Von Kapverden nach Kanaren – April 1999

18.04.1999

Sonntag, 18. April 1999

18.04.1999

Sonntag, 18.04.99 – um 17.00 h, beide Anker fallen zwischen den Fischerbooten und erst beim Abendessen kommt wieder so richtig Freude auf, was eine kleine Vier-Mann-Kapelle mit ihrer Musik so alles fertigbringt!

19.04.1999

Montag, 19. April 1999

Montag, 19.04.99 – Großreinemachen, noch einmal an den Strand, noch eine Caipirinha und dann ist Crew-Wechsel.
Franz Zellner aus Weibolzhausen ist schon in der Nacht angekommen, und wie es der Zufall will, war er beim ersten Törn (Portoroz – Korfu) auch dabei, genau wie Angelika und Sabine! Und wie es der Zufall auch noch will, konnte er damals nicht beim Schiffputzen helfen, weil sein Flieger schon so früh ging! Deshalb darf er das heute nachholen und freut sich da auch ehrlich drüber!
Um Mitternacht am Flughafen gehen verabschieden und begrüßen nahtlos ineinander über.
Die Condor-Maschine fliegt eben nur einmal pro Woche!
Lipso kommt in die Frachtkiste, weil die Rücküberführung auf Am-Wind-Kurs nix für Hunde ist. Trotzdem sind der Skipper und ich natürlich ganz schön aufgeschmissen ohne Bordhund…
Zum Ausgleich kommt aber mein Schiffsingenieur Dieter wieder an Bord, den kann ich für diesen Törn auch wirklich besser gebrauchen!
Außerdem dabei: Bernd Bilz aus Goldbach (ist schon mit Wolfgang und Dieter auf „Curieux JoJo“ über den Nordatlantik gesegelt), und Jan-Marc Krohn aus Frechen und Michael Pfennig aus Bonn haben auch schon viele Meilen gesegelt.
So wahnsinnig, 14 Tage gegen den Wind zu segeln können auch nur Männer sein, leider keine Frau dabei…
Ein Fischer übernimmt trotz später Stunde den Gepäcktransport vom Anleger zum Ankerplatz, besser fischige als nasse Taschen und Seesäcke!

20.04.1999

Dienstag, 20. April 1999

Dienstag, 20.04.99 – Trotz des Großeinkaufs in Mindelo müssen noch Einkäufe erledigt werden. Damit geht der Tag auch schnell rum. Außerdem spannen Franz und Dieter noch ein Staunetz unter die Salondecke, eine Menge Kleinkram und Reparaturen sind zu erledigen und außerdem hält uns der Passat sowieso fest. Es kachelt immer noch!

21.04.1999

Mittwoch, 21. April 1999

Mittwoch, 21.04.99 – Wenn ein Sturmtief dicht westlich Irland das Azorenhoch bis auf die Breite der Kanaren nach Süden drängt, dann pfeift der Passat auf den Kapverden. Außerdem steht aus dem Tief die Dünung bis weit in den Süden.
Außerdem wäre es schade, hier überhastet loszusegeln, bevor man nicht wenigstens einen kleinen Eindruck von der Insel hat. Und ins „Pescador“ müssen wir ja auch noch!
Jedenfalls, wir warten auf etwas weniger Wind…

22.04.1999

Donnerstag, 22. April 1999

Donnerstag, 22.04.99 – So ganz langsam wird es ernst: Den Vormittag verbringt die Mannschaft noch mit einem Ausflug zur Saline. Da wundert man sich, daß Salz in Deutschland verkauft wird, wo es hier tonnenweise rumliegt. Und, da es sich um eine natürliche Saline handelt, auch immer rumliegen wird!
Das Salz hat Sal nicht nur den Namen gegeben, sondern irgendwann vor langer Zeit der Insel einen bescheidenen Wohlstand beschieden. Von den alten technischen Anlagen sind noch Reste in der Saline erhalten, leider würden sie den Transport in das nächste Museum wohl nicht überstehen… Nachmittags ist dann schon Schiffs- und Sicherheitseinweisung, abends gibt es die letzte Fischplatte auf festem Boden, morgen geht es los!

