13.10.1999

13.10.1999

Mittwoch, 13.10.99 – Mitten in der Nacht hätte es dann wirklich fast gekracht: (Das reimt sich zwar, aber so lustig war es dann doch nicht!) Noch gut 40 Meilen nördlich von Lanzarote liegen wir mit einem Frachter auf Kollisionskurs.
Felix ist Wachführer und weckt Wolfgang. Der versucht, den Frachter auf Kanal 16 anzufunken. Da meldet sich niemand. Also wird mit Digitalem Ruf auf Kanal 70 „geweckt“, der Wachhabende auf dem Frachter meldet sich und sagt, dass er uns auf dem Radar hat und keine Kollisionsgefahr sieht. Wolfgang fragt vorsichtshalber, ob er vor meinem Bug oder hinter meinem Heck passieren will. Der Wachhabende antwortet: „Just a moment, stand by, please!“
Der „moment“ wird lang und länger, wir halten tapfer Kurs, um ihn nicht zu verwirren, und damit er uns auf seinem Radar plotten (verfolgen und vorausberechnen) kann.
Der „moment“ wird noch länger, keine Antwort aus dem Funkgerät, dann leiten wir das vorgeschriebene Manöver des letzte Augenblicks ein, halsen und lassen den Frachter vor uns durch.
Wolfgang gibt das Manöver noch über Funk weiter, und wenigstens bedankt sich der Rowdy anständig. (Für alle „Nicht-so-viel-Segler“: Prinzipiell müssen maschinenbetriebene Fahrzeuge Segelfahrzeugen auf dem offenen Meer ausweichen. Trotzdem beharren wir Segelboote eigentlich nicht auf unserem Wegerecht, sondern lassen die großen Pötte eigentlich ganz gerne freiwillig vor. In diesem Fall hat uns der Frachter mit seinem „just a moment, please!“ aber alle Möglichkeiten genommen: Hätte er durchgegeben, dass er vor uns passiert, hätten wir schon hinter ihn zielen können und umgekehrt. Seine Bitte zu warten hat der Situation aber dann schnell ihre Weiträumigkeit und uns den Manövrierplatz genommen!) Naja, dafür wurde das „Manöver des letzten Augenblicks ja erfunden. Nur dass das immer nachts um eins sein muss…
Um 17.10 h liegen wir in der schönen Marina „Puerto Calero“ im Süden Lanzarotes, nach 684 Meilen hat sich die Mannschaft ein kühles Bier verdient, und ich mir einen Ruhetag!
Kurz vor Mitternacht kommt dann auch die SY „Jambo“ mit Monika und Bernhard an Bord herein, mit den beiden hatten wir täglich Funkkontakt. Die „Jambo“ hatte keinen Diesel mehr, deshalb freut uns ihre sichere Ankunft besonders.


Zurück zum Törn: Von Malaga nach Kanaren - Oktober 1999

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