Von LaCoruna nach Lissabon – September 1999

05.09.1999

Sonntag, 05. September 1999

Sonntag, 05.09.99 – So richtiges Begrüßungswetter ist das nicht: Nach der obligatorischen Schiffs-und Sicherheitseinweisung wird es dunstig und bedeckt. Alte Dünung wirft mich auf dem Weg nach Südwesten hin und her, Wind weht keiner, also lassen wir es 22 Meilen weiter schon gut sein mit dem Weg nach Lissabon und gehen in Malpica bei den Fischern an der Eisfabrik längsseits.
Und kaum geht die Mannschaft zwei Gassen weiter, steht sie an einem schönen Strand mit Cafes und Pizzeria. Und mit ein paar Wellenreitern. Denen gefällt die alte Dünung natürlich, sei’s ihnen gegönnt… den einen Tag wenigstens…. aber nicht länger….!

06.09.1999

Montag, 06. September 1999

Montag, 06.09.99 – Na also! Morgens sieht das ja noch nicht so toll aus, aber am Nachmittag reißt der Himmel auf, eine leichte Brise aus Nordwest setzt sich durch, der Skipper serviert die Pizzareste von gestern, der Tag wird wunderschön!
Bei dem Anleger in dem kleinen Yachthafen von Camarinas bietet sich ein für mich ungewohntes Bild: Die selben Yachten wie in A Coruna, teilweise wenigstens. In der Biskaya waren wir ja oft alleine, aber jetzt sind wir mitten in den Schwung südwärtsziehender deutscher, englischer und französischer Yachten geraten!
Auch die ersten Gegner für die Transatlantik- Rallye im November sind schon am ARC-99-Aufkleber identifizierbar, das läßt ja auf ein paar nette Abende in der Zukunft hoffen! So mit Klönschnack und Erfahrungsaustausch von Yacht zu Yacht!

07.09.1999

Dienstag, 07. September 1999

Dienstag, 07.09.99 – Von Ost nach West, von Gijon über A Coruna bis Vigo:
Ein Kap ist berühmter als das andere.
Cabo de la Estaca de Bares ist das nördlichste, dann folgen hoch und schroff Cabo Ortegel, Punta Candelaria, Cabo Prior, A Coruna hat dann den ältesten erhaltenen Leuchtturm der Welt, den Torre de Hercules, der seit Römertagen den Seefahrern hilft, dann Cabo Villano, Cabo Torinana, dann das westlichste, Cabo de la Nave, und dann das berühmteste: Cabo Finisterre, auf einer hohen, unwirtlichen Landzunge gelegen, das Ende der westlichen Welt.
In seinem Schutz liegt eine wunderschöne, umwaldete Ankerbucht.
Unsere Ankerbucht.
Uli brutzelt frischen Fisch im Ofen und alle fünf Sekunden sagt ein kurzes Blinken vom Leuchtturm, daß es von morgen an für uns nach Süden geht, bis in vier Wochen in Gibraltar.

08.09.1999

Mittwoch, 08. September 1999

Mittwoch, 08.09.99 – Weil das Ankern in einsamen Buchten
a) ziemlich viel Spaß macht und
b) wegen der tief ins Landesinnere einschneidenden „rias“ recht sicher und geschützt möglich ist, sucht Carola das nächste lauschige Eckchen aus.
Mit einmal Umdisponieren, weil das im Hafenhandbuch beschriebene erste lauschige Eckchen bei weitem nicht so lauschig ist, wie angekündigt. Aber ein Inselchen und zwei Muschelzuchtgestelle weiter liegt „unser“ Strand, einsam und einladend, Ruhe ausstrahlend.
Bis die Spanische Armada angreift, heute in Gestalt einer blumengeschmückten Fischerflotte, die laut hupend, lachend, singend und irgendeinen Festtag feiernd durch unseren Ankerplatz rauscht, um dann ähnlich gespenstisch schnell, wie der ganze Spaß begann, wieder zu verschwinden. Danach bleibt es lauschig, ehrlich! (Bis auf die wohligen Seufzer wegen Carolas Drei-Gänge-Menü!)

