Von Kanaren nach St.Lucia – November 1999

21.11.1999

Sonntag, 21. November 1999

21.11.1999

Sonntag, 21.11.99 – Der Start: Über zweihundert Schiffe fädeln sich durch die Molen des Yachthafens. Jeder tutet in sein Nebelhorn. Ganz Las Palmas winkt zum Abschied.
Und dann fällt der Startschuss vom Komittee-Schiff. Ich werde in den eigentlich freizuhaltenden Sicherheitsbereich gedrängt, aber umkehren können wir auch nicht mehr!
Eine Riesenmenge Schiffe drängelt und schiebt und ruft und manövriert und irgendwie kommen trotzdem alle heile über die Linie. Aufregend, aber schön aufregend. Und das legt sich auch erst spät in der ersten, ruhigen Nacht unter Passatbesegelung bei Vollmond

22.11.1999

Montag, 22. November 1999

Montag, 22.11.99 – Ruhe einkehren lassen. Angekommene Post lesen. (Wer irgendwelche irgendwie gearteten Dateien anhängt wird mit Katzenscheisse erschossen!!!! Nur Text!!!!!!!!!!).
Das erste Mal die Funkrunde abhören und Positionen mitschreiben.
Den Großen Teich genießen!

23.11.1999

Dienstag, 23. November 1999

Dienstag, 23.11.99 – Nach einer schönen, ruhigen und ereignislosen Nacht (einziger Eintrag außer den Wachwechseln: Kompassbeleuchtung defekt, Mondlicht reicht aber!) folgt ein angefülltes Tagesprogramm:
Zum Sonnenaufgang lässt der Skipper den neuen Blister setzen. Es brist aber Sekunden später wieder auf, weshalb die schöne neue Blase mit dem riesigen ?Warsteiner?-Logo noch nicht einmal fotografiert werden kann.
Dann passieren wir dicht hinter der Yacht ?Neva? und verabreden uns zum Fotoaustausch in St. Lucia. Mittags passiert das gleiche mit der schwedischen ?Vindrosa?.
Nur wenig später werden die Sextanten an Deck geholt. Wolfgang hat nämlich beschlossen, dass auf die Karte nur ?handgemachte? Positionen eingetragen werden dürfe. Und die Mannschaft findet das prima, Anreiz zum Astronavigieren muss in GPS-Zeiten schon irgendwie sein.
Und es klappt: Katharina schiesst die Sonne auf die Meile genau, der erste Karteneintrag sitzt! Aus Sicherheitsgründen werden die GPS-Positionen aber trotzdem bei jedem Wachwechsel im Logbuch vermerkt.
Wieder nur kurze Zeit später ist unsere Gruppe mit der Funkrunde dran, deshalb muss Martin alles mitschreiben, mit dem Skipper abgleichen und ab geht die Post ins Internet. Gegessen und gut gelebt wird zwischendurch natürlich auch noch, ratz-fatz ist der Tag um! Stattgefunden hat das alles auf 25°26?N und 019°13?W, bei Sonnenschein und leichtem Passatwind, bis morgen denn!

24.11.1999

Mittwoch, 24. November 1999

24.11.1999

Mittwoch, 24.11.99 – Mitternachtskampf auf der Badeplattform: Dieter (am Ruder), Wolfgang (Nahkampf) und Detlef (an der Leine) gemeinsam gegen die Monster-Dorade!
Wer wird gewinnen?
Der glitschige, zappelnde, wendige, muskelbepackte und wohlschmeckende Meeresbewohner – oder die hungrige Galateia-Crew? Als erstes greift Dieter mit bloßer Hand in die ausrauschende Leine: Er sitzt alleine am Ruder, Detlef springt als erster aus der Koje und steht ihm bei. Dann taucht Wolfgang in voller Rüstung (Öljacke, Lifebelt) aus den Tiefen der Vorschiffskabine auf und lässt die Nahkampfarena (Badeplattform) runter. Detlef holt die Angelleine ein, Dieter bremst mich und lässt die Fock back stehen. Detlef zieht, und Wolfgang kann die Dorade zwischen seine Knie klemmen, das Monster passt nämlich auf keinen Fall in den Kescher. Deltlef kippt Rum über die Kiemen der Dorade, der Rum vermischt sich im Schritt von Skippers Vlieshose mit dem Fischschleim zu unerwarten Geruchsüberraschungen. Und dann ist der Kampf entschieden. Die Dorade gibt rumbetäubt auf.
Das Dokumentationsteam (Martin) erscheint verpennt und schießt die Siegesfotos, Katharina bekommt glänzende Augen: „ Da mache ich ein Festmahl draus!” Und das hat dann den Rest des Tages in Anspruch genommen!

25.11.1999

Donnerstag, 25. November 1999

Donnerstag, 25.11.99 – Jetzt habe ich doch über die Völlereiaktion der Mannschaft gestern total vergessen, euch zu schreiben, wo wir überhaupt sind: Heute mittag auf 22° 41‘N, 21°57‘W; morgens um 10.00 hatten wir die ersten 500 Meilen hinter uns.
Wetter ist Klasse, leider etwas schwachwindig, aber sonnig und heiss. Am aufregendsten ist zur Zeit die Funkrunde: Ich bin zusammen mit 59 anderen Yachten der gleichen Größenordnung in der Gruppe C, und jeden Tag um 15.00 h UTC sammelt der „Netmaster” die Positionen der einzelnen Schiffe ein. Einige Schiffe haben nur UKW- Funkgeräte, die müssen dann versuchen, ein „Relais-Schiff” in ihrer Nähe zu finden. Bei ein paar anderen ist schon die Stromversorgung zusammengebrochen, bei uns funktioniert alles bestens…
Gestern abend konnte zum Beispiel das für den Wetterbericht zuständige Schiff nicht senden. Da wir aber ebenfalls über e-mail das aktuelle Wetter von der ARC-Leitung in Cowes im Laptop hatten und Wolfgang es sowieso immer für die deutschen Teilnehmer nach der Verlesung auf englisch übersetzt vorliest, sind wir eingesprungen und haben die englischsprachigen Teilnehmer gleich mitversorgt.
Was gut ankam, weil nämlich der Ex- Hurricane „Lenny” doch nicht so viele Auswirkungen auf das Regattafeld haben wird, wie zunächst befürchtet. Und gute Nachrichten gibt man ja gerne weiter! (Für’s Improvisieren gab es Applaus im Äther!)
Heute sind wir wieder mit Positionen-nach-Cowes-mailen dran, das Mitschreiben aller Schiffsmeldungen lässt Martin und Wolfgang immer ganz schön in Hektik ausbrechen. Aber lustig ist es trotzdem, vor allem wegen der Bekanntschaften, die man am Funk dadurch macht.
Wie die Leute dann wohl in echt und in Farbe in St. Lucia aussehen?!
Und: unsere Funkgruppe hat einen Angelwettbewerb ausgerufen, das führt dann zu Meldungen wie: „Einen Fisch beinahe gefangen”, „Fisch hat mein Angelzeug gefangen”, „Nur ein Fliegender Fisch (Selbstmord an Deck)”, mit unserer Dorade liegen wir aber gut im Rennen! (Unsere Position im Regattafeld ist ja zugegebenermaßen nicht so der Hit, aber dafür geht es hier an Bord auch gaaaanz relaxed zu! (Heute abend besonders, es gibt gefüllte Paprikaschoten, lecker…!)
PS.: Da hat doch beim Abendessen noch eine kleine Dorade gebissen! Allerdings müssen wir noch ihren großen Bruder erwischen, alleine reicht sie nur für die Suppe!

