13.01.2004

13.01.2004Dienstag, 13.01.04 – Sumatra wird nach Norden durch die Nicobaren und dann durch die Andamanen quasi verlängert, beide Inselgruppen gehören zu Indien und sind Sperrgebiet, für das man eine Sondergenehmigung beantragen kann, die wir aber nicht haben und mit der man ohnehin erst in das weiter nördlich liegende Port Blair muss, was für uns ein zu großer Umweg wäre. Andererseits liegen die Insel Nancowry und Camorta so genau vor meinem Bug, dass man die Durchfahrt durch den Naturhafen, den sie zwischen sich bilden, eigentlich wagen könnte, obwohl für Yachten der Weg durch die weiter südlich gelegene Sombrero-Passage vorgeschrieben ist. Um 07.00 h laufen wir in den Nancowry Harbour ein, nur um die Weiterfahrt durch ein Küstenwachboot verhindert zu sehen. Wolfgang meldet uns also doch vorsichtshalber ordnungsgemäß beim Hafenmeister an. Der schickt uns zu einem Ankerplatz nahe der kleinen Fährpier und dort wird die Lügengeschichte des Tages erfunden: Wir mussten anhalten, weil die beiden „armen Frauen“ so seekrank sind, dass eine Pause dringend angeraten scheint. Olga muss beim Eintreffen des achtköpfigen Behördenkommandos erst aus ihrem „Koma“ erweckt werden, dass sie theatralisch auf der Salonbank verbringt. Viele Fragen werden gestellt, aber alle bleiben sehr freundlich und zuvorkommend, allerdings muss Olga zur Komplettierung des Papierkrams zum Arzt. Mit dem Militärjeep geht es also durch das Dorf zum kleinen Krankenhaus, wo im Warteraum die Enfield „Machismo“ als Notfallmotorrad neben ein paar indischen Kindern auf ihren Einsatz wartet. Die Ärztin telefoniert kurz nach dem Hausdiener, der ihr nach seinem Eintreffen im Büro die ca. 3 Meter entfernt in einem Regal liegenden weißen Briefbögen reicht, sie erklärt Olga wenig später für ausreichend gesund zur Weiterreise, und die wird denn auch gleich angetreten – bis uns der Hafenmeister über Funk zurückpfeift, wir müssen noch auf die Erlaubnis irgendwelcher übergeordneter und auch lokaler Behörden warten! Vor einem kleinen Einheimischendorf aus Palmwedeln etwas weiter westlich in dem Kanal fällt mein Anker zum zweiten mal an diesem Tag. Ein Fischer und seine Frau bringen im Auslegerkanu Kokosnüsse vorbei und hocken sich für ein Weilchen zu meinen Jungs und Mädels, ein buntes Korallenriff lädt zum Schnorcheln ein, dahinter weißer Strand, dann Palmen und Dschungel oder Gärten, wir haben ein Stückchen Paradies entdeckt. Kein Wunder, dass die hier lebenden Ureinwohner (und nicht die geschäftstüchtigen Inder!) keinen Tourismus wollen.
Um 16.50 müssen wir nochmal an die Fährpier, wo alle Pässe kopiert werden und jeder eine Erklärung unterschreiben muss, dass wir die Inseln nur wegen eines „medizinischen Notfalls“ auf der Reise nach Sri Lanka angelaufen haben. Der Kommandant und auch all die anderen werden angesichts Olgas schneller „Genesung“ den Braten schon gerochen haben, dass wir nur aus Neugierde angehalten haben, aber so bleibt jedermanns Gesicht gewahrt. Wolfgang wird auf dem Motorrad zurück an meinen Liegeplatz chauffiert, alle winken zum Abschied, der kleine Ort hatte einen aufregenden Tag und wir hier ein Abenteuer mehr zu berichten!
Unter vollen Segeln ziehen wir an traumhafter Landschaft entlang und in eine perfekte Monsunnacht hinein.


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