Von Lissabon nach Malaga – September 1999

19.09.1999

Sonntag, 19. September 1999

Sonntag, 19.09.99 – Zum Rumbummeln in Lissabon taugt das Wetter so eben, zum Grippe auskurieren schon weniger, aber zum Segeln überhaupt nicht: Hafentag!

20.09.1999

Montag, 20. September 1999

Montag, 20.09.99 – Ableger und Sightseeing rückwärts: erst unter der Brücke durch, dann das Seefahrerdenkmal, das neue Kulturzentrum…
Eigentlich ist sogar schönes Segelwetter: blauer Himmel, drei Beaufort Westwind. Nur die alte Dünung trübt das Vergnügen ein wenig. Merkwürdig still, die ganze Crew. Und so ein kleines bisschen blass um die Nasen…
In Sesimbra legen wir uns neben eine höllandische Fahrtenyacht, die Mannschaft erholt sich beim Schnitzelessen in der Hafenkneipe, der erste Segeltag ist ja auch immer anstrengend!

21.09.1999

Dienstag, 21. September 1999

21.09.1999

Dienstag, 21.09.99 – Die Dünung ist jetzt nicht mehr alt, sondern schon wieder neu, das nächste Tief stürmt heran und bringt Wellen aus dem Nordwesten, aber Wind aus dem Süden. Auf dem Wasser ergibt das eine erstklassige Achterbahnfahrt, die zehn Meilen weiter als geplant ist, wegen der Aufkreuzerei. Naja.
Eine große Delfinschule tröstet meine Mannschaft, und Sines, der angesteuerte Hafen, überrascht uns angenehm: Die im Hafenhandbuch als geplant eingezeichnete Marina ist weitgehend fertig und beschert uns einen komfortablen Liegeplatz!
Apropos Achterbahn: Viel Spaß auf dem Oktoberfest, und treibt es nicht zu doll! Haltet Christoph vom Alkohol fern!!!!

22.09.1999

Mittwoch, 22. September 1999

Mittwoch, 22.09.99 – Da isses, das neue Tief… Südwind, Regen, aber Waschmaschinen (umsonst, noch keine Preislisten!) in der Marina. Deshalb: Hafentag!

23.09.1999

Donnerstag, 23. September 1999

Donnerstag, 23.09.99 – Nach dem Ableger tröstet uns lediglich das Motto: Kein Wind ist besser als zu viel Wind aus der falschen Richtung!
Der „Treue Freund aus Wolfsburg“ schiebt uns mit stoischer Ruhe nach Süden, immer am Strand lang. Bis zum Cabo Sao Vicente ( das ist die linke untere Ecke von Europa) gibt es keinen Hafen, also müssen wir weiter. Mindestens bis nach Lagos an der Algarve. Lagos liegt allerdings dann doch schon in den sehr frühen Morgenstunden des

24.09.1999

Freitag, 24. September 1999

Freitag, 24.09.99 – an Backbord querab, und zwischenzeitlich ist mal wieder dichter Nebel aufgekommen….
Und Hafenansteuerungen so ganz ohne Sicht sind auch mit Radarunterstützung nicht wirklich lustig. Außerdem schläft sowieso die halbe Mannschaft.
Wolfgang beschließt also, erst bei Tageslicht (und hoffentlich ohne Nebel) irgendwo anzulegen. Dieses „Irgendwo“ ist dann Villamoura, kurz vor Faro.
Könnte aber auch Maspalomas auf Gran Kanaria sein. Oder El Arenal auf Mallorca. Eine Bettenburg. Beliebig. Austauschbar. Man spricht deutsch…
Für das saftige Liegegeld bekomme ich aber wenigstens einen extrem gut geschützten Liegeplatz, und die Mannschaft genießt gepflegte Duschen, gepflegtes Touristenmenü und die gepflegte tahitianische Bar an der Promenade!

25.09.1999

Samstag, 25. September 1999

Samstag, 25.09.99 – Kaum wartet man eine knappe Woche drauf, schon hat man Traumwetter: strahlend blauer Himmel, vier Beaufort Westwind, keine alte Dünung mehr, eins rechts, eins links (Segel natürlich, Schmetterling mit ausgebaumter Fock!), eine Seeschwalbe zu Besuch, Sonnenschein, dann Sonnenuntergang, dann Delfine bei Vollmond, wer wollte da anhalten?:
Kurs auf Spanien!

26.09.1999

Sonntag, 26. September 1999

Sonntag, 26.09.99 – Ist natürlich nicht so toll, wenn der Obernavigator nur fünf Knoten Geschwindigkeit als Durchschnitt ansetzt… sollt mich doch wirklich besser kennen. Jedenfalls bin ich viel schneller, und deshalb ist das nun noch dunkel, als wir vor Cadiz stehen.
Norbert übernimmt das Ruder vom Autopiloten, Holger baut den Spi-Baum ab, Wolfgang sucht die betonnte Fahrwasserrinne. Ein Schiff kommt aus dem Nordteil der Bucht, setzt kurz die Lampen für „manövrierbehindert“, dreht hinter uns wieder um und läuft in Richtung Marine-Stützpunkt Rota.
Drei rote und zwei grüne Blitzbojen müssen da irgendwo zwischen den Lichtern der Stadt zu erkennen sein, außerdem eine Untiefentonne im Westen der Halbinsel.
Müssen, und zwar unbedingt, weil der Einfahrtskanal zwischen zwei Flachs verläuft, auf denen ich nicht gerade heute morgen stranden möchte! Klappt auch alles, klappt sogar wie am Schnürchen. Nur ein kurzer, neuer Wellenbrecher ist noch nicht im Hafenhandbuch verzeichnet, aber schon mit einer eigenen Blinkboje gekennzeichnet und deshalb kein Problem. Im Vorhafen bergen meine Jungs die Segel, legen mich dann an einen Schwimmsteg in der Marina „America“ und gönnen sich ein Bier. Morgens um fünf!
(Und die Mädels, Katharina und Monika? … müssen später das Frühstück herrichten, weil sie die ganze Aktion vollkommen verpennt haben, bis auf das Anlegebier natürlich! Deshalb hat Wolfgang außerdem fünf frauenfeindliche Witze für den heutigen Tag gestattet!)

