09.12.2006

09.12.2006Samstag, 09.12.06 – Der Morgen erinnert an gestern, aber dann geht es los: Um 16.30 h UTC (hier also kurz nach Bordmittag) wechseln die Jungs wegen des nachlassenden Windes meine Garderobe von kleiner Fock auf große Fock, die Genua wird etwas größer ausgerollt. Mitten im Manöver (wann sonst!!) gibt es Fischalarm, und der hat es in sich. Die Leine der Mörderangel zieht gewaltig nach Backbord weg, die kleine Angel verheddert sich dadurch mit dem Fang, und der ist nur gaaanz langsam näher zu bekommen. „Das Gaff, schnell, ein Schwertfisch, Michi, Handschuhe an, am Schwert greifen, Gaff an der Reling fest, jetzt, hoch!!!” Und dann schlägt ein Blauer Marlin kreuz und quer durch das Cockpit. Klaus kippt einen guten Schluck Fischtod hinter die Kiemen, Wolfgang holt sich eine kleine Blessur am Oberarm durch die Schwanzflosse, aber nach einer Weile ist der Kampf gewonnen. Da liegt er. 180 cm lang, wunderschön und eigentlich viel zu schade zum Aufessen. Ein bisschen traurig macht so was auch. Aber die Freude überwiegt, juhuuu!
Nach einer knappen Stunde ist die Riesensauerei im Cockpit abgewaschen, die Nahkämpfer sind geduscht, der Marlin ist filetiert, die erste Portion gibt es auf Polynesische Art mit Kokosmilch und Kohl.
Auf der Funkrunde wird währenddessen ein Mann-über Bord auf Position 14°48’N, 047°48’W gemeldet. Das liegt zwar 300 Meilen vor uns, aber ich bin im Moment die einzige Yacht, die in Funkreichweite liegt und ein Satellitentelefon hat, ich bin also wieder Postschiff, diesmal in einem echten Notfall. Bernhard und Wolfgang sind abwechselnd und die ganze Nacht damit beschäftigt, zwischen dem Havaristen, einer zur Hilfe geeilten Yacht , dem Rettungszentrum auf Martinique, dem Rettungszentrum in Falmouth und einem Arzt auf einer anderen ARC-Yacht zu vermitteln.


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