10.12.2006

Sonntag, 10.12.06 – Die Funkerei zieht sich die ganze Nacht hindurch, und die Meldungen werden immer unglaublicher, bis endlich klar wird, dass der Mann ein Psychopath ist, der zwischendurch schon wieder in den Atlantik gesprungen ist. Seit er zum zweiten Mal herausgefischt wurde, hat man ihn unter Deck eingesperrt, er droht nun aber wechselseitig damit, die Crew oder sich selbst umzubringen. Erst heißt es, er habe seit drei Tagen seine Medikamente nicht genommen, dann kommt die Meldung, er hat die halbe Bordapotheke intus. Das zehrt schon hier in 300 Meilen Abstand an den Nerven, die beiden Yachten, die direkt vor Ort helfen, leisten Schwerstarbeit. Der beratende Arzt, für den wir die einzig verständliche Relaisstation zum Unfallschiff sind, befiehlt Evakuierung, wir leiten die Rettung ein. Das Rettungszentrum Falmouth kann das britische Kriegsschiff HMS „Lancaster” umleiten, wir sind für die Vermittlung der aktuellen Positionen, der aktuellen Gesamtlage und des Gesundheitszustandes an Martinique und an HMS „Lancaster” verantwortlich. Um 11.00 h UTC hat die „Lancaster” selbst Funkkontakt mit den Yachten vor Ort, Wolfgang befehligt zum ersten und wohl auch letzten Mal in seinem Leben ein britisches Kriegsschiff, indem er bittet, die Frequenz von 4149 kHz (brauchen wir für den ARC-Sammelanruf, den müssen wir ja auch noch leiten!) auf 4125 kHz zu wechseln. Damit endet das Abenteuer für mich und meine Crew. Nochmal brauchen wir das nicht.
Im Sammelanruf wird durchgegeben, dass die Yacht „Arnolf” mit Ruderschaden aufgegeben wurde, außerdem kleinere Schäden bei einigen Schiffen.
Erst mit dem Abschalten des Funkgerätes kehrt hier ein wenig Ruhe ein, die auch dringend gebraucht wird.
Zum Abendessen gibt es Schwertfisch, daran wird sich in den nächsten Tagen wohl auch nichts ändern…heute die Variante in leckerer Tomatensoße.


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