26.11.1999

Freitag, 26. November 1999

26.11.1999

Freitag, 26.11.99 – 21°28’N, 24°11’W
Logbucheintrag um 06.10 h: Wind NE 2, Sonnenaufgang, Blister gesetzt:
Na denn Prost!
Premierenvorstellung der Premium-Klasse mitten auf dem Atlantik bei der ersten Warsteiner Weltumsegelung! Seitdem steht die neue Blase und zieht uns trotz nur leichtesten Passats mit fünf bis sechs Knoten über den Großen Teich!
Es ist so ruhig und gemütlich, dass Dieter „Gustav“ (den Autopiloten) angeschlossen hat und sich die Mannschaft folgenden Tätigkeiten hingeben konnte: Astronomisch navigieren (heute Mittagslänge als Lehrprogramm), Fischsuppe kochen, duschen, Sonnensegel aufspannen, Brot backen. Detlef: „Ich weiß gar nicht, wo der Tag geblieben ist!“
Ich auch nicht!

27.11.1999

Samstag, 27. November 1999

27.11.1999

Samstag, 27.11.99 – 21°01’N, 25°28’W
Ich weiß, ich hätte auch ein anderes Bild schicken können. Oder ein anderes Thema wählen. Aber so eine Dorade fängt man eben nicht alle Tage.
Außer anscheinend hier bei mir an Bord. Jedenfalls ist dieses Prachtexemplar noch ’ne Nummer größer als das Musterexemplar vom Mittwoch.
Außerdem kann Martin sich jetzt auch unter die Helden einreihen, nachdem er beim letzten mal ja leider gepennt hat.
Ihr dürft euch das mit dem Angeln nämlich wirklich nicht so einfach vorstellen: Als heute die Angelleine ausrauscht, ist sofort das Jagdfieber da. Und das muß man erst mal unterdrücken, weil man sonst viel zu hektisch Leine einholt. So eine Dorade muss aber zuerst müde gesegelt werden, sonst kann man sie nicht bändigen. Falls man es überhaupt schafft, sie auf die Badeplattform zu hieven. Je dichter der Fisch nämlich am Schiff ist, um so mehr seitlichen Zug kann er aufbringen, um so weniger gibt die Schnur nach, um so häufiger reißt er ab! Zu lange darf man aber auch nicht warten, weil die Dorade mit Sprüngen und Drehungen und abrupten Richtungsänderungen versucht, sich los zu reissen und das dann auch oft genug schafft!
Einfach dasitzen und warten, bis sie sich vor Erschöpfung nicht mehr rührt geht also nicht! Deshalb müssen Detlef und Martin heute auch beide auf die „Nahkampfarena“, alleine kann man den schnellen Jäger wirklich kaum halten.
Wolfgang kann da seit dem Törn von den Kapverden zu den Kanaren ein Lied von singen (Logbuch am 01.05.99!).
Jedenfalls: meine Mannschaft gewinnt! 16 dicke Steaks brutzeln am Abend in der Pfanne und werden kurz vor Sonnenuntergang im Cockpit serviert, während zwei Delfine Kapriolen an meinem Bug machen.
Ansonsten: Bordroutine, die Astronavigation klappt immer besser, duschen, ein bisschen aufräumen, die Funkrunde abhören und ein bisschen mit der Dorade angeben, Positionen nach Cowes mailen, Segel wechseln, die Fast-Flaute gelassen nehmen, Sundowner trinken…

28.11.1999

Sonntag, 28. November 1999

Sonntag, 28.11.99 – 20°14’N, 26°54’W
Heute kann ich Euch eigentlich nur berichten, was wir alles nicht gemacht haben: Wir haben nicht geastronavigiert, weil es den ganzen Tag bedeckt war.
Wir haben nicht vernünftig gesegelt, weil kein Wind war. Naja, morgens ein bisschen mit dem Blister, aber seit dem Nachmittag motoren wir leider. Wir haben nicht eine große Dorade geangelt, sondern nur eine mittlere. (Die gab es vorhin als Sushi, zwischen Fangen und Essen lagen exact 25 Minuten! Frischer geht es nicht).
Wir haben nicht noch eine zweite Dorade geangelt, weil sie uns einen Meter vor der Nahkampfarena entwischt ist. Wir haben uns nicht gelangweilt, weil wir durch die Funkrunde genug Gesprächsthemen an Bord haben: Auf einem Schiff ist ein Fliegender Fisch der Steuerfrau fast in den Ausschnitt gesprungen, ein Schwertfisch hat eine Yacht unsanft zum mitspielen aufgefordert, ein Delfin ist bei einem Katamaran auf das Netz zwischen den Schwimmern gesprungen, es wurden Schmetterlinge gesichtet (einer bei uns!), wir haben uns außerdem nicht über den fehlenden Wind aufgeregt, sondern den Tag genüsslich verbummelt!

