Dienstag, 13.04.04 – Ausnahmsweise mal die guten Nachrichten zuerst, damit sich niemand zu sehr aufregt: Menschenleben waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Und mir geht es weiterhin gut, nur ein paar Macken am Kiel und ein paar Absplitterungen am Ruder.
Und nun die schlechten Nachrichten: Um 04.00 h stranden wir auf einem Korallenriff auf der Position 27°14′ N, 033°52′ E. Die dicke Trosse der Boje hat sich anscheinend an den Korallen durchgescheuert, ich hänge mit dem Kiel zwischen ein paar Korallenköpfen fest, die Schräglage lässt die Bücher aus dem Schapp am Kartentisch purzeln, die Geräusche des Kiels an den Felsen sind grauenhaft, die des ständig durch den Seegang und des damit verbundenen Aufsetzens auf dem Grund erschütterten Riggs sind nicht besser. Innerhalb weniger Sekunden haben alle Schwimmwesten an und Wolfgang löst ein Mayday, also S.O.S. aus, weil mein Totalverlust droht. Über die Seenotleitstelle in Bremen wird die ägyptische Marine verständigt, die gegen 06.30 h, (also zweieinhalb Stunden später, obwohl wir uns nur drei Meilen vor Hurghada, quasi im Hafen befinden!) mit einem Arbeitsboot eintrifft und anbietet, Frauen und Kinder an Bord zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt bin ich aber schon mit einem Anker gegen den Wind gesichert, alle bleiben an Bord und warten auf mehr Tageslicht und die glücklicherweise einsetzende Flut. Um 07.45 h kommt die Marine wieder und nimmt aus Sicherheitsgründen nun doch Frauen und Kinder an Bord, das ist auch besser so. Beim ersten Schleppversuch bricht die Trosse, beim zweiten komme ich frei und kann mit eigener Kraft in den Marinehafen fahren. Den Rest des Tages verbringt meine wunderbare Crew mit Aufräumarbeiten, der Skipper ist mit unserem prima Agenten von Ibramar beim Behördenmarathon. Abends klappt er dann nach einem der schrecklichsten Tage seines Lebens ein bisschen im Cockpit zusammen, nie wieder möchte er in einer Situation sein, in der eine Mutter Angst um ihre Kinder hat. Aber in die Tränen mischt sich schon die gute Stimmung von Robin, André, Bettina, Ute, Tepi und Nico, die alle froh sind, dieses Abenteuer heile mit mir überstanden zu haben. Ende gut, alles gut. Und besonderen Dank an die Jungs von der DGzRS in Bremen für die Betreuung des Unfalls, und an Abdul, den Marinetaucher, der mein Ruderblatt gerettet hat und von allen Navy-Angehörigen der Beste ist! Und das allergrößte Kompliment an meine Gäste für das tadellose Verhalten samt unendlichem Dank für die unschätzbare Hilfe in ein paar schweren Stunden.
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