Von Kanaren nach Kanaren – Februar 1999

14.02.1999

Sonntag, 14. Februar 1999

Sonntag, 14.02.99 – Zwei Gründe halten uns (Petra Ferino, Sylvia Sagstetter, Thomas Körner, Bernhard Rehbaum, Wolfgang und Lipso) an diesem Sonntag noch im Hafen: Michael Zimmer hat erst für heute einen Flug ergattert – und der starke Nordwind mit offizieller Sturmwarnung für den Nordteil der Insel. Aber die Schiffs- und Sicherheitseinweisung (wird mit zunehmender Ausrüstung immer länger…) und ein Spaziergang durch Las Palmas lassen den Tag auch schnell und interessant rumgehen. Abendessen gibt es bei „Hühner-Hugo“ (Grüße an die JOJO-Crew von der ARC!) auf dem Marina-Gelände, in der Stadt tobt nämlich der Karneval. Uns reichen für heute aber die rüberwehenden Samba- und Merenge-Rhythmen, außerdem hat Lipso kein Kostüm! Und Kennenlernen und Erzählen ist am ersten gemeinsamen Abend ja auch immer spannend genug.

15.02.1999

Montag, 15. Februar 1999

Montag, 15.02.99 – Nach dem großen Verabschieden von all den anderen Yachties an der Muelle Deportivo fährt Thomas um 12.15 h den ersten Ableger und steuert mich vorsichtig zwischen den zerstörten und überspülten Molenköpfen hindurch in Richtung Süden. Rasmus bekommt sein traditionelles Opfer, von Petra und Michael leider auch in halbfester Form, der Nordwind hat eine ganz schön hohe Dünung hinterlassen, auch wenn er heute nur mit vier Bft weht…
Zur Halbzeit auf dem Weg nach Pasitos Blancos (bei Maspalomas) brist es auf sechs bis sieben auf, nicht umsonst stehen am Kap südlich des Flughafens Unmengen von Windgeneratoren. Hier pfeift es fast immer, Highscore für heute: 10,1 kn.
Aber an den Dünen von Maspalomas sind wir in ruhigem Wasser, und hier kann dann die ganze Crew den Wind genießen. Pasitos Blancos ist eigentlich ein ganz netter Hafen, aber leider ist die einzige Kneipe im Dezember abgebrannt und ansonsten gibt es nichts. Gar nichts.
Eine anonyme Stimme aus der Gegensprechanlage am schweren Schiebetor zu unserem Liegeplatz sagt uns, daß Lipso die Lichtschranke blockiert und deshalb nicht geöffnet werden kann. Ansonsten keine Menschenseele im ganzen Hafen. Fast gruselig. Da machen wir doch die Petroleumlampe an und dann einen gemütlichen Abend unter Deck!

16.02.1999

Dienstag, 16. Februar 1999

Dienstag, 16.02.99 – Ganz anders im Puerto de Mogan. Den erreichen wir nach knapp drei Stunden bei umlaufenden Winden und fühlen uns gleich wohl: Überall Blumen, viele kleine Läden und Restaurants, Leute auf den Stegen, nette und hilfsbereite Marineros, als Michael mich an den engen Liegeplatz bugsiert; einfach schön, obwohl auch großteils künstlich angelegt (der Hafen, nicht die Leute und die Marineros!). Und deshalb bleiben wir auch einen Tag:

17.02.1999

Mittwoch, 17. Februar 1999

Mittwoch, 17.02.99 – Petra, Michael und Bernd mieten ein Auto, erkunden die Berge und kommen erst abends ganz begeistert zurück. Sylvia und Thomas verbummeln den Tag im Hafen und am Strand, und Wolfgang kuriert seine Erkältung aus. Das geht bei Sonnenschein ja auch besser als bei Schneegestöber und trockener Heizungsluft…