29.11.1999

Montag, 29. November 1999

29.11.1999

Montag, 29.11.99 – 20°04’N, 28°47’W
Der Wind bläst wieder, die Passatbesegelung ist oben: Kurs West!
Außerdem scheint auch die Sonne wieder. Und der Mond, zumindest die zweite Nachthälfte und den ganzen Morgen lang. Und wenn Sonne und Mond gleichzeitig am Himmel sind, dann lässt es sich damit ganz prima navigieren. Mit dem untergehenden Mond im Südwesten und der aufgehenden Sonne im Südosten schneiden sich die Standlinien dann sogar fast rechtwinklig, und das ist optimal.
Das Messen auf dem schwankenden Deck raubt Dieter zwar fast die letzten Nerven, aber als nach neun Stunden laufend unterbrochenen Rechnens die Standortbestimmung bis auf wenige Meilen genau klappt, ist er dann doch zufrieden.
Normalerweise rechnet man natürlich nicht neun Stunden lang, aber zwei weitere Doraden mussten zwischendurch mundgerecht verarbeitet werden, noch zwei weitere haben leider ihr Duell mit meiner Mannschaft gewonnen. Naja, und einen Haufen Bordroutine und die Backschaft gibt es ja auch noch zu erledigen.
Frage von Martin (hier an Bord im Dauerstress) an Roland (im JOJO-Büro): „Warum sollte ich Bücher und den Walkman mitnehmen, wenn an Bord ständig der Bär los ist!?“

30.11.1999

Dienstag, 30. November 1999

Dienstag, 30.11.99 – 19°48’n, 30°49’W
Irgendwie ist immer ein Tag Stress, und dann ein Tag Ruhe. Heute ist Ruhe. Vormittags hat die Mannschaft unter unausgeschlafener Anleitung des Skippers den Blister gesetzt und gleich wieder geborgen, weil er in der Dünung zu sehr pendelte. Der Blister.
Obwohl, der Skipper auch…
Nachmittags haben sich dann alle eine Stunde auf’s Ohr gehauen, danach Kaffeekränzchen im Cockpit, danach die Verlesung des Seewetterberichtes für die deutschen ARC-Teilnehmer (dieser Service bringt hoffentlich ein paar Runden Freibier in St. Lucia!), danach ein Anruf für Katharina und Detlef: Ihr Jüngster hat die Zwischenprüfung zum Krankenpfleger mit Bravour bestanden. Da gratulieren wir aber ganz herzlich, und auch dem Engländer, der heute Nachmittag Großvater geworden ist!
Herzlichen Glückwunsch!!

01.12.1999

Mittwoch, 01. Dezember 1999

01.12.1999

Mittwoch, 01.12.99 – 19°29’N, 32°05’W
Heute nacht hat es weiter vorn im Feld eine heftige Schauerbö gegeben, aber bei uns ist es flautig. Ausser ein paar schönen Standlinien mit Venus und Mond und ein paar Stunden Spinnakersegeln ist nicht viel los an Bord.
Heiß ist’s! Ich fange heute also mal mit der Vorstellung der einzelnen Crewmitglieder an.
Ladies first: Katharina hat den Backschaftsplan hoffnungslos durcheinander gewirbelt. Weil sie nicht zuschauen kann, wenn einer von den Jungs dilettantisch in der Pantry rumwerkelt. Da kocht sie dann lieber selbst und ist deshalb vom Abspülen befreit. Normalerweise (also beruflich) verpflegt sie ein ganzes Kinderheim, dagegen sind die paar hungrigen Mäuler hier ja auch wirklich die reinste Erholung. Besonders die Zubereitung von Frischestfisch macht Spass, dafür steht sie sogar mitten in der Nacht auf (s.Foto!).
Die Mannschaft genießt es… den genauen Speiseplan verraten wir in einem der nächsten Logbücher, bis dahin könnt ihr euch schon mal ein bisschen Wasser im Munde zusammenlaufen lassen! (Segelerfahrung hat sie natürlich auch: viele Törns in der Ostsee, an Bord lernt sie gerade für das Sprechfunkzeugnis!)

02.12.1999

Donnerstag, 02. Dezember 1999

Donnerstag, 02.12.99 – 18°39’N, 33°55’W
Alles Gute zur Hochzeit; mein lieber Martin! Warum kennen Wolfgang und ich die Braut nicht? Wann kommt ihr zur Hochzeitsreise? Wir stoßen hier an Bord mal auf euer Glück an…
und wir dümpeln. Gaaanz langsam. Gestern wurden wir schon von einigen Yachten beauftragt, beim ARC-Veranstalter die Verlegung der Siegerehrung zu beantragen. Unsere Etmale sind seit einigen Tagen unter 100 sm.
Aber wir kommen vorwärts. Katharina hat Rasmus einen Ring geopfert, das hat immerhin für eine leichte Brise am Nachmittag gereicht. Wenn wir also pünktlich, aber ohne Schmuck in St. Lucia ankommen, dann wundert euch nicht!
Sonstige Vorkommnisse: Ein Hai hat meinen Rumpf umkreist, deshalb hatten wir kein Angelglück. Insgesamt sind wir aber schon bei neun verspeisten Doraden, kein Grund zur Klage also.
Ich segele jetzt mal ganz leise weiter, bis morgen denn!

03.12.1999

Freitag, 03. Dezember 1999

03.12.1999

Freitag, 03.12.99 – 18°16’N, 36°31’W
Nachruf.
Wir trauern um unseren Spinnaker.
16 Jahre lang hat er hier an Bord
treue Dienste geleistet, immer war er den leichten Brisen und damit der Sonnenseite des Segellebens zugewandt. Unvergessene Momente: Bunt durch die kahlen Kornaten, tapfer in den Privatregatten um Korfu, erstmalig angeschlagen in harter See auf dem ersten Törn von Malaga nach Las Palmas.
Und nun ein würdiges Ende mitten auf dem Atlantik. Auch ein stützender Spi-Baum an jedem Schothorn konnte sein fadenscheiniges Dasein nicht verlängern.
Sein letzter Seufzer war: „Ssssssssssssst“, dann blieben nur noch seine Lieken. Aber er wird uns in praller Erinnerung bleiben! Von Beileidsbekundigungen bitten wir abzusehen, anstelle von Kränzen würden wir uns über eine Spende an das Spinnakerhilfswerk freuen: Kto-Nr: 39607379 bei der HypoVereinsbank München. (Jaja, ich weiß auch, dass das Wolfgangs Konto ist, aber versuchen kann man es ja mal!)
PS: Maria, bitte bring es Lipso schonend bei!

