02.04.2001

Montag, 02.04.01 – Könnt ihr euch einen Güterzug vorstellen, der vier mal um die Erde passt? Das ist dann der Aushub aus dem Gaillard-Cut, gut vermischt mit einem internationalen Haufen Leichen durch Epidemien, Erdrutsche, Unfälle…
1910 waren die Sicherheitsvorschriften halt noch etwas laxer… beeindruckend ist der halbierte Berg auf jeden Fall!
Um 11.00 h sind wir durch den Engpass hindurch und stehen vor den letzten drei Schleusen. Kein Frachter weit und breit. Wwolfgang macht sich schon auf eine längere Wartezeit gefasst, aber Victor, unser heutiger Lotse, klärt uns auf: wir bekommen eine „Yachts Only“-Schleusung.
Das kommt direkt vor einem Sechser im Lotto: Keine Wirbel im Wasser, langsames Fluten der Kammern, Bremsweg ohne Ende, keine Hektik, 192 Millionen Liter Süßwasser für sieben kleine Schiffchen auf dem Weg nach unten. Die Wurfleinen fliegen schon locker am Schleusenanfang, und selbst die acht Lokführer am Ufer grinsen, weil sie zwei Stunden lang arbeitslos sind: Yachten werden schließlich von Hand geführt, Sabine steuert nach Lotsenanweisung die nötigen Korrekturen .
Die Loks (zärtlich „Mulis“ genannt) sind im Prinzip fahrbare Motorwinschen, die die Ozeanriesen in den Schleusenkammern zentimetergenau in der Mitte halten. Mehr Platz ist bei den „Panamax“-Schiffen (32,3 m breit!) ja auch nicht! Mich persönlich würde so ein „Muli“ mühelos an der Kammerwand hochziehen, falls irgendeine der an Bord befindlichen Klampen die Last aushalten würde…
Um 12.45 h öffnet sich das besonders gewaltige (wegen der vier Meter Tidenhub im Pazifik!) letzte Tor der Miraflores-Schleusen, dann schwimme ich im Stillen Ozean.
Der heißt übrigens so, weil die Skipper immer ganz still werden, wenn sie an die riesige Wasserfläche denken, die da jetzt vor ihnen liegt. Das geht hier an Bord genau so…
Unter der „Puente de los Americas“ (Brücke der Amerikas) darf man eine Münze hinter sich werfen und sich was wünschen. Und es ist bewiesen, dass das funktioniert, denn Wwolfgang hat sich am Freitag eine ruhige und sichere Schleusung erhofft.
Und das hat prima geklappt!
Und das ist eine kleine Feier wert – im „Mi Ranchito“, nicht weit vom Bojenliegeplatz im Balboa Yacht Club.
In Panama City.
Am Ufer des Pazifik.
Auf der anderen Seite von Amerika, auch, wenn das 27 Meilen weiter östlich ist, als die Kanaleinfahrt in Colon. (Die Taxifahrermanieren erinnern eher an Athen, und das Fahren im offenen Pickup erinnert an die Kapverden, aber dass die Welt ein Dorf ist, das hat man ja schon daran gesehen, dass Wwolfgang und der eine von den Schweizern beide den Töchtern des Warsteiner-Brauerei-Besitzers Skiunterricht gegeben haben – der eine in Warstein, der andere in Zermatt…)


Zurück zum Törn: Von Panama nach Panama - März 2001

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