18.02.1999

Donnerstag, 18. Februar 1999

Donnerstag, 18.02.99 – Bernds allererster Ableger und dann 55 Meilen vom Feinsten: Blauer Himmel, fünf Bft aus Nordost, Raumschots nach Teneriffe! Ein Reff im Großsegel, die kleine Fock vorne und schon ist man zwei Stunden eher in Los Christianos als geplant. Unterwegs immer mit Blick auf den schneebedeckten Teide, ansonsten niemand außer uns unterwegs.
Thomas will eine Flasche Champagner für den ersten gesichteten Delphin ausgeben, der würde für den ganz perfekten Tag noch fehlen… Im Hafen mogeln wir uns an einen Ausflugsdampfer und hoffen, daß der morgen nicht so früh raus will. Das Abendessen im „La Paloma“ ist gut und reichlich, aber trotzdem will so richtig keiner länger als nötig in Los Christianos bleiben. Ein Hotelbunker am anderen, endlose Liegestuhlreihen am kleinen Stadtstrand, ständige Anmache von Restaurant-Türstehern und fliegenden Händlern; warum hier Leute Urlaub machen, wo sie doch auch mit mir segeln gehen könnten??!

19.02.1999

Freitag, 19. Februar 1999

Freitag, 19.02.99 – Neidvolle pauschaltouristische Augen verfolgen Sylvias Achterausableger, wir nehmen Kurs auf Gomera. Im Lee von Teneriffe passiert nicht viel: Thomas muß sich den Champagner selbst ausgeben, weil er die ersten Delphine sieht, und Petras Mütze wird mit einem Quick-Stop gerettet.
Leonhard Cohen (Danke an Barbara Ney!), ein großer, gemischter Salat, Sonnenschein und eine leicht Brise bescheren uns einen gemütlichen Start ins Wochenende. Ausreffen und Rollgenua setzen haben auch noch stattgefunden, aber das wollen wir mal nicht als Hektik bezeichnen.
Am Abend holt der Karneval die Crew dann in San Sebastian doch noch ein. Auf dem Weg zum Abendessen ertönt plötzlich lautes, vielstimmiges Wehklagen. Die ersten Klageweiber bahnen sich dann ihren Weg durch die Menge und fallen wahllos den Zuschauern um die Hälse, um ihnen schluchzend und unter Tränen mitzuteilen: „Die Sardine ist tot!“ Und dann kommen immer mehr schwarz gekleidete Klageweiber, das Geheule wird immer lauter, dann kommt die Sardine (Vier Meter Pappmaschee mit Hut und Zigarre!) samt Priester und Meßdienern, das Geheule wird infernalisch, die ersten Klageweiber fallen in Ohnmacht, eine gleich dem Skipper an die Brust, der dann feststellen muß, daß „sie“ ganz schön stramme Waden unter roten Strapsen und einen nicht wegzuschminkenden Bartschatten hinter dem Trauerschleier hat…
Irgendwann wird die Sardine dann feierlich verbrannt; Party bis um 05.00 h in der Frühe…

20.02.1999

Samstag, 20. Februar 1999

Samstag, 20.02.99 – Hafentag, war ja klar! Bummeln, waschen, Logbuch schreiben, Gomera und den ewigen Frühling am Strand oder an Bord unter dem Sonnensegel genießen!

21.02.1999

Sonntag, 21. Februar 1999

Sonntag, 21.02.99 – Nachtrag zu gestern: Da spielt also abends eine tolle Lateinamerikanische Band Salsa und Merenge. Und die Crew steht so auf vor der Bühne und wippt so in den Knien. Bernd und Petra tanzen dann auch. Sieht toll aus. Und dann gesellt sich eine junge Dame zu meinen Jungs und fängt so an zu erzählen. Und baggert Bernd an. Und tanzt mit ihm. Das sieht nicht so toll aus. Sie ist ja auch mehr mit baggern beschäftigt. Bernd will aber lieber nur vernünftig tanzen und fragt deshalb so durch die Blume: “ Sag‘ mal, reitest du?“- antwortet sie doch tatsächlich: „Nur auf Männer!“ Aaaaahhhhh – Hafentag – Erholung – Vergessen!!! (Autoausflug, Bergwandern, Gomera genießen…)

22.02.1999

Montag, 22. Februar 1999

Montag, 22.02.99 – Von Gomera nach Teneriffe können wir gut anliegen, und eigentlich soll es gleich weiter bis Gran Canaria gehen. Aber kurz nach der Pta. Rasca an der Südspitze von Teneriffe brist es auf sieben Bft auf. Leider ziemlich von vorne…
Auch das dritte Reff im Großsegel bringt nur mäßige Besserung, also wird der Bug wieder nach Westen gedreht und Puerto Colon angelaufen. Noch so eine Bettenburg!