04.12.1999

Samstag, 04. Dezember 1999

04.12.1999

Samstag, 04.12.99 – 18°25’N, 37°47’W
So ohne Spinnaker läuft es auch ganz gut, weil der Passat nämlich wieder eingesetzt hat.
Eine Halse um 17.30 h war das Manöver des Tages, die Funkrunde war heiter wie nie, weil alle wieder Wind haben, unser Etmal liegt wieder über 120 Meilen, das sind die Nachrichten des Tages.
Platz genug, um euch das nächste Crewmitglied vorzustellen:
Martin hat seinen Arbeitgeber irgendwie beschwätzen können, dass es viel besser ist, wenn er im Betrieb ein halbes Jahr volle Pulle arbeitet und dann zum Ausgleich ein halbes Jahr verschwindet. Und einen Teil des halben Jahres verbringt er hier an Bord. Einen weiteren übrigens als Tauchlehrer in Thailand.
Und das führt hier an Bord zu Wechselunterricht: Martin drückt ein paar Stunden die Schulbank im Salon und paukt Astronavigation, und dann drücken Dieter und Wolfgang die Schulbank im Salon und lernen Tauchtheorie.
Galateia-das schwimmende Klassenzimmer: ist ja keine ganz neue Rolle für mich, wegen der ganzen Ausbildungstörns damals, macht mir aber mal wieder Spass!
Weitere Einsatzbereiche von Martin hier an Bord: Funkassistent, Angelköderbastler, Obstsalatschnippler, Vorschiff und …Bordsound!

05.12.1999

Sonntag, 05. Dezember 1999

Sonntag, 05.12.99 – 18°05’N, 40°26’W
Psssst!
Heute gibt es nur einen ganz kurzen Bericht, weil die ganze Mannschaft Halbzeit gefeiert hat und schon in der Koje liegt.
Das liegt aber auch daran, dass der Passat ja wieder ordentlich bläst und ich zwar rase, aber auch ein bisschen rolle. Das macht das Leben für meine Zweibeiner natürlich etwas anstrengend. Manöver des Tages waren das Großsegel-Bergen und das anschließende Ausbaumen beider Focks zur klassischen Passatbesegelung.
Alles bestens sonst, die zehnte Goldmakrele hat Katharina „auf chinesisch“ als Bergfest-Gala-Diner hergerichtet, ich muss jetzt ganz leise sein und Schluss machen, sonst wacht noch wer auf! Bis morgen!
Und immer schön ruhig bleiben!

06.12.1999

Montag, 06. Dezember 1999

06.12.1999

Montag, 06.12.99 – 18°01’N, 42°44’W
Die Standardinformationen mal eben vorneweg: Der Passat bläst uns weiterhin prima in die Karibik, das Etmal ist mit 146 Meilen rekordverdächtig, die Goldmakrelen Nr. 11 und 12 wurden als Sushi und als Steaks verarbeitet.
Das ist als Nikolausgeschenk ja auch wirklich prima, Schokolade in stinkigen Ölzeugstiefeln bei 30° unter Deck ist dagegen nicht wirklich vorzuziehen! Also mal wieder Platz genug, euch ein weiteres Crewmitglied vorzustellen:
Detlef ist von Beruf Taxifahrerelektrotechnikersoldathaushaltsgeräteverkäuferkrankenpflegerkatharinaehemann. Sehr praktisch an Bord! Vor allem der Krankenpfleger, in der Forensischen Psychiatrie hat er die passenden Ruhigstellungsgriffe für schwere Jungs gelernt, deshalb entwischt hier kein Fisch mehr, der einmal in Detlefs angewachsenen Schraubstock geraten ist.
Leider muss er aus dem gleichen Grund von ihm zugedrehte Thermoskannen auch selbst wieder aufschrauben… ausserdem kann die Crew Dieter mit Detlefs Fachwissen bedrohen: „Wenn du jetzt nicht aufhörst, rumzuschrauben, dann stellt Detlef dich ruhig!“ Prima!
Weitere Funktionen an Bord: Katharina bei Laune halten (das ist aber einfach!), Nahkampf, Vorschiff, Küchenhilfsdienst (s. Foto!), Uhrzeit.
Segelerfahrung: Wie Katharina, plus ein paar „Herrentörns“…also reichlich!

07.12.1999

Dienstag, 07. Dezember 1999

Dienstag, 07.12.99 – 16°43’N, 44°40’W
Das mit dem Mann-über-Bord war so:
Gestern nachmittag hat world-cruising (der ARC-Veranstalter) eine e-mail an alle Yachten mit Inmarsat-Anlagen (also auch an mich) versendet.
Inhalt: „Auf Pos. 16°56’N, 48°35’W hat die norwegische Yacht Llega Meister (nicht ARC-Teilnehmer) ein Crewmitglied verloren. Drei Crewmitglieder sind noch auf der 11-m-Yacht, der norwegische Rettungsdienst schickt einen Hubschrauber, alle Yachten auf der o.a. Position werden um Unterstützung gebeten.“
Wir haben die Nachricht natürlich auch sofort verbreitet, und ca. 15 Stunden nach dem Unglück konnte die ARC-Yacht „Hildring“ den verlorenen Mann tatsächlich finden und bergen!
Gesund! Wahnsinn! Ansonsten fallen die Bordmitteilungen heute spärlich aus. Wir haben nicht so tolles Wetter, Gegenwind ist auch gemeldet, aber die wunderbare Rettung ist ja auch Meldung genug!