09.09.1999

Donnerstag, 09. September 1999

Donnerstag, 09.09.99 – Herzlichen Glückwunsch, Claudia!
Liebste und beste aller Skipperschwestern!
Manchmal. Meistens… Na gut: IMMER!!!!
Und Entschuldigung für den nächtlichen Anruf, Wolfgang hatte schon ganz vergessen, das man auch „anders“ in seinen Geburtstag reinfeiern kann…. kommt von seiner Enthaltsamkeit…
Ziemlich früh am Morgen tuckern wir eben über die „ria“ in den Yachthafen von Portosin, weil man von da aus am leichtesten nach Santiago de Compostela kommt.
Die Mannschaft hat nämlich beschlossen, „in Kultur“ zu machen und endgültig herauszufinden, wer „der wahre Jakob“ (Luther) war. (Für nicht so Kulturbeflissene: Santiago, also St. Jakob, soll hier begraben sein, nur nach Jerusalem und Rom pilgern noch mehr Christen, an der Nordroute des Jakobsweges haben wir bei den Törns in der Biskaya mehrfach gelegen und die alten Kirchen und Hospize bewundert.
Santiagos Innenstadt gilt als Weltkulturerbe der Menschheit und Luther fand das alles reichlich übertrieben…).
Portosin bedeutet übrigens nicht „Sündenhafen“.
Noch nicht…

10.09.1999

Freitag, 10. September 1999

Freitag, 10.09.99 – Beim Ableger ist die Sicht noch gut, aber draußen liegt wieder mal Seenebel, dieses mal allerdings mit ausreichendem Wind zum Segeln. So ganz viel Strecke nach Süden machen wir deshalb nicht, aber der Weg aus der Ria de Muros raus beträgt schon acht Meilen, dann ein paar Meilen nach Süden und in die Ria de Arosa. Diese Bucht ist noch tiefer, bis in den Scheitel sind es fast 20 Meilen.
Unterwegs liegen aber ein paar unbewohnte Inseln, und hinter einer (Isla Corbera) fällt dann am Abend der Anker. Ein Fischer kommt noch kurz vorbei und sagt uns, dass der Ankerplatz gefährlich ist, weil große Steine und Felsen am Grund liegen.
Aber wir hatten vor dem „Lass fallen Anker!“ einen Untiefensuchkringel mit dem Echolot gedreht, und tatsächlich passiert auch die ganze Nacht lang nichts. Außer Abendessen und Musik machen, wie es sich für einsame Liegeplätze gehört!

11.09.1999

Samstag, 11. September 1999

Samstag, 11.09.99 – Heute gibt es einen neuen Rekord, und Zwar in der Disziplin „Schnellangeln“: Wolfgang behauptet ja immer, dass man mit etwas Glück so alle drei bis vierTage einen schönen Fisch an der Angel hat. Also wirft Carola den Blinker aus und genau zwei Minuten später hängt eine Makrele dran!
Obwohl Wolfgang die Crew als „technisch unbegabteste Mannschaft“ tituliert hatte, weil Carola nämlich nicht wußte, wierum man die Angelleine aufrollt. Was die Makrele aber nicht rettet. Sie wird am nächsten Ankerplatz (an der Inselgruppe/Vogelschutzgebiet Cies o de Bayona, mit schönem Sandstrand!) nämlich zu Fischsuppe verarbeitet.

12.09.1999

Sonntag, 12. September 1999

Sonntag, 12.09.99 – Schieben Schtunden Schegeln, schteife Brische bei herrlischem Schonnenschein, und schon ischt man in Portugal, genauer: in Viana do Caschtelo.
Da trifft esch sisch gut, dasch Carola alsch Schwäbin auch gantsch toll nuscheln kann und auscherdem gerade einen Volkschhochschulkurschusch in Portugischisch macht! Dasch Einklarieren ischt dank Schengen schnell erledigt, alscho bleibt noch Zeit für einen Altschtadtbummel mit Abendeschen in einer Klasche Pitscheria, die auch gute portugischische Küsche hat!
Aber ob isch misch an die Schprache gewöhnen kann??!