23.02.1999

Dienstag, 23. Februar 1999

Dienstag, 23.02.99 – Ablegen durch Eindampfen in die Achterspring. Und auch den Rest des Tages bleiben wir unter Dampf: Es bleibt bei sieben Bft in der Meerenge zwischen Gran Canaria und Teneriffe. Zum dritten Reff wird die Sturmfock gesetzt, die ganze Mannschaft wettert die überkommenden Brecher im Ölzeug ab und Petra erhält die John-Maynard-Gedächtnis-Medaille für vier Stunden ununterbrochenes Rudergehen bei schwerer See und stürmischem Wind. Neun Stunden dauert der Ritt bis ins Lee von Gran Canaria, da ist dann urplötzlich Flaute. Die letzten zehn Meilen müssen sogar motort werden, bis die Crew zum wohlverdienten Mitternachts-Snack in Puerto de Mogan einläuft. Für Petra und Bernd war das die erste Nachtfahrt überhaupt, aufregend bei soviel Wind, aber unter einem guten Stern (bzw. Planeten): Venus und Jupiter stehen nämlich an diesem Abend unheimlich dicht beieinander, hoffentlich konntet ihr das seltene Ereignis auch in Deutschland sehen, trotz Schneegestöber…

24.02.1999

Mittwoch, 24. Februar 1999

Mittwoch, 24.02.99 – Irgendwie erinnert das Wetter an antizyklonale Bora in der nördlichen Adria: In Lee der großen Inseln weht eine laue Brise aus Südwest, aber am ersten ungeschützten Kap pfeift es aus Nordost. Der Wetterbericht meldet tapfer Windstärke vier, aber wir beißen uns bei gut sieben bis acht und Seegang vier bis fünf die Zähne auf dem Weg nach Agaete aus. Der Versuch dauert eine knappe Stunde und einmal flach auf dem Wasser liegen (nein, kentert trotzdem nicht!), dann läßt Wolfgang halsen. Und in Lee ist wieder Flaute aus Südwest! Unter Maschine und noch eingebundenem zweiten Reff nach Puerto Rico! Da kommt man sich doch veralbert vor! Als ob es beim Wind keine Zwischengrößen gäbe! Ölzeug an, Ölzeug aus! Segel hoch, Segel runter! Cockpit naß, Cockpit trocken! Sylvia mit aufgerissenen Augen am Ruder, Sylvia wieder ganz ruhig! Versuchen wir es morgen nochmal…

25.02.1999

Donnerstag, 25. Februar 1999

Donnerstag, 25.02.99 – Ein muffeliger Tankwart in Puerto Rico schmeißt meine Vorleine ins Wasser, als er feststellt, daß wir nicht tanken, sondern nur den Schlüssel für die Duschen in der Rezeption abgeben wollen… schlechtes Omen für den zweiten Versuch nach Agaete?? Zwei Stunden müssen wir wieder im Lee von Gran Canaria motoren, aber dann ist die Düse wieder da: Heute mit „nur“ sechs bis sieben Bft, heftig, aber das geht.
Vier Stunden Backbordbug, dann die Wende mitten in einer großen Delphinschule und dann vier Stunden Steuerbordbug. Einmal raus aus dem Kapeffekt werden Wind und See auch etwas ruhiger, und mit dem traumhaften Sonnenuntergang links neben dem Teide ist es ein toller Tag!
Erinnert ihr euch noch an den Sonnenuntergang rechts neben dem Ätna im letzten September? Der sah so aus: /. Und ein Sonnenuntergang neben dem Teide sieht logischerweise so aus: ./ ! Sylvia lotst uns mit dem Radar („Sieht ja aus wie ein Ultraschallgerät!“) in den Hafen. Am einzigen Gastliegeplatz wird gerade gebaggert, aber nach einigem hin und her darf ich mich zwischen zwei Fischerboote an den Schwimmsteg quetschen. Agaete ist schön, schön leer. Wahrscheinlich, weil der „Finger Gottes“, ein bizarrer Fels am Hafen und Wahrzeichen der Stadt, leider abgebrochen ist. Trotzdem haben zwei Restaurants auf, das reicht ja gerade für meine hungrigen und durchgeschüttelten sechs Jungs und Mädels!