08.12.1999

Mittwoch, 08. Dezember 1999

08.12.1999

Mittwoch, 08.12.99 – 15°42’N, 45°29’W
Das Wort „schaurig“ leitet sich vom Wort „Schauer“ ab, ganz exakt von „tropischer, nächtlicher Regenschauer“.
Ehrlich! Das weiss jeder, der sowas mal mitgemacht hat: Da, wo gerade noch Sterne waren, ist es plötzlich schwarz. Und zwar schwarz in der Definition „jegliches Fehlen von Licht“. Die Zeit bis zum Einsetzen des „squalls“ reicht gerade, um die Segel zu reffen, besser: ganz zu bergen.
Mit gleichzeitigem Einsetzen von Regen (ca. 1000 Liter pro Quadratmillimeter pro Zehntelsekunde) und Wind (Veränderung der Schräglage von 0° auf 89,9°) vermindert sich die Sicht auf 0,5 cm (Das ist der Abstand vom Augapfel bis zu Dieters Brillengläsern).
Ausserdem reduziert sich die Tragweite der Positionsleuchte im Masttop von 4 Meilen auf 15 Meter, diese Grenze ist nämlich das einzige, was man überhaupt erkennen kann: ein roter Bogen an Bb, ein grüner an Stb, ein weisser ums Heck. Ansonsten sieht man Wasser. Ungefähr so wie in einer Frontladerwaschmaschine beim Schwarzfärben von einem Paar Jeans im Schleudergang. Nur, daß der Kopf mit in der Waschmaschine steckt. Gottseidank ist der Spuk meistens nach einer kleinen Ewigkeit wieder vorbei, und was man tagsüber m einem leichten tropischen Schauer machen kann, das sieht man auf dem Bild!

09.12.1999

Donnerstag, 09. Dezember 1999

Donnerstag, 09.12.99 – 15°14’N, 47°17’N
Zwischen den Schauern ist Totenflaute.
Der Schlamm vom Grund des Dieseltanks (viel Diesel haben wir nämlich nicht mehr…) hat uns den Vorfilter verstopft, und wir hatten Besuch von einem Kuhreiher.
Das sind schöne, sehr zutrauliche, aber leider etwas dumme kleine Klapperstörche in weiss, die sich regelmäßig auf dem Atlantik verfliegen. Bevor wir zur Zwangsernährung schreiten konnten, hat er sich leider wieder verabschiedet.
Einen Rekord im Schnellangeln hat meine Mannschaft noch zu vermelden: Innerhalb von vier Minuten hingen eine Goldmakrele (Nr.13) und ein Thunfisch (Nr.1, ca.6 kg!) an der Angel.
In der täglichen Funkrunde wird nach dem für das Wetter verantwortlichen Menschen gesucht, und ich bin wegen einer Panne auf der eigentlich dafür eingeteilten „Ocean Breezes“ jetzt auch noch e-mail-reporting boat für die Gruppe D.
Aus dem allabendlich von Wolfgang auf deutsch verlesenen Wetterbericht hat sich eine ganz nette deutschsprachige Plauderstunde entwickelt, und in meiner Eigenschaft als „Am-häufigsten-für-alle-möglichen-Schiffe-mailende-und-funkende Yacht der ARC-99“ möchte ich nen postgelben Ehrenpokal bei der Siegerehrung verliehen bekommen!

10.12.1999

Freitag, 10. Dezember 1999

10.12.1999

Freitag, 10.12.99 – 14°49?N, 48°49?W, 10.12.1999
Heute ist gar nichts los.
Null Wind, Motor an, ?Gustav? steuert, Katharina sorgt sich um das leibliche Wohl…
Also Zeit, euch das nächste Crewmitglied vorzustellen: Wobei Dieter ja nicht irgendein Crewmitglied ist, sondern der Bordingenieur und erste Offizier. Ausserdem natürlich Skipper, falls Wolfgang urlaubsreif ist.
Tatsächlich ist Dieter vom Skipper mit der Pflege, Reparatur (selten nötig!) und Erfindung aller Bordtechnik betraut.
Dieters bisherige Glanzleistungen hier bei mir an Bord sind: Die geniale Badeplattform, der Solarpaneelhalter, das komplette Trockenlegen meines Innenlebens, die unübertroffene Stauraumausnutzung, der neue Wassertank, die Leichtgängigkeit aller beweglichen Teile, die neuen Scheiben in den Luken, die neuen Unterwantpüttings und der megagalaktische neue Motor!
De facto also mein Umbau von einer unscheinbaren Charteryacht zu einer perfekten, kleinen Fahrtenyacht mit dem offiziellen Prädikat „extremly well equipped and ready for sailing in all seas“ (Versicherungsgutachten November 99).
Leider übertreibt Dieter das Erfinden manchmal, weshalb Wolfgang ihn dann manchmal bremsen muss. Heute zum Beispiel erklärte Dieter dem Rest der Crew, wie zweilagiges Toilettenpapier, das beim Erstabriss falsch angefangen wurde, mittels Abrollung einer der zwei Lagen leicht repariert werden kann.
Auch andere Erfindungen mussten leider von Wolfgang von der Dringlichkeitsliste gestrichen werden (Schaltpaneelbeleuchtung, Schiebelukseekartenhalterung, Autopilotenriemenspannvorrichtung, zusätzliche Pantrybelüftung, Steuerstandinstrumentenkonsole…).
Für Nachschub an Ideen ist aber ständig gesorgt, das Foto zeigt Dieter beim Ausbrüten neuer Ideen bei 39° in seiner Brutkabine, mit weiteren Verbesserungen meiner Wenigkeit ist also ständig zu rechnen!

11.12.1999

Samstag, 11. Dezember 1999

Samstag, 11.12.99 – 14°42’N, 50°45’W
Das Logbuch fällt heute aus. Bei 33°C am Laptop und null Wind habe ich nämlich hitzefrei! (Schöne Grüsse trotzdem an das stürmische Deutschland!).
Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse, jetzt gibt es bootsgemachten, frischen Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank, Mahlzeit also, und bis morgen!

12.12.1999

Sonntag, 12. Dezember 1999

12.12.1999

Sonntag, 12.12.99 – 14°56’N, 54°52’W
Nachtrag zu gestern abend: Da sitzt die Mannschaft also ganz gemütlich im Cockpit, der Skipper spielt Gitarre, die Sonne geht wunderschön mit einem „green flash“ unter, – und der Motor stirbt ab. Kein Diesel mehr.
Und in der selben Minute setzt der lang ersehnte Passatwind wieder ein! Die Flaute hat ein Ende! Ich segele wieder!
Und fast alle anderen (mit Ausnahme der noch weiter östlich liegenden Yachten) segeln auch wieder. Dementsprechend gelöst ist auch die Stimmung in der Funkrunde und natürlich auch hier an Bord.
Katharina macht aus der 14. Dorade ein Festessen, der Blister steht den ganzen Tag über voll und gelb, abends serviert Martin Glühwein mit Rum (Ist ja schließlich dritter Advent!). Wolfgang muss für viele andere Yachten die umgebuchten Flüge zurück auf den alten Termin legen lassen, weil es jetzt doch wieder so aussieht, als ob die meisten es innerhalb dieser Woche bis St. Lucia schaffen.
Dieter leert den „heiligen“ letzten Resevekanister in den Tank, damit wir im Notfall manövrieren und in St. Lucia ohne fremde Hilfe anlegen können. Alles bestens also, deshalb schicke ich euch heute auch ein ganz besonderes schönes Segelbild!