23.04.1999

Freitag, 23. April 1999

Freitag, 23.04.99 – Wolfgang und Bernd kaufen noch schnell frisches Brot, Zigaretten und eine Trommel.
Brot und Zigaretten sind ja verständlich, aber eine Trommel?!
Muß sein, für die Bordmusi.
Die Trommel gehört ab sofort zu meiner Ausrüstung, bitte nehmt das in den JoJo-Prospekt auf! Der Trommelschnitzer schnitzt noch schnell „Sal“ und „Caboverde“ ins Holz, aber um 12.00 h lichtet der Skipper dann endgültig den Anker.
Dann erledigt die Crew weiteres Pflichtprogramm:
Der Quick-Stop, also das Mann-über-Bord-Manöver für Am-Wind-Kurs wird geübt. Und die Wacheinteilung wird festgelegt. Bei sechs Mann ergeben sich drei Wachen: Dieter mit Franz, Wolfgang mit Jan und Bernd mit Michael. Gewechselt wird wie immer nachts alle drei und tagsüber alle vier Stunden. Das machen auch alle ganz brav und ordentlich, und so verläuft die erste Nacht ruhig und ereignislos bei leichtem Nordwind.
Der Nordost-Passsat hat nämlich gerade eine Lücke, wir können direkt Kurs auf Gran Kanaria nehmen!

24.04.1999

Samstag, 24. April 1999

Samstag, 24.04.99 – Ist aber nur eine kleine Lücke… Nordost.
Da müssen wir hin.
Nordost. Da kommt der Wind her… die Crew wird in gleichem Maße ruhiger, wie der Seegang höher wird… Eine Schwalbe kommt erschöpft an Bord und bringt meine Jungs auf andere Gedanken.
„Moses“ ist total zutraulich und verbringt die Nacht abwechselnd in den verschiedenen Kabinen, bis er sich endlich für den Platz auf der Küchentücherrolle entscheidet.

25.04.1999

Sonntag, 25. April 1999

Sonntag, 25.04.99 – Da sitzt der Piepmatz immer noch! Hat wohlerzogen auf die Papiertücher gekackt und fühlt sich morgens gestärkt genug, um Land zu suchen. Viel Erfolg!
Apropos Erfolg: Angelerfolg!
Ein Yellowfin-Thuna in Ofengröße! So langsam macht sich die neue Angelrolle bezahlt, es reißen kaum noch Köder ab! Fünf Kilo Frischestfisch in Knoblauchsoße, lecker, eigentlich unbezahlbar.

26.04.1999

Montag, 26. April 1999

26.04.1999

Montag, 26.04.99 – Erster Logbucheintrag des Tages: Nasses Segeln! Zwei Reffs im Großsegel, ganz kleine Fock vorne, Seegang 5 (4 bis 5 m), Wind NE 6-7, mühsam, anstrengend, für Mannschaft und Schiff!
Aber wir kommen vorwärts, um Mitternacht kreuzen wir den 20. Breitengrad, können allerdings nur Nordwestkurs steuern, seitlich raus aus dem Passatgürtel vor der afrikanischen Küste.

27.04.1999

Dienstag, 27. April 1999

Dienstag, 27.04.99 – Alles ist schräg.
In der nächsten Evolutionsphase wird es Seeleute nur für Backbordbug (Segel auf der linken Seite) geben, die werden dann links ein längeres Bein haben!
Trotzdem hält die Mannschaft sich je nach Vermögen (Seekrankheit…) tapfer, pro Tag wird mindestens eine ordentliche warme Mahlzeit gekocht, vor allem Bernd ist da unschlagbar!
Schon wegen der erlittenen blauen Flecken vom Anlehnen/Aufprallen an den Handlauf in der Pantry ist er der aussichtsreichste Kandidat auf die berühmte „John-Maynard-Gedächtnismedaille“!

