04.10.2003

04.10.2003

Samstag, 04.10.03 – Mel schließt sich den Kiwis und Franzosen für die Ein-Tages-Tour an, aber Andrea, Jack und Wolfgang werden um 07.00 h von Skipper Jien Joan (kurz Jon), seinem Bruder und Koch Jonni und ihrem Klotok (Langboot, „Klotok“ wegen des Dieselmotorgeräusches: Klotoklotokklotokklotok!) „Britannia“ abgeholt. Ich bekomme für die zwei Tage einen Wachmann ins Cockpit, was wahrscheinlich ziemlich überflüssig ist, aber zum Komplettprogramm gehört. Was die drei (bzw. fünf, wenn man Jon und Jonni mitzählt) dann alles sehen und erleben dass kann ich hier wieder mal nur kurz in Stichworten wiedergeben! Die „Britannia ist 12 Meter lang, genau wie ich. Allerdings hat sie keinen Mast und natürlich keine Kielflosse, sie ist viel schmaler als ich, zum Ausgleich aber zweistöckig, wobei man weder im „Erdgeschoss“ noch unter dem Verdeck auf dem „Sonnendeck“ aufrecht stehen kann, und auch vorne auf der Brücke und achtern in der kleinen Küche ist sitzen angesagt! Stehen kann man nur im nach oben offenen Dusch/Toilettenhäuschen hinten auf dem Achterdeck! Oder natürlich vor oder hinter dem Sonnendach auf dem Sonnendeck. Schon kurz nach dem Ablegen kommt noch im Kumai-River das erste Tier in Sicht: ein großer Monitor-Waran am Ufer! Dann kommt der Abzweig in den Sikuna-River hinein, eine Horde Nasenaffen springt direkt vor dem Bug ins Wasser und überquert schwimmend den Fluss! Jon („Look, proboscis monkeys, what a lucky day!“) hält sofort an, querende Affen haben hier Vorfahrt! Ein Stückchen weiter oben schwimmt ein Krokodil zwischen den schwimmenden Inseln, hier schwimmt irgendwie alles! Auch die Polizeistation am Abzweig in einen Seitenarm, dort beginnt der eigentliche Nationalpark. Der Fluss wird immer schmaler, oft streift die „Britannia“ an Ästen entlang, eine weitere Nasenaffenhorde kommt in Sicht, überquert den Fluss via Mutprobensprung von einem überhängenden Ast zum anderen, die kleineren „Pinocchios“ schaffen das manchmal nur ganz knapp! Noch ein Waran, noch ein Krokodil, wilde Orang Utans, riesige Schmetterlinge, Kingfisher, Adler, tiefster Dschungel… und dann Camp Leakey, die erste Orang-Utan-Station, und eine der weltweit ersten Affenbeobachtungsstationen überhaupt! Wiesoweshalbwarum hier Orang-Utans rehabilitiert werden, dass könnt ihr nachlesen, unter www.orangutan.org zum Beispiel, hier würde es den Rahmen sprengen. „Utan“ heisst übrigens Wald, und „Orang“ heisst ganz einfach Mensch, und wenn man drei Mütter mit ihren Babys mal wie meine Crew so ganz aus der Nähe gesehen hat, dann weiss man auch, warum.
Abends kocht Jonni eine weitere seiner genialen Mahlzeiten, bevor es zur Nachtwanderung geht, um Leuchtpilze zu bewundern. Übernachtet wird auf dem Schiff. Irgendwo im Dschungel, unter dem Moskitonetz, die Vorleine um eine Pandanuspalme, die Achterleine mit einem dicken Autoreifen als „Landanker“ einfach in das Dickicht geworfen, wird schon halten, „Lucky day“… auf der Britannia kehrt Ruhe ein. Im Wald schnarchen die Nasenaffen. Unglaublich.


Zurück zum Törn: Von Bali nach Singapur - September 2003

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