06.02.2002

Mittwoch, 06.02.02 – Waitangi-Tag! Deshalb sind wir ja überhaupt hier! Vor genau 162 Jahren haben die Maori-Häuptlinge hier unterschrieben, dass sie von nun an Untertanen der Königin von England sind, was wegen der drohenden Ausbeutung durch Engländer, Amerikaner und Franzosen etc. damals als das kleinere Übel erschien und später zur Staatsgründung führte. In den letzten Jahren haben die Maoris sich dann dagegen gewehrt, den Tag, an dem sie endgültig vera…lbert wurden, auch noch zu feiern. Aber mit der Weile haben sie es den Polynesiern in den französischen Überseegebieten nachgemacht, die die Feierlichkeiten am Tag der Bastille ebenfalls für die Selbstdarstellung und als ihr eigenes Festival nutzen. Heute tanzen also nicht mehr die Maoris während einer britischen Militärfeier, sondern die Militärkapelle darf auf einem großen Maori-Fest auch mal eben auftreten! Und Politik wird weiterhin betrieben, auf Info-Ständen und mit einer Demo, weil endlich auch die Maori-Flagge an den Fahnenmast soll!
Das Fest: Auf dem Paa (Versammlungsplatz) ist ein Trödel-und Kunsthandwerkermarkt, auf dem Sportplatz sind Attraktionen für die Kinder, und auf dem Museumsgelände dreht sich alles um das „Whaka“, das riesige Kriegskanu, das immer am 06.02. aus seinem Schuppen geholt wird, um mit 80(!!!!!) Ruderern plus Steuerleute/Taktgeber durch die Bucht zu gleiten. Vor dem Einsteigen und nach dem Aussteigen tanzt die Mannschaft den „Haka“, das ist ein Kriegstanz, der mit viel Gebrüll und Grimassenschneiden verbunden ist. (Der letzte Satz ist ungefähr so antiseptisch wie eine Schlaftablette.) Neuer Versuch: 80 z.T. ziemlich hühnenhafte Polynesier versuchen einem imaginären Gegner mittels Keulenschwingen und Kriegsgeheul Angst einzujagen, der Versuch glückt. (…auch nicht viel besser…) Letzter Versuch: Mit ohrenbetäubendem Geheul, mit erderschütterndem Gestampfe, mit wie wahnsinnig rollenden Augen, mit weit rausgestreckten Zungen und mit wüsten, wild getanzten Drohgebärden feiern die Maoris ihre Überlegenheit gegenüber den käsigen, klapprigen Durchschnittstouristen, die sich angstvoll hinter ihren Kameras verstecken. (Nicht schlecht, aber vorstellen könnt ihr euch das wohl trotzdem kaum. Schade. Aber nächstes Jahr bin ich ja hoffentlich wieder hier, dann könnt ihr ja mitkommen!)
Abends im Clubhaus des Opua Cruising Clubs gibt es Steaks zum Selbergrillen, das kräftigt meine Crew, Elke und Walter waren nämlich auch noch schnell mit der Fähre drüben im romantischen Russell! Leicht übervoll, das Programm für heute, aber prima! Es trifft sich eine ganze deutschsprachige Runde, die sich da noch ein paar Stunden lang Schauermärchen erzählt: die Crews von „Anna Maria“, „Freya“, „Helene 2“, „Orplid“ etc. Und Elsie von der „Helene 2“ gewinnt eine Familienpackung Steaks bei der wöchentlichen Verlosung, herzlichen Glückwunsch! Das Sahnehäubchen auf diesem tollen Tag!!!!


Zurück zum Törn: Von Whangrei nach Auckland - Januar 2002

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