28.04.1999

Mittwoch, 28. April 1999

Mittwoch, 28.04.99 – Das Azorenhoch hat einem kräftigen Tief Platz gemacht.
Für uns heißt das: der Passat läßt nach, heute nur noch um vier Beaufort Wind. Man kann ohne Ölzeug im Cockpit sitzen!
Vielleicht mal zur Erklärung: Wir segeln hier zwar in tropischen Breiten, aber durch den Wind und durch das relativ kalte Wasser des Kanarenstroms sind die Temperaturen eher frühlingshaft als hochsommerlich. Unter Deck herrschen komfortable 23 Grad, die werden teilweise zur Sauna, weil wegen der über das Deck wehenden Gischt die Luken geschlossen bleiben müssen. An Deck braucht man aber gegen die Gischt wasserdichte Kleidung, trotz strahlend blauen Himmels und Sonnenbrand auf allen nicht eingecremten Stellen! Aber wofür habe ich sechs stahlharte Männer an Bord!
Der Humor ist übrigens auch noch nicht untergegangen:
Jan (müde zum Wachwechsel): „Ist da draußen immer noch Wasser?“,
Dieter (im Ölzeug am Ruder): „Gott sei Dank, sonst müßten wir die ganze Strecke gehen!“

29.04.1999

Donnerstag, 29. April 1999

Donnerstag, 29.04.99 – Der Tag der Wende. Ab sofort muß das andere Bein ausgefahren werde. Steuerbordbug und Gran Canaria recht voraus, der Wind hat nämlich auf Nord gedreht. Dadurch sparen wir Meile um Meile und feiern mal ganz mutig Bergfest. Sollte der Wind wieder auf Nordost drehen und stärker werden, ist das zwar hinfällig, weil’s dann mindestens nochmal solange dauert wie bis hierher, aber wir hoffen eben.
Zur Feier des Tages gibt es „Thunfisch im Nudelbett“ mit einer korkigen Flasche Rotwein. Korkig ist so schön erdig, schmeckt nach Land…

30.04.1999

Freitag, 30. April 1999

Freitag, 30.04.99 – Es läuft wunderbar, und außer, daß nix großartiges passiert, passiert nix. Schönes segeln, Vollzeugbrise, Mannschaft im T-Shirt, wunderbar!
Deshalb gibt es heute ein Rätsel: Um 02:00 h morgens war ich nach einer Woche harter Kreuz auf Bb-Bug gegen einen starken Nord-Nord-Ost-Wind und einem Tag auf Stb-Bug bei vier Windstärken auf einer Position, die 235 ebenfalls betrunkene Schwestern hat. Die ganze Familie teilt sich in vier verschiedene Charaktere auf, und ihre gemeinsame Mutter hätte schon die alten Griechen vor ein mathematisch-philosophisches Problem gestellt.
Alles klar?
Wo war ich?
Die Auflösung bitte an JoJo-Wassersport, Einsendeschluß ist Wolfgangs diesjähriger Geburtstag, unter den Gewinnern verlose ich ein John-Maynard-Plakette am Bändsel und ein Autogramm von Lipso! Ehrlich!!

01.05.1999

Samstag, 01. Mai 1999

Samstag, 01.05.99 – Es ist immer noch schönes Wetter. Das merkt man an Bord daran, daß niemand Logbuch führt. Hocken alle lieber faul im Cockpit und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen! Nur Gustav arbeitet am Tag der Arbeit. Und der Skipper läßt eine wunderschöne Goldmakrele von der Badeplattform ins Wasser zurückrutschen. Kann man nichts machen. Gibt es eben doch Trockenfrikadellen aus Holland zum Abendessen.
Was die alles züchten in ihren Gewächshäusern, irre! Schmecken gar nicht schlecht!
Schöne Grüße an Swen, Ulla und Nick, wir hätten Swen gut für die Übersetzung der Bratanleitung gebrauchen können, ging aber auch so!

