16.04.2005

16.04.2005Samstag, 16.04.05 – Mitten im Golf von Kotor, auf einer winzigen, im Lauf der der Jahrhunderte von den Seefahrern aus Perast Stein für Stein und Wrack für Wrack aufgeschütteten Insel steht die Kirche der Madonna vom Felsen. Es gibt einen einzigen Liegeplatz, den nehmen wir. Kirche und Museum sind leider geschlossen, bis eines der vielen von der Madonna bewirken Wunder
geschieht: Vier Frauen die einen Tourismuskongress vorbereiten, haben den Inselmeister aus Perast überredet, ihnen die Kirche zu zeigen. Und meine Mannschaft darf sich der Führung durch die Anlage anschließen! Hinter den Türen der Kapelle verbirgt sich ein Kirchenschiff, das diese Bezeichnung wirklich verdient, denn es sieht sehr nach Kapitänskajüte
aus! Über dreitausend silberne Votivtafeln erzählen von wundersamer Rettung aus Seenot oder von der Heilung von Skorbut und Wundbrand, viele Gemälde erinnern an Schiffbruch und Krieg auf See, Vasen und seidene Vorhänge sind Opfergaben aus China, ich kenne keinen anderen Ort auf der Welt, wo sich Seefahrt so fantastisch und fast schon mystisch
konzentriert! Für mich brennen hier jetzt auch zwei Kerzen, und eine Miniatur der wundertätigen Ikone vom Hauptaltar gesellt sich zum Heiligen Christopherus an meinem Kartentischschott. Hoffentlich vertragen sich die beiden! Ein paar Meilen weiter, ganz hinten im Eck zwischen den schneebedeckten Zweitausendern, die den Golf umranden, liegt Kotor. Und Martin legt mich
an die Pier. Damit liegen jetzt zwei Traumschiffe im Hafen, denn die MS „Deutschland” liegt hinter mir! Richard verzichtet in wienerischer Weisheit auf den Aufstieg auf die byzantinisch-venezianisch-östrreichischen Festungsanlage hinter der
Altstadt, aber Olga und die beiden anderen Jungs schnüren die Wandersandalen und erklimmen die Burg. Der Golf, Kotor, die
„Deutschland” und ich. Ausblick ohne Ende. Und jeden Schritt auf den siebenhundertmillionendreizehn (oder so…) Treppenstufen wert! Abends rockt die Jugend in den Gassen, aber zu mehr als einem gemütlichen Absacker lässt sich hier an Bord niemand mehr hinreißen.


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