13.09.1999

Montag, 13. September 1999

13.09.1999

Montag, 13.09.99 – Der steife Nordwestwind (Portugalpassat oder Portugisischer Norder) bleibt uns treu, wir preschen in ein paar Stunden bis vor die Hafeneinfahrt von Porto und Wolfgang darf die Entscheidung fällen, ob wir im häßlichen Industriehafen vor der Stadt oder mitten in der Altstadt vor den Portweindestillen anlegen. Allerdings ist die Einfahrt in den Fluss Douro schwierig und nur bei Hochwasser möglich.
Aber wir haben Hochwasser…. und es lohnt sich. Alleine die Fahrt den Fluß hinauf ist traumhaft, und der Liegeplatz ist genau da wo er hingehört: mitten im alten Stadtzentrum, vor den alten Kellerkneipen und gegenüber von Sandemann. Zwei andere Yachten haben es auch gewagt, bei denen können wir längsseits gehen und uns von den Touristen auf der Hafenpromenade bestaunen lassen!

14.09.1999

Dienstag, 14. September 1999

Dienstag, 14.09.99 – Hafentag, logisch! (Bummeln, gucken, staunen…)

15.09.1999

Mittwoch, 15. September 1999

Mittwoch, 15.09.99 – Von der Gesamtentfernung her gesehen haben wir fast noch die Hälfte vor uns. Deshalb ist Nachtfahrt angesagt. Den ersten Vormittag lang liegt mal wieder Nebel auf dem Atlantik, leider bleibt es trotz Sturmwarnung für die Biskaya hier unten flautig, und das 33 Stunden lang bis zum Anleger in der neuen Marina von Cascais, kurz vor Lissabon.
Langweilig ist es unterwegs trotzdem nicht, Unmengen Delfine begleiten uns Tag und Nacht, Ausweichmanöver mit Fischerbooten müssen gefahren werden, der westlichste Punkt des europäischen Kontinentes (Cabo da Roca) wird ausgiebig fotografiert, plötzlich ist der

16.09.1999

Donnerstag, 16. September 1999

Donnerstag, 16.09.99 – Auch schon halb rum, und das angekündigte Mistwetter erwischt uns erst am Liegeplatz am neuen Schwimmsteg in der neuen Marina (noch keine Preislisten, also umsonst!) in Cascais. Eigentlich erwischt es die Crew sogar erst so richtig auf dem Heimweg vom Abendessen im noblen Stadtzentrum. (Cascais ist für Lissabon so was wie Blankenese für Hamburg…) Gott sei Dank findet sich aber zum Abwarten des schlimmsten Schauers eine Bar mit Billardtisch.

17.09.1999

Freitag, 17. September 1999

17.09.1999

Freitag, 17.09.99 – Wir dürfen erst spät ablegen, damit wir mit der Flut den Tejo hoch nach Lissabon segeln können. Und das ist wieder traumhaft:
Nur unter Fock vorbei am Torre de Belem, dann am Seefahrer- und Entdeckerdenkmal entlang, dann unter der riesigen Hängebrücke hindurch und kurz vor der Altstadt in eines der alten Hafenbecken.
Lissabon muß man von See aus das erste Mal erblicken!
Desweiteren müssen wir leider auf die gängigen Reiseführer verweisen. Die alle eines unterschlagen: Man muß mit dem Schiff hierher, am besten mit einem Segelschiff, am allerbesten mit mir!

18.09.1999

Samstag, 18. September 1999

Samstag, 18.09.99 – Ein Orkantief in der Biskaya mit einer ewig langen Kaltfront sorgt für einen nassen Crewwechsel und für einen vergrippten Skipper, den ich damit auch für das verspätete Logbuch entschuldigen muß!
Katharina Mazur und Holger Fischer kommen schon am Nachmittag, Monika Seidl und Norbert Geißler (womit der letztjährige Korfu – Korfu -Törn auch fast komplett wieder da war!) erst spät am Abend, aber alle kommen sie pudelnass…