13.12.1999

Montag, 13. Dezember 1999

13.12.1999

Montag, 13.12.99 – 14°49’N, 56°11’W
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Lipso! Und lass dich ordentlich verwöhnen von Maria! Und sei froh, dass du nicht hier bist, im Moment machen wir nämlich eine wahnsinnig schnelle Reise (endlich!), ich rolle ein bisschen, und du hättest bestimmt ganz schön Schwierigkeiten, dein Häufchen am Anker zu plazieren!
Der 13. ist hier an Bord wegen deines und Skippers Geburtstag ja sowieso ein Glücksdatum: heute hat es uns eine tollen Segeltag mit kräftigem Passat (150 Meilen in 24 h!!) und eine Mega-Monster-Goldmakrele (110 cm, 7kg, Nr.15!) beschert. Alles bestens also!
Und mal wieder Zeit euch das letzte Crewmitglied vorzustellen: Wolfgang ist hier ja eigentlich der Skipper, leider hat er sich aber mal wieder selbst überflüssig gemacht.
Katharina hat die Backschaftshoheit, Dieter macht die komplette Technik, Martin die Navigation und Detlef das Schiffshandling. Und wenn irgendwer mal irgendwas nicht auf Anhieb weiß, dann kann er es ja eben in der umfangreichen Bibliothek nachschlagen oder die Lexikon-CD in den Laptop schieben.
Für Wolfgang bleibt da leider nur das Ausnehmen der gefangenen Fische. Auch so Winzlinge wie auf dem Foto.
Das macht er aber schon sehr gut! Wenn er damit fertig ist, darf er sich die Finger waschen und die Crew mit fröhlichem Gitarrespiel beim Sonnenuntergang erheitern. Außerdem muss er natürlich jede Nacht ein Crewmitglied vom Wachdienst befreien, damit jeder mal eine Nacht durchschlafen kann. So ist das Wachsystem halt. Ab und zu hat die Mannschaft Mitleid mit ihm und lässt ihn auch mal auspennen.
Danach muss das mit dem Fischausnehmen aber auch ein bißchen fixer gehen!
Etwas Segelerfahrung kann man ihm nicht abstreiten (ca. 100.000 Meilen als Skipper auf ca. 25 verschiedenen Schiffstypen), aber sonst dürfte er hier ja auch gar nicht mitfahren!

14.12.1999

Dienstag, 14. Dezember 1999

Dienstag, 14.12.99 – Der Passat bläst, im Logbuch sind nur die Wachwechsel eingetragen, eine gemeinsame Entscheidung wird gefällt: Wollen wir langsam segeln und am Donnerstag morgens ankommen, oder lassen wir es ein wenig krachen und peilen den Mittwoch Abend an?
Die Antwort: Schnell! Also wird „Gustav“ demontiert, weil ich mit Gefühl und von Hand gesteuert etwas besser laufe, besonders, wenn so viel Seegang wie im Moment ist. Das Ergebnis: Etmale von 165 und 171 (!) Meilen!
Und um das etwas zu verdeutlichen, muss ich euch die Passatnächte schildern: „Es rauscht.“ Der überwältigendste Sinneseindruck ist bei Nacht wirklich das Rauschen.
Von hinten hört man den nächsten Brecher ankommen, der feste Stand wird nochmal überprüft, die zweite Hand muss ans Steuerrad, dann hebt die Welle langsam mein Heck an, der Rudergänger fällt etwas ab (steuert etwas nach Lee), ein paar Tropfen Gischt werden über den Heckkorb gepustet und dann rausche ich: nämlich mit 9,5 Knoten im vollen Surf die Welle runter. Jetzt ist meine Bugwelle lauter als der eigentliche Brecher, erst wenn der Surf zu Ende ist und meine Geschwindigkeit wieder unter die Rumpfgeschwindigkeit sinkt, dann übernimmt der Atlantik das Rauschen wieder.
Und wir warten auf die nächste hohe Welle…. damit das Spiel von vorne los geht!
Krönender Abschluss einer wundervollen Reise

15.12.1999

Mittwoch, 15. Dezember 1999

15.12.1999

Mittwoch, 15.12.99 – Land in Sicht.
Leider.
Und dann geht alles irgendwie ganz schnell. Die Mannschaft macht sich und mich landfein, die Gastlandsflagge von St. Lucia wird gesetzt, vor der Halbinsel Pigeon Island wird gehalst, das Zielschiff wird über UKW angepreit, ein lautes Tuten Ziellinienbootsweihnachtsmann beim Überqueren der „finish-line“, um 15.50 h Ortszeit ist unsere ARC nach 2881,4 Meilen offiziell beendet.
Aber der schönste Teil vom Ende kommt noch: Am Steg warten Christian und Sybille von der Subeki, Christian ist aus Schottland angereist, das ARC-Begrüßungskomitee serviert eisgekühlten Rumpunsch und frische Früchte, die anderen Yachten begrüßen uns mit Hupkonzert, eine kleine Stegparty entwickelt sich, kaum dass meine Leinen fest sind, meine Mannschaft übt das Stehen und Gehen auf festem Boden, Katharina serviert die letzten ofenwarmen Brötchen als Snack, der Sektkorken schießt bis auf den nächsten Steg, im Viertelstundentakt kommen Leute vorbei und bedanken sich für den deutschen Wetterbericht oder für den „Galateia-Trans-Atlantik-Post-Service“ und endlich bekommen die ganzen Stimmen aus der Funkrunde Gesichter („Ah, you are Galateia, Galateia, Galateia!“)! Schöner kann Ankommen nicht sein!

