22.03.2000

Mittwoch, 22.03.00 – Kuba, genauer: Santiago de Cuba.
Tolle Hafeneinfahrt am Morgen, mit einer Festung auf der Ostseite des Fjordes, gleich zu Anfang der großen Hafenbucht ein malerisches Dorf auf der Westseite, gegenüber der kleine Yachthafen von Punta Gorda.
Aber da dürfen wir noch nicht rein, weil erst der Arzt den Gesundheitszustand des Skippers und die Ungezieferfreiheit meiner Wenigkeit überprüfen muss.
Dazu kommen ein Doktor, eine Krankenschwester und ein Taschenlampenhalter an Bord. Eine Stunde, drei Orangensäfte und sieben Formulare später ist alles in Ordnung, wir dürfen anlegen.
Jetzt kommen die Einwanderungsbehörden und der Hafenmeister, nochmal sechs Leute, aber zwei Stunden, eine Flasche Cola und weitere ca. 12 Formulare später ist auch wieder alles in Ordnung.
Jetzt kommt der Tierarzt, aber verderbliche Lebensmittel, Eier etc. hat der Skipper sowieso noch schnell alle vorher gemampft, das war angesichts des Behördenmarathons ein weiser Entschluss. Nur 30 min, drei Formulare und nur ein Gläßchen Rum-Cola später ist alles in Ordnung.
Jetzt kommen die Einwanderungsbehörden und kontrollieren, ob die Einwanderungsbehörden alles richtig gemacht haben. Das geht aber schnell, sind auch nur vier Leute. Trotzdem gehen uns die Becher und Gläser aus, also wird aus Tassen Cola und Saft getrunken.
Jetzt kommt der Zoll und durchsucht mich.
Sieben Personen und zwei Drogenspürhunde (Cockerspaniel, frisch gebürstet!). Leider ist ein Einhandsegler nach zwei Nachtfahrten etwas mit Schatten unter den Augen versehen und sowieso suspekt.
Außerdem hat einer der Hunde (Cockerspaniel……) Durst und schlägt beim Wassertank an. (Bitte nicht aufschrauben müssen, bitte nicht den Stb-einlaminierten Wassertank mit seinen 60 Schrauben aufschrauben müssen! Bitte nicht diesen mangels dann neuer und sicherlich hier unerhältlicher, aber nötiger Dichtungen und deshalb garantiert nicht wieder dicht zu kriegenden Wassertank aufschrauben müssen!!!)
Aber der andere Cocker hat keinen Durst, also schlägt er auch nicht an, also lassen sie es. Der Vize-Durchsucher findet den Taschenaschenbecher, der Cheflaborant baut also sein Labor auf und analysiert die Aschenreste.
Nix drin – logisch! Und den Müll aus der Taschen der Ölzeugjacke hätte Wolfgang ja auch vorher noch wegschmeißen können. Zum Ausgleich finden die Jungs diverse verschollene Kugelschreiber, ein paar Münzen, hinter die Verkleidung gerutschte, längst vergessene Fotos etc.
Das dauert den Rest des Tages, nimmt den Rest der Getränke in Anspruch, die letzten frischen Tassen müssen sich die Zöllner eben teilen. Die Anzahl der Formulare ist dem kurz vor der Ohnmacht stehenden Skipper entgangen.
Irgendwann im Dunkeln haben sie dann alles wieder ordentlich zusammengebaut, sie verabschieden sich höflich und korrekt, der Skipper darf an Land. Da schafft er noch zwei Bier, dann schleppt er sich in die Koje und träumt von Stempeln, die ihn mit hähmischem Grinsen bedrohen…


Zurück zum Törn: Von St.Domingo nach Havanna - März 2000

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