29.10.2001

Montag, 29.10.01 – Das Riff hält nicht nur den Seegang vor der Tür, sondern es ist auch das Zuhause von Abermillionen Fischen und Korallen und Muscheln und Seesternen und Seeigeln und Schnecken und Algen undundund – großer, gemeinsamer Schnorchelvormittag!
Und am Nachmittag dann trotzdem weiter zum nächsten Abenteuer. An der unzulänglichen Nordwestseite von Vanua Levu liegt an einem perfekten Naturhafen das kleine Dorf Koroinasolo.
Bärbel und Karen ziehen sich knielange Röcke an, die Jungs ordentliche Shorts und Hemden: der erste Eindruck zählt! Am Dorfrand wird meine Mannschaft von der Dorfjugend in Empfang genommen und zum Chief geführt. Der ist auf einer Baustelle, denn die Männer des Dorfes bauen gerade zusammen ein neues Bure, so heißen die traditionellen Häuser aus Matten und Blättern hier nämlich.
Für die Gäste unterbricht er die Arbeit aber natürlich, lädt alle zu sich nach Hause (also in ein sehr schönes Bure, innen ganz mit Pandanus-Matten ausgelegt und behängt, schön geschmückt und gemütlich!) ein, zieht sich einen sauberen Rock über und akzeptiert das Gastgeschenk, zwei Päckchen tonganisches Kava und eine kleine Schachtel Zigaretten.
Damit ist die erste Hürde für einen Dorfbesuch gemeistert. Die Dorfjugend soll uns dann zum Lehrer bringen, damit der meiner Mannschaft den Stolz des Dorfes zeigt: die Schule!
Vier Klassenzimmer für 44 Schüler und vier Lehrer, zwei kleine Lehrerzimmer und eine riesige Wiese zum Rugby-spielen.
Im Gästebuch stehen die letzten Besucher: Zwei französische Yachtbesatzungen im Juni!
Deshalb nutzt der Lehrer die Gunst der Stunde und lädt meine Mädels und Jungs für morgen früh als Lehrmaterial für den Geografieunterricht ein! Zurück auf dem Dorfplatz ist unterdessen schon die große Gästematte auf dem Rasen ausgerollt worden.
Eine große Schüssel voller Kava ist angerichtet, Wolfgang bekommt als Skipper den ersten Schluck und muß eine Rede halten, danach geht es zwangloser weiter, weil die „Neulinge“ das mit dem zeremoniellen Händeklatschen sowieso nicht so ganz perfekt hinkriegen – und weil für die Dorfbewohner auch eher die Geste als der genaue Ablauf im Vordergrund steht. Runde um Runde kreist die Kokostrinkschale, bis sich meine Crew irgendwann im Mondlicht verwirrt/beeindruckt/stolz/glücklich zu mir an Bord zurückziehen darf.


Zurück zum Törn: Von Fidschi nach Fidschi - Oktober 2001

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