16.12.1999

Donnerstag, 16. Dezember 1999

16.12.1999

Donnerstag, 16.12.99 – Großes Frühstück mit Hinstellen der Kaffekanne, ohne dass sie umfällt!
Ansonsten: Party, Zuerst Geburtstagsfeier für Christian auf der Subeki (mit Trans-Atlantik-Warsteiner vom Fass!), dann ARC-Fest mit Nikolaus, Steelband und Tombola am Abend…

17.12.1999

Freitag, 17. Dezember 1999

Freitag, 17.12.99 – Auch Party. Und Leute Kennenlernen, das macht am meisten Spass!

18.12.1999

Samstag, 18. Dezember 1999

Samstag, 18.12.99 – Eigentlich hätte ich als Postschiff ja wirklich eine gelbe Trophäe verdient gehabt…
aber wir gewinnen trotzdem: Nämlich schon am Nachmittag bei der Verleihung des „Stokey-Awards” den Preis für die besten Astro-Standlinien mit Sternen an Dieter und Martin.
Und am Abend bei der offiziellen Siegerehrung gibt es einen schönen Sonderapplaus, als die Post-und Funknetzschiffe aufs Podest gerufen werden.
Ausserdem sind die Tage in der Rodney-Bay- Marina eine ständige Siegerehrung für uns, weil laufend irgendwelche Leute vorbeikommen und sich bedanken oder uns einfach nur kennenlernen wollen.
Auf einem Schiff wurden unterwegs übrigens Wetten abgeschlossen, wie Wolfgang wohl in natura aussieht: einsame Spitze war der „frühpensionierte Steuerprüfer mit dicker Brille”!
Später am Abend: Creolisches Abendessen in der Bar „Zum ab’en Arm” (schöne Grüsse an dieser Stelle an die Crew vom letzten Jahr!), danach: Party!!!

19.12.1999

Sonntag, 19. Dezember 1999

Sonntag, 19.12.99 – Zu spät von St. Lucia losgesegelt, hektisch in Trois Islets auf Martinique Rein-Schiff gemacht, ein letzter Absacker im Marina-Restaurant, dann kommt das Taxi, dann ist der Großteil meiner Super-Überführungscrew einfach weg.
Nochmal vielen Dank, Katharina, Detlef und Martin, ihr seid Klasse! ( Und denkt dran: der eigentliche Abschiedsabend war gestern!!!)
Habe ich euch eigentlich schon mitgeteilt, dass seit Mittwoch (Christian) bzw. Freitag (Uschi und Claudia) der Weber-Hammann-Clan eingetrudelt ist?
Jedenfalls ist das die Weihnachts- und Jahrtausendwechsel-Mannschaft: Wolfgang, Dieter, Uschi, Claudia und Christian, wie ich das aushalten soll, weiß ich nicht…

20.12.1999

Montag, 20. Dezember 1999

Montag, 20.12.99 – Aufgrund des kräftigen Passats sind sie für die Strecke zurück von Martinique nach St. Lucia jedenfalls schon mal einigermaßen ruhig gestellt….
Abends: Part…. neee, ganz ruhig an Bord, langsam aber sicher mal wieder so was wie Normalität einkehren lassen

21.12.1999

Dienstag, 21. Dezember 1999

Dienstag, 21.12.99 – Stundenlanges Abschiednehmen, aber dann doch der Ableger in Richtung Süden. Nur ein paar Meilen mit kräftigen Schauern zum Duschen, dann fällt der Anker am Hummingbird- Hotel an der Südwest-Ecke von St. Lucia. Mit Blick auf die Pitons, das sind zwei zuckerhutmäßige Berge, die ihr euch auf jeder Postkarte anschauen könnt, und die in Wirklichkeit noch schöner sind!

22.12.1999

Mittwoch, 22. Dezember 1999

Mittwoch, 22.12.99 – Nochmal Rauschefahrt bis in die Wallilabou-Bucht auf St. Vincent. Wolfgang hat da noch von „damals” ein paar Freunde, nämlich die Zwillinge Ron und Ronnie.
Dadurch gestaltet sich der Ansturm der einheimischen Händler auf ihren diversen schwimmenden Untersätzen einigermaßen übersichtlich, ansonsten ist die Bucht aber so chaotisch wie immer, zumal Hurricane Lennie den halben Strand weggerissen hat!
Aber das Zollhäuschen steht noch, also können wir wenigstens schnell und problemlos einklarieren (andere Insel – anderer Staat!).

23.12.1999

Donnerstag, 23. Dezember 1999

Donnerstag, 23.12.99 – Ronnie bringt das versprochene frische Brot, die letzten Neuigkeiten werden ausgetauscht, dann preschen wir fünfzehn Meilen weiter nach Bequia und machen an einer Mooringboje fest. Und wieder los, weil sie reserviert ist.
Dann ankern wir vier Mal, bis Taxi-Nigel uns in eine geschützte Ecke der ziemlich überfüllten Admirality-Bay lotst, wofür die Mannschaft ihn zum offiziellen Galateia-Taxi-Service adelt.

24.12.1999

Freitag, 24. Dezember 1999

24.12.1999

Freitag, 24.12.99 – Heiligabend 99
Bescherung in der Badehose, Christstollen mit Mango und Papaya, Abendessen auf Walwirbeln, ein schönes Fest haben wir und wünschen wir allen daheim!!!!!!

25.12.1999

Samstag, 25. Dezember 1999

Samstag, 25.12.99 – Weihnachten 99
Auf dem Weg von Bequia nach Mayreau angelt Christian den Festtagsbraten:
Dorade Nr. 16…. serviert in Folie gebacken an creolischem scharfen Reis in einer der schönsten Buchten der Welt: Salt-Whistle Bay!
Geschützt durch einen schmalen, weissandigen, palmenbestandenen Isthmus, durch die Palmen hindurch schimmern die Tobago-Cays und das Horseshoe-Reef, darüber segeln ein paar Pelikane auf der Suche nach Fliegenden Fischen, dahinter kommt irgendwann Afrika…

27.12.1999

Montag, 27. Dezember 1999

Montag, 27.12.99 – Kaum hört Weihnachten auf, fängt es an zu regnen! Na so was! Leider entwickelt sich mein Innenleben dann besonders nachts zur Sauna, weil natürlich niemand Lust hat, nach jedem Schauer die Luken wieder zu öffnen.
Deshalb sind morgens alle einigermaßen unausgepennt und beschließen, hier doch noch den ganzen Tag zu vergammeln.
Zumal die Sonne wieder raus kommt und der Strand, die Einsamkeit hinter dem Strand und die Bar am Strand locken!

