicht mehr an das landgestützte GSM-Netz gebunden, das aktuelle Logbuch von mitten auf’m Atlantik gibt es dann erstmals vom Törn zu den Kapverden!

Neue Telefonnummern habe ich jetzt auch: Normalerweise 00871- 76 16 15 78 0, und falls der Satellit abgedeckt sein sollte mit etwas anderer Vorwahl 00874- 76 16 15 78 0. Allerdings ist auch die neue Anlage abschaltbar, Wolfgang weigert sich weiterhin, sich und unsere Crews dem Telefonterror auszusetzen. „There is nothing happening but the Sea“, so sollen die schönsten Momente bleiben!

An dieser Stelle recht herzlichen Dank an alle 98’er Mitsegler, die durch’s Mitsegeln das Verbessern und Erhalten meiner Wenigkeit erst möglich gemacht haben! Ich werde immer perfekter, solltet Ihr Euch dieses Jahr dringend anschauen, sind ja noch ein paar Törnplätze frei…!

Na und jetzt endlich: Das aktuelle Logbuch (aber wahr!), Gedanken einer Yacht auf großer Fahrt, Ausgabe 1999!


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