26.02.1999

Freitag, 26. Februar 1999

Freitag, 26.02.99 – Anfangs wolkig, aber dann wird es doch noch ein schöner letzter Segeltag. Mit halbem Wind und Sonnenschein die Nordküste entlang, leicht wehmütige Stimmung an Bord, ein großer Delphin verabschiedet sich schon mal…
Gut, daß in der Hafeneinfahrt gerade ein ukrainischer Trawler Lotsen- und Schlepphilfe annimmt und uns dabei vor den Bug läuft. Da kommen dann ganz schnell ganz andere Gedanken auf: Fährt der jetzt oder steht der? Vorne durch oder hinter seinem Heck? Wo ist der Schlepper jetzt plötzlich geblieben? Und das Lotsenboot? Wo ist Platz zum Großsegelbergen?
Erst am Liegeplatz am Steg 10, beim Anlegeschluck, da ist dann wieder Törnendstimmung. Die eigentliche Katastrophe kommt aber noch: Hühner-Hugo, die schöne Hafen-Fisch-und-Fritten-Bude ist demontiert! Abgebaut! Einfach weg!
Lipso kann es überhaupt nicht fassen! Keine Knochen mehr von den Kellnern! Wolfgang wird Hundefutter kaufen müssen! Das Törnabschlußessen wird in die Stadt verlegt, auch gut und schön, aber Hühner-Hugo wäre halt stilechter gewesen…

27.02.1999

Samstag, 27. Februar 1999

Samstag, 27.02.99 – Die Mannschaft wird zur Schietgang, ich werde geputzt und gewienert, dann steht das Taxi am Steg. Michael bleibt noch bis Sonntag, schließlich ist er ja auch erst am Sonntag angereist. Ich bleibe dann eine Woche mit Wolfgang und Lipso alleine hier, kann der arme Skipper endlich mal seinen Papierkram erledigen…Wenn sich was aufregendes tut, melde ich mich aber! Ansonsten: Sat-Phone ist an!!

28.02.1999

Sonntag, 28. Februar 1999

Sonntag, 28.02.99 – siehe 06.03.99

01.03.1999

Montag, 01. März 1999

Montag, 01.03.99 – siehe 06.03.99

02.03.1999

Dienstag, 02. März 1999

Dienstag, 02.03.99 – siehe 06.03.99

03.03.1999

Mittwoch, 03. März 1999

Mittwoch, 03.03.99 – siehe 06.03.99

04.03.1999

Donnerstag, 04. März 1999

Donnerstag, 04.03.99 – siehe 06.03.99

05.03.1999

Freitag, 05. März 1999

Freitag, 05.03.99 – siehe 06.03.99

06.03.1999

Samstag, 06. März 1999

06.03.1999

Samstag, 06.03.99 – Die Woche war überhaupt nicht einsam: Eigentlich war es sogar geselliger als normalerweise, weil der Skipper , Lipso und ich eine ganze Menge Freundschaften geschlossen haben.
Mit der „Prins Henrik“ und Jochen und Rainer drauf, mit der „Eleanor Rymill“ und Andreas, Christiane, Hans und Stina
(Zwei Jahre alt!), mit den lustigen Österreichern auf der „Serefe“, mit Stefano und seiner „Ba’Ba“ undundund…
Fahrtensegeln findet eben auch im Hafen statt, wo die großen Törns vorbereitet werden, wo man auf gegenseitige Hilfe angewiesen ist, und wo man sich zusammenrottet und Funk- und e-mail-Netze bildet.
Wir wollen gemeinsam mit der „Ba’Ba“ und der „Eleanor Rymill“ auf die Kapverden, und deshalb findet am heutigen Samstag ein großes Abschiedsessen in Las Palmas statt. Die Skipper hocken wie die Kinder über den kopierten Hafenhandbüchern und meine neue Crew genießt die schiffige „Bald-geht-es-los-Athmosphäre“.
Neue Crew sind Hans-Peter Portenlänger aus München und Markus Eisenbart aus Gütersloh, beide schon langstreckenerfahren, da sollen wir das mit den Kapverden schon hinkriegen! Obwohl, das mit der Brille und dann tauchen im Hafenbecken und so, nicht ein ganz so toller Einstieg für Markus war…