28.12.1999

Dienstag, 28. Dezember 1999

Dienstag, 28.12.99 – Sagenhafte zwei Meilen darf ich heute zurücklegen, dann fällt mein Anker in den Tobago Cays.
Wer die nicht kennt: Das sind fünf winzige, unbewohnte Inselchen, die durch ein großes vorgelagertes Riff gegen den Passat geschützt sind. Und weil sie karibikuntypisch nicht vulkanischen Ursprungs sind, sondern aus Korallensand bestehen, haben sie weiße Strände, ein paar Palmen drauf und über das Riff hinweg freien Blick nach Afrika…

29.12.1999

Mittwoch, 29. Dezember 1999

Mittwoch, 29.12.99 – Deshalb bleiben wir hier.

30.12.1999

Donnerstag, 30. Dezember 1999

Donnerstag, 30.12.99 – Und schnorcheln im Korallenriff. Claudia, Christian und Wolfgang lassen sich von Free Willy im Schnellboot für einen Abend und eine Nacht nach Union Island mitnehmen und besuchen Maria Rieger (ist nach acht traumhaften Wochen mit Wolfgang auf Curieux JoJo damals hier hängengeblieben…) und ihre Tochter, Dieter, Uschi und ich bleiben weiterhin hier.

31.12.1999

Freitag, 31. Dezember 1999

31.12.1999

Freitag, 31.12.99 – Sylvester
Wir bleiben weiterhin hier. Sylvester 1999 unter Palmen, Sundowner mit den Fischern am Strand, Languste und frischer Fisch als Jahrhundertendmenü an Bord,
Schokoladenessen (wer eine sechs würfelt, muss Taucherbrille, Mooringhandschuhe, Strohhut und Schal anziehen und darf mit Messer und Gabel sein Glück versuchen…)
als Hauptpartyattraktion, ab 19.00 Ortszeit jede Stunde Champagner und Feuerwerk (für jede Zeitzone ab Mitteleuropa extra, da kann man sich richtig vorstellen, wie das neue Jahrtausend über den Atlantik düst!), über uns die Sterne, um uns nur noch ein paar andere Yachten im frischen Wind
… und allen daheim alles Gute!

01.01.2000

Samstag, 01. Januar 2000

Samstag, 01.01.00 – Die Ankerkette erweist sich als milleniumssicher, deshalb: Wir bleiben weiterhin hier.
Für immer!!! Na gut, nur bis mittags…
Irgendwer hier an Bord meint, unbedingt einen Flug nach Deutschland erwischen zu müssen, obwohl es da total stürmt und schneit. Bitteschön, legen wir eben ab. Unter Protest!
Außerdem bläst der Passat aus Nordost (anstatt Ostnordost oder Ost) und verlängert den Segeltag um einige ungewollte Meilen auf der Kreuz bis um 22.00 h, dann lotst uns ein Wassertaxi an eine Boje in Port Elizabeth auf Bequia.

02.01.2000

Sonntag, 02. Januar 2000

Sonntag, 02.01.00 – Grauenhaftes Wetter. Ehrlich, und für hiesige Verhältnisse erst recht. Schwere Schauerböen zerren an meinem Rigg, der Passat steht immer noch viel zu weit im Norden und ist immer noch viel zu stark. Hurricane Lenny hat das ganze Wettergeschehen und damit die stabile Schönwetter-Trockenzeit um einen Monat nach hinten verschoben, aber der Flieger wartet nicht, also weiter: Ein langer Tag hoch am Wind in schwerem Seegang bis nach St. Lucia in die Marigot Bay. Genießen und beschreiben werde ich diese grüne Traumbucht dann wohl erst beim nächsten Törn, wir kommen erst gegen 22.00 h an und müssen morgen schon wieder früh weg…

03.01.2000

Montag, 03. Januar 2000

Montag, 03.01.00 – Aber wenigstens mit wieder blauem Himmel und versöhnlichem Törnabschlusswind! Ein schöner letzter Schlag nach Norden, dann liegt der „Diamant“ von Martinique vor meinem Bug, eine kurze Kreuz in den Golf von Fort de France und dann belegt die Mannschaft meine Leinen in der kleinen Marina von Trois Islets. Ein großes kreolisches Abschiedsessen wird im Ersten Haus am Platz verspeist, denn morgen ist der Urlaub für die Webers um.

04.01.2000

Dienstag, 04. Januar 2000

Dienstag, 04.01.00 – Ich werde nämlich auf Hochglanz geputzt, von morgens bis abends. Nach der Atlantiküberquerung war das ja so ein bisschen untergegangen mit der Saubermacherei, aber heute wird nachgeholt und ich bin jetzt nicht nur jahrtausendfit, sondern auch jahrtausendfein! Mit der Abendmaschine nach Paris entschwinden Uschi, Claudia und Dieter nach Europa, ich sag mal Tschüss, aber auf die Webers brauche ich ja üblicherweise nicht allzu lange warten…!

05.01.2000

Mittwoch, 05. Januar 2000

Mittwoch, 05.01.00 – Christian, Wolfgang und ich in trauter Dreisamkeit am Liegeplatz und in der Havanna-Bar (ohne mich, Zutritt für Yachten über sechs Meter Länge verboten…).

06.01.2000

Donnerstag, 06. Januar 2000

Donnerstag, 06.01.00 – Siehe oben!

07.01.2000

Freitag, 07. Januar 2000

Freitag, 07.01.00 – Siehe oben; zusätzlich ein Ausflug mit der Fähre nach Fort de France und Christians Geburtstagsfeier: Allerherzlichsten Glückwunsch und so!!!!!!!!

08.01.2000

Samstag, 08. Januar 2000

Samstag, 08.01.00 – Christian fliegt nach Schottland und macht Platz für die neue Crew: Vera Seidel, Sabine Jaeschke und Stefan Dick kommen an Bord und werden zwecks Jet-lag-Überwindung vom Skipper erst einmal in die Havanna-Bar gelotst…