22.08.2006

Dienstag, 22.08.06 – Wenigstens ist nur noch so viel Wind, dass man sich von Bucht zu Bucht nach Norden hangeln kann… eine richtige kleine Segelboot-Flottille hat sich am frühen Morgen gebildet und schummelt sich Kap um Kap in Richtung Marseille. Die Mühe wird aber belohnt: Am Kap Bec de l’Aigle (Adlerschnabel) löst Wolfgang zum ersten Mal Landschaftsalarm aus, und von da an alle paar Minuten: Roter Sandstein wurde vom Wind zu wunderbaren Formen geblasen, mal sieht es aus, als ob eine Schule Delfine aus der Felswand springen würde, dann findet man Gesichter oder Monster, dann vielleicht ein Krokodil oder einen Bären – und ab und zu und wie von Geisterhand tut sich eine Lücke in der Felswand auf und eine der Calanques, wie die fjordähnlichen Buchten hier heißen, öffnet sich und überrascht mit üppigem Grün und weißem Strand. Ab der Ile Riou gibt es dann sogar immer Doppellandschaftsalarm, weil nun nicht nur die Festlandsküste, sondern auch die vorgelagerte Insel reichlich Fotomotive bietet. Bei jeder Wende (und davon haben wir heute reichlich!) müssen als erstes die Kameras verstaut werden, der Wind ist ja weiterhin stark!
Und plötzlich, hinter dem nächsten Kap, sieht man Marseille. Wie es sich bei der Ansteuerung eines alten Handelshafens gehört, segeln wir bis vor den Liegeplatz mitten in der Altstadt. Toni bekommt dabei zwar ein wenig feuchte Hände, weil es schon eng und voll zugeht, aber ich bin unter Segeln ja nicht schlechter zu manövrieren als unter Maschine, nur rückwärts in die Box am Yachtclub, das machen wir dann motorunterstützt.
Die Erkundung der Stadt wird nach 50 anstrengenden Meilen gegen den Mistral auf morgen verschoben, heute fallen alle müde in die Kojen.


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