27.09.1999

Montag, 27. September 1999

27.09.1999

Montag, 27.09.99 – 34 herrliche Meilen bei strahlend blauem Himmel. Mehr als die Hälfte davon unter Spinnaker. Segelbergen erst in der Hafeneinfahrt von Barbate. Und dann noch ein delikates Abendessen in einer eher unscheinbaren Kneipe: Ein Riesenmonsterfisch, der so frisch ist, dass er noch nicht einmal auf Eis liegt, als ihn der Kellner vorführt, wird vom Koch mit vier Kilo Salz bedeckt, im Ofen gegart und dann von meiner hungrigen Crew komplett vertilgt. Gut, dass der Rückweg zum Liegeplatz ein gutes Verdauungsviertelstündchen lang ist, sonst hätte wahrscheinlich niemand seine Beine über den Seezaun schwingen können!

28.09.1999

Dienstag, 28. September 1999

Dienstag, 28.09.99 – Wir verabschieden uns noch mit den besten Wünschen von einem deutschen Einhandsegler, der immerhin schon vor fünf Monaten zum ersten Mal ein Segelboot betreten hat und jetzt mit seinem Acht-Meter-Boot über den Atlantik will… Sachen gibt’s! – und nehmen Kurs auf Gibraltar.
Normalerweise hat man als Fahrtenyacht ja eher das Problem, dass man aus der Straße von Gibraltar nicht raus auf den Atlantik kommt, weil Strom und Wind gegenan stehen. Bei uns ist es umgekehrt: Es weht aus Ost, der Strom steht nach Westen, die kabbelige See erinnert an ein Rodeo, der große Fender fällt außenbords und muss mühselig wieder eingefangen werden und erst am späten Nachmittag (entgegen der Angaben im Gezeitenkalender!) kentert die Tide und erlaubt uns den Eintritt ins Mittelmeer.
Mit Umweg über Afrika, außerdem schräg durch das Verkehrstrennungsgebiet, aber was soll’s! Die Strömung beschleunigt mich auf bis zu acht Knoten über Grund und ermöglicht Wendewinkel (kreuzen müssen wir nämlich trotzdem!) von unter 60°! So wird es Mitternacht, bis die krumme, schiefe, eckige Spur, die ich auf der elektronischen Seekarte hinterlasse, in der Queensway-Marina unter dem Affenfelsen endet. Aber Spaß hat der Tag gemacht, auch wenn er lang war!

29.09.1999

Mittwoch, 29. September 1999

29.09.1999

Mittwoch, 29.09.99 – Hafentag: Ein Affe springt Katharina auf den Kopf; Norbert und Monika überleben 4926 Beinahezusammenstöße mit Taxis voller amerikanischer, blauhaariger Touristen (ein Kreuzfahrtschiff…), Holger und Wolfgang gewinnen den Karaoke-Grand-Prix im Jazz-Keller: Ein ganz normaler Tag in Gibraltar also!

30.09.1999

Donnerstag, 30. September 1999

Donnerstag, 30.09.99 – Ab sechs Windstärken laufe ich auch ohne Großsegel sechs Knoten schnell. Vor allem, wenn der Wind von achtern kommt. Deshalb sind wir auch schon um 17.30 h in Marbella. Jaja, die Schönen und die Reichen… und das ganze Schwarzgeld. Eigentlich eher Deutschlands größtes geriatrisches Zentrum…

01.10.1999

Freitag, 01. Oktober 1999

Freitag, 01.10.99 – Heute mal wieder Ostwind, zwei bis drei Bft. Das macht aber nichts, bis Benalmadena sind es nur 15 Meilen, aus denen durch das Aufkreuzen 38 werden. Ein gemütlicher Absegeltag in lauer Brise, keiner will so richtig in den letzten Hafen rein, aber Endstation ist Endstation. Zum Trost genehmigt sich die Mannschaft ein Festessen im argentinischen Steakhouse (klassisch andalusische Küche ist an der Costa del Sol leider kaum noch zu finden…)

02.10.1999

Samstag, 02. Oktober 1999

Samstag, 02.10.99 – Samstags werde ich ja immer gewienert. Und heute ganz besonders, weil nämlich am Nachmittag ein Sachverständiger von Lloyd’s an Bord kommt und mich schätzt. Wolfgang und ich sind schon ganz aufgeregt…
Vier Stunden später: wir sind nicht mehr so aufgeregt. Ich will ja nicht angeben, aber der Herr Sachverständige hat ziemlich viele Sätze mit „schönste…“, „bestausgerüstet….“, „keine strukturellen Ermüdungen…“ und so von sich gegeben. Meinen Wert muß er erst noch berechnen, amtlich ist aber schon, dass ich keine Mängel habe! Ist das was?! Prost, Dieter, mein Lieblingsschiffsingenieur!!!
Crewwechsel ist natürlich auch noch: Felix Offermann, Harald Hentschel und Martina Zöttl kommen aus München an Bord, Harry Szymynski aus Gevelsberg und Uschi (ja, genau: die Uschi) aus Warstein.