Mittwoch, 04.07.07 – Ingo und Wolfgang putzen mich natürlich für den nächsten Törn wie gewohnt auf Hochglanz – und kaum sind sie damit fertig, da steht schon die nächste Crew am Steg: Herzlich Willkommen an Bord für Gerlinde Rapp, Karin Kobald und Gabi und Toni Ohneberg.
Ab und zu nieselt es am Abend, aber nach ein wenig hin- und herüberlegen ist klar, was eigentlich immer klar war: Leinen los und raus auf den East-River, um das gewaltige (weltgrößte?) Feuerwerk zum Unabhängigkeitstag der USA aus der ersten Reihe zu beobachten. Wolfgang und ich kennen das Manövrieren in Zuschauerbootsmassen ja noch aus Auckland, so ist pünktlich um 21.30 zu den ersten vier Raketen (es wird nämlich von vier! Stellen aus simultan geböllert!) nur ein Polizeiboot zwischen meinem Heck und der ersten Abschussplattform. Schon beeindruckend, um es mal dezent auszudrücken

Sonntag, 08.07.07 – Schon um 07.00 h werden die Anker aus dem leckeren Schlick gehievt (Toni heldenhaft im Beiboot mit dem Heckanker!), denn die Klappbrücke in Mystic macht um 07.40 h zum ersten Mal auf. Passt prima, die folgende Eisenbahnbrücke macht auch erst hinter uns wieder zu, Frühstück gibt es danach ganz in Ruhe auf den vier Meilen den Mystic River hinunter. Weil der Wind weiterhin aus Südwest bläst und am Nachmittag sogar soweit auffrischt, dass mein Großsegel ins erste Reff muss, wird gesegelt, was das Zeug hält, RudergängerInnenwechsel alle paar Meilen, weil es so viel Spaß macht. Der Long Island Sound ist hier zu Ende, bis zu den Elisabeth Islands darf ich ein bisschen auf den offenen Atlantik, Rauschefahrt. Ein stattlicher Bluefish begeht an der Angel Selbstmord, weshalb für den tollen Tag nur noch ein toller Ankerplatz fehlt. Und der findet sich perfekt geschützt am Ostende von Naushon Island, gegenüber von Woods Hole. Ein Ententeich zwischen alten Bäumen, wieder ein paar Ferienhäuser dazwischen versteckt, aber ansonsten Natur pur. Festmachebojen, so dass mein Anker nicht gebraucht wird, natürlich heute am Wochenende ein paar weitere Yachten, aber insgesamt ein traumhaftes, verwunschenes Fleckchen Erde. Wolfgang fragt sich, wie oft er in der Gegend segeln könnte und trotzdem noch jedes Mal neue Eckchen und Winkel entdecken würde.
Dienstag, 10.07.07 – Pottendichter Nebel. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Alles Warten nützt nichts, deshalb wird eine kleine Lücke in den Schwaden für den Ableger genützt, danach geht es im Blindflug weiter. Vorschriftsmäßig und reihum tutet eine/r nach dem anderen einmal pro Minute einen mehr oder minder langen Ton auf der Muschel, ansonsten wird auf das Glocken- und Gongschlagen der Bojen und auf das Tuten anderer Schiffe gelauscht. Die Hummerbojen sind natürlich weiterhin da, nur, dass man sie heute erst im letzten Moment sieht. Die Navigation findet bei dem Wetter über elektronische Seekarte und über Radar statt. Toni: „Da muss in ein paar Metern eine grüne Tonne kommen, ich habe sie ganz nah auf dem Radar!” Karin und Wolfgang: „Nee, noch nix. Doch, da, steuerbord voraus. Schon querab. Schon vorbei.”
Freitag, 13.07.07 – Freitag, der Dreizehnte: Ein Glückstag, wie immer. Morgens kommt z.B. glücklicherweise eine Schwalbenfamilie vorbei. Die Jungen haben gerade fliegen gelernt und werden nun nach den ersten Flugmetern auf meiner Steuerbordreling abgefüttert. Wettermäßig ist der ganze Törn ein einziger Glücksfall, schon wieder Rückenwind! Die Schwälbchen sind satt, Boje los, Passatbesegelung hoch, 28 Meilen weiter, ein paar Hummerbojen ausweichen, Passatbesegelung wieder runter, Anlegen an der Boje, fertig. Heute in York Harbor, wo die Engländer die entscheidende Schlacht des Unabhängigkeitskrieges verloren haben. Der Hafenmeister, der erst ein wenig mürrisch rüberkommt (Engländer?), entpuppt sich auch als Glücksfall, er kutschiert nämlich meine Einkaufsdelegation (Karin und Gabi weiterhin auf der Suche nach Schuhen
) zum Supermarkt und zurück. Kostet nur ein Lächeln.