10.10.2002

Donnerstag, 10.10.02 – Am Ufer befinden sich ein Heldendenkmal, ein verlassener, aber völlig intakter, kleiner Campingplatz, an der Straße zum nächsten Dorf eine Schule und im Dorf zwei Kinder mit ihrer menschenscheuen Oma und ein alter Mann, außerdem viele öffentliche Telefone und ein funkelnagelneues Gemeindehaus. Und ein Hund. Ansonsten irgendwie gespenstische Ruhe, gemeinschaftliches Dorfleben findet zumindest tagsüber offensichtlich nicht statt, obwohl alles wunderbar gepflegt und sauber und heimelig aussieht! Die Berge im Hinterland sind kahlgerodet und haben tiefe Wunden vom Nickel- und Chromabbau. Das Schönste an diesem Küstenabschnitt ist zweifellos die Lagune, und die ist hier auch noch zu Ende, weil das Riff vom vorgelagerten Barriere-Riff zum strandnahen Saum-Riff wird.
Am schnellsten überbrückt man sowas mit einer Nachtfahrt: Um 16.10 h geht es wieder raus auf See, und in der Riffpassage hängen plötzlich 121 cm/ 35 kg Frischfleisch in Form eines großen Gelbflossenthunfisches an der Monsterangel (100 kg Bruchlast, 1 m Stahlvorfach und ein schwerer Doppelhaken, nachdem die normalen Einfachhaken reihenweise von Kollegen des nun im Cockpit zappelnden Festtagsbratens gerade gebogen wurden!) Am Ruder bei dieser Angelaktion: Hermann Holz; an der Winsch: Harald Krien; am Gaff: mein Skipper; Erduldung der Riesensauerei: mein armes Cockpit! Am Ende liegen vier feine Filets in einem 10-Liter-Eimer und füllen ihn genau bis an den Rand. Yellowfin ist diese Thunfischsorte mit dem roten Fleisch, bei dem die Japaner im Restaurant immer ganz wässrige Augen bekommen. In Deutschland bekommt man Yellowfin üblicherweise als Sushi serviert, da liegt dann ein rosarotes Krümelchen weitgereisten „Frischfisch“fleisches in einem dicken Reisring und kostet neun Euro oder so. Unser Eimer dürfte so gesehen knapp vierstellig sein…
Weil es so langsam dunkel wird und niemand mehr so richtig Lust zum Kochen hat, schneidet Wolfgang mal eben ein gutes Dutzend feine Scheiben vom ersten Rückenstück, mit Wasabi-Meerrettich wir etwas Soja-Sauce gewürzt, und so landet die erste Mahlzeit aus dem Eimer roh in den Mägen meiner Crew (Sashimi heisst das dann!), der Rest wandert vorerst in den Kühlschrank…
(Gesegelt wird auch: Passat in wechselnder Stärke zieht mich unter gerefftem Großsegel und Rollgenua unter einem wunderbaren Sternenhimmel nach Süden)


Zurück zum Törn: Von Vanuatu nach Neukaledonien - September 2002

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