27.01.2001

Samstag, 27.01.01 – Da wäre es morgens um 04.30 h fast vorbei gewesen.
Mit mir.
Mit Kurs West.
Ein Wrack mehr an Kubas Küste…
Dabei hatte das alles erst noch eher komische Züge, als Rainer plötzlich „Hola?!“ durch den Salon ruft, weil er denkt, dass Einbrecher an Bord sind.
Das sind aber nur die Schritte von Hans, der den Echolotalarm als erster gehört hat und sich deshalb mal eben an Deck orientiert. Und dann sofort den Skipper weckt, der aber schon wach ist, weil nämlich mein Kiel den Grund berührt, und da reagiert er doch eher allergisch.
Die Boje ist abgerissen, und die Dünung aus dem Norden wirft mich auf den Strand. Ein paar Meter weiter östlich ragen die Reste einer alten Betonmole in die Bucht, wenn es mich dorthin getrieben hätte, dann wäre ich jetzt schon schwerst beschädigt.
Einfach den Motor starten und wieder ins tiefe Wasser fahren geht auch nicht, weil zunächst die Bojenreste (hauptsächlich die ca. 10 m lange Stahltrosse, denn die Boje ist am Grund ausgerissen!) geborgen werden müssen. Und was wir jetzt überhaupt nicht brauchen können, ist irgendeine Trosse im Propeller…
Mit der Weile liege ich quer in der Brandung… vorwärts oder rückwärts weg hier? – Vorwärts, das Ruder hart steuerbord, kräftig Gas, bis der Bug in die Bucht zeigt…
Ein paar kurze, endlose Momente später ruft Wolfgang dann das erlösende „Wir schwimmen wieder!“
Ein paar Minuten später fällt der Anker wieder vor dem Hotelanleger, noch ein paar Minuten später wickelt sich die Ankerkette um einen Korallenblock, wodurch kein Federweg mehr gegeben ist und nur Sekunden später ein Kettenschloss bei der 45- Meter-Markierung zerfetzt.
Nachts ist es etwas schwierig, sich ein korallenfreies Sandfleckchen zum Ankern zu suchen…
Ich treibe zum zweiten Mal.
Wenigstens sind sowieso alle wach, also wird der Zweitanker geworfen, bevor ich wieder strande…
Um 06.10 h serviert Birgit Kaffe und Tee. Tagsüber ist dann wieder Urlaub: herrlicher Sonnenschein, Rainer, Hans und Rudi suchen und finden den Anker, der Oberzöllner macht Dienst nach Vorschrift, weshalb die Schiffspapiere weggesperrt bleiben, weshalb wir nicht zur eigentlich geplanten Nachtfahrt aufbrechen, weshalb die Mannschaft an der Bar bei einer kleinen Jam-Session mitmischt…


Zurück zum Törn: Von Havanna nach Isla dela Juventad - Januar 2001

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