02.05.1999

Sonntag, 02. Mai 1999

Sonntag, 02.05.99 – Und wie zum Hohn beißt mitten in der Nacht eine Mischung aus Barracuda und Riesenregenwurm. Die Dinger bestehen nur aus Zähnen und Gräten: ungenießbar, fliegt wieder rein.
Am Nachmittag kommt ein Funkgespräch mit einem griechischen Tanker zustande. Die haben einen Motorschaden, wissen aber sowieso noch nicht, wo sie als nächstes hin sollen.
Das war unter Aristoteles Onassis aber anders!
Dieter und Wolfgang hocken über den aktuellen Wetterkarten und planen die Taktik für den Landeanflug, so ganz langsam wird ein Ende des Törns nämlich doch absehbar. Der Wind dreht wieder etwas östlicher, deshalb ist die Frage: wenden und weiter nördlich segeln oder auf Steuerbordbug bleiben und weiter nach Osten? Position ist 25°05’N, 019°37’W, was sollen wir tun?
Meinungen aus Deutschland bitte!

03.05.1999

Montag, 03. Mai 1999

Montag, 03.05.99 – Das mit dem Wenden hat sich mehr oder weniger erledigt. Der Wind hat nämlich schwer nachgelassen. Wir motoren. Und wir haben keine Schräglage.
Ganz neues Gefühl! Die Wiederentdeckung der Waagerechten: Das Abstellen einer Flasche auf dem Tisch. Das einhändige Einschenken einer Tasse Kaffee. Das entspannte Sitzen auf dem Stillen Örtchen…

04.05.1999

Dienstag, 04. Mai 1999

Dienstag, 04.05.99 – Morgens um 09.00 h kommt Land in Sicht: Der Teide liegt backbord voraus und Gran Kanaria ist auch schon im Dunst zu erkennen.
Am frühen Nachmittag erreichen wir die Flaute in Lee von Gran Kanaria und motoren noch zwei Stunden bis zum gleichen Liegeplatz in Puerto Mogan, von dem ich gestartet bin.
Etwas über elf Tage und 1148 Seemeilen hat es von Sal bis hierher gedauert, das sind im Schnitt über 100 Meilen am Tag, und das gegen den Passat!
Da darf die Mannschaft gerne zum ausgiebigen Duschen an Land. Was übrigens zu lustigen Kommentaren führt, weil sich die Jungs nach der Rasur und nach dem Wechseln des T-Shirts kaum wiedererkennen… unterwegs ging das ja teilweise auch schon ganz gut am Geruch!
Das erste Abendessen auf festem Boden können sich nur erfahrene Langstreckensegler wirklich vorstellen: Sechs Männer, denen der Boden noch unter den Füßen schwankt, die sich mit Heißhunger auf frisch Gegrilltes stürzen, und die sich freuen, weil sie mit Messer und Gabel gleichzeitig essen können!
Irgendwas war dann noch nach dem Essen in der Irischen Kneipe, Dieter hat Rum getrunken oder so, und die anderen waren noch weniger nüchtern…

05.05.1999

Mittwoch, 05. Mai 1999

Mittwoch, 05.05.99 – Ausschlafen dürfen sie, aber dann geht es weiter: Erst an den Hotelanlagen entlang und dann zwei letzte lange Kreuzschläge durch die Nacht bis nach Las Palmas.
Eine ganz andere Nacht: Ständig sind Lichter zu sehen, entweder von anderen Schiffen oder einfach die Lichter der Städte auf Gran Kanaria. Keine Einsamkeit mehr, laufend hört man kurze Funkgespräche der Frachter mit Las Palmas Radio oder der Lotsenstation aus dem sonst so stillen Funkgerät, manchmal dröhnt sogar der Lärm der Autobahn über das Wasser.

06.05.1999

Donnerstag, 06. Mai 1999

Donnerstag, 06.05.99 – Wieder „zu Hause“ am Steg zehn.
Wieder am gleichen Liegeplatz.
Nur die Schiffe sind nicht mehr die selben. Ein ganzer Haufen Skandinavier sind angekommen und wollen den Sommer hier verbringen, also genug neue Leute zum Kennenlernen.
Und, oh beste aller Nachrichten, Hühner-Hugo, die Grill-Kneipe am Hafenende, ist wieder da! Mit neuem Fußboden! Und deshalb auch endlich mit Aschenbechern!

07.05.1999

Freitag, 07. Mai 1999

Freitag, 07.05.99 – siehe: 09.05.1999

08.05.1999

Samstag, 08. Mai 1999

Samstag, 08.05.99 – siehe: 09.05.1999