17.12.2006

17.12.2006Sonntag, 17.12.06 – Der Tag beginnt windig, um 01.45 h rauscht eine Schauerböe heran. Wie am Abend abgesprochen wird eine Blisterschnellbergung eingeleitet, die sich lediglich dadurch verzögert, dass meinem Skipper ein Knopf von der Hose abspringt und er selbige deshalb noch mal wechseln muss. Wie nach Schauerböen üblich, lässt der Wind nach Durchgang rapide nach, heute leider auf unter eine Windstärke, und da die Segel in der Dünung schlagen, motoren wir ein paar Meilen, bis sich die Situation wieder normalisiert. Das geht den ganzen Morgen lang ein paar Mal so, und eigentlich nervt das. Wolfgang grummelt: ?Das kann ja wohl nicht sein, dass wir nach 2800 gesegelten Meilen nachher über die Ziellinie motoren müssen!? Um 12.45 h kommt unter den Regenwolken Land in Sicht, aber erst um 14.30 h gibt es das große Aufatmen, denn der Himmel klart auf, das Wetter stabilisiert sich. Der Blister kann wieder gesetzt werden und meine letzten Transatlantikmeilen werden genauso wie die allermeisten anderen: traumhaft.
Beim Erreichen der 12-Meilen-Zone wird traditionell und unter Abspielen der Nationalhymne von St.Lucia die Gastlandsflagge unter der Steuerbordsaling gesetzt, großes Seefahrerzeremoniell! Aus der Nähe überrascht die Ostküste der Insel mit dichtem Dschungel, erst an Pigeon Island, der Halbinsel vor der Rodney Bay Marina, gibt es größere Anzeichen von Zivilisation. Um Pigeon Island herum muss ich etwas höher an den Wind, aber der Blister bleibt noch oben, das gibt spektakuläre Bilder von einem spektakulären Zieleinlauf nach einer spektakulären Atlantiküberquerung. Um 19.48 h und nach 3035 Seemeilen (bei etwas zu schneller Logge, eigentlich sollten es nur 2880 sein) ist es nämlich soweit: Mein Bug schneidet die Ziellinie, wir sind da!
Am Steg gibt es großen Bahnhof, Freunde aus der Funkrunde und das offizielle ARC-Begrüßungskomitee helfen beim Anlegen, die ersten Schritte auf den Steg sind ziemlich wackelig-schwammig, aber das ist ja nur einer von so vielen Eindrücken, die nach genau drei Wochen Meer an Land nun plötzlich auf meine Crew einprasseln.
Für Wolfgang ist die größte Überraschung, das Dirk von der SY ?Carpe Diem? hier ist, Dirk hat 1998 meine Funkanlage eingebaut und war 1999 auf den Kapverden mit an Bord. Und nach sieben Jahren trifft man sich dann wieder?
Noch eine schöne Überraschung: Die Uhren an Bord werden von UTC auf Lokalzeit ungestellt, es ist erst 16.00 h am Nachmittag! Also reichlich Zeit, zu feiern!
(Hauptbestandteil des Abendessens im Marinarestaurant übrigens ein Steak für jeden, wer hätte das nach 10,10 Metern Fisch auch anders erwartet.)


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