01.07.2005

01.07.2005Freitag, 01.07.05 – Behördenhürdenhorden… die byzantinischen Ausklarierungsformalitäten nehmen mal eben drei Stunden in Anspruch, reichlich Zeit für Dieter, die Schiffs- und Sicherheitseinweisung zu übernehmen, während Wolfgang im Freihafen die verschiedenen Büros abklappert.
Zwei freche, wasserspritzende und auf dem Nachbarboot herumturnende Jungs (die Sommerferien haben hier begonnen!) wollen dann unbedingt an den Ohren gezogen werden (beim Versuch, die Tür zu öffnen ist Schluss mit lustig!), aber dann ist sowieso Zeit für das Ablegemanöver. Monika steuert mich punkt 12.00 h aus der Hafeneinfahrt heraus und dreht meinen Bug nach Osten. Das ist eigentlich verboten, weil wir ja schon die Ausklarierungspapiere an Bord haben, aber einen typischen, kleinen, türkischen Fischerhafen sollen meine neuen Gäste ja auch noch kennen lernen, bevor wir die Türkei verlassen. Prompt begegnet uns nach zwei Meilen die Küstenwache und fragt über Funk nach unserem Reiseziel… Ehrlich währt am längsten, Wolfgang meldet alles wahrheitsgemäß – und die Küstenwache wünscht Gute Reise! Groß und Fock füllen sich mit Wind, die Götter bekommen ihren Opferschluck, Delfine begrüßen die neue Mannschaft – und viel zu schnell ist Arakli erreicht.
Es ist wie immer, nur noch besser: Die Fischer in diesem kleinen Schutzhafen winken mich gleich längsseits und sind natürlich erstaunt, dass mit Judith eine Frau am Steuer steht. Und weil Monika fotografiert, produzieren sie sich natürlich besonders gerne. Aus den üblichen Begrüßungsfloskeln ergibt sich mal wieder ein nettes Gespräch, Orhan und Osgür kommen an Bord und haben einen Riesenspaß mit Langenscheidts Sprachführer für Türkisch! „Können sie bitte meinen Luftdruck prüfen!” ist Osgürs Favorit, da lacht er sich halb schlapp!
Direkt neben dem Hafen gibt es einen kleinen Badestrand, Osgür bekommt eine von Wolfgangs Badehosen ausgeliehen und dann geht’s los zur Kinderbelustigung. Die müssen nach anfänglichem Geplänkel („What is your name?!”) den Tennisball durch die Schwimmente hindurchwerfen, die Judith hoch hält. Judith bekommt auch ein paar Treffer ab…
Dieter und Orhan sind an Bord geblieben, und Dieter fertigt eine technische Zeichnung nach der anderen an, bis Orhan theoretisch auch mit mir lossegeln könnte. Als die Planschpartei wieder an Bord kommt, haben die übrigen Fischer ihre Arbeiten für heute auch erledigt und lassen sich mit der Fischbestimmungstafel die Trophäenflossen vom Solarpaneel (da hängen nämlich die Schwanzflossen der letztjährigen Mahlzeiten!) erklären. Die Bilder vom 2,5m-Sailfish auf Vanuatu sind natürlich besonders beeindruckend…
Zum Abendessen quetscht Osgür meine Mannschaft in das Führerhaus seines LKWs und dann geht es durch Arakli hindurch bis zu einem ehemaligen Strandlokal, durch das jetzt die neue Küstenautobahn (Rasmus sei Dank – noch nicht in Betrieb!) mitten hindurch läuft. Als Ersatz für den Strand hat das Lokal einen Tunnel unter dem Fahrdamm hindurch und einen Pavillon auf einem Vorsprung ins Meer hinein! Der Garten ist aber gemütlich wie vorher – und das Essen ist prima! Freunde kommen vorbei und gesellen sich dazu, der Wirt serviert bis nix mehr reinpasst, und den Absacker ganz zum Schluss gibt es wieder mal hier an Bord im Cockpit – was für ein Tag!


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