Madagaskar im Oktober 2010

Mittwoch, 06.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Mittwoch, 06.10.10 Alles Gute an Merle zum zweiten Geburtstag! Überrede Mama und Papa mal, dass wir den dritten oder vierten hier an Bord feiern!

Gabi kann noch einen Extra-Tag nach der Verabschiedung von Peter bleiben, denn meine neue Crew kommt heute erst teilweise an Bord, bis morgen ist also noch Platz in den Kabinen. Am frühen Nachmittag steht Joke am Fähranleger, willkommen an Bord! Während Wolfgang sich im langsamsten Internetcafé der Welt mit der Post abmüht, erzählen sich Gabi und Joke die Highlights ihrer Reisen hier an Bord: Pazifik, Neuseeland, Fiji… man kommt schon rum mit mir!

Donnerstag, 07.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Donnerstag, 07.10.10 Wolfgang kann ja prima selektiv hören, gestern hat er überhört, dass Christian, Christian Meißner (für diesen Törn „Chrissi“)  und Ulrike (Uli) Brauhardt-Sommer heute schon um 06.30 h landen. Und demnach schon mit einem Speedboot angefahren kommen, als mein Skipper noch in der Koje liegt. Er freut sich aber trotzdem, besonders natürlich über Christian!

Wegen der frühen Ankunft kann noch prima der Großeinkauf erledigt werden, Sergio hilft wieder mit, auf dem Markt wird gefeilscht und gehandelt, mittags ist schon alles verstaut und nach der Schiffs- und Sicherheitseinweisung segeln wir noch die fünf Meilen bis nach Tanekely. Chrissi war  als einziger noch nie an Bord und fragt, als die Angelleine über das Heck gefiert wird, wie lange es denn nun dauern wird, bis ein Fisch beißt. „Eine Minute bis fünf Stunden!“ antwortet Christian, wird aber gleich bei der Lüge ertappt, denn es dauert nur dreißig Sekunden, bis 1,0 m/5 kg Königsmakrele am Haken hängen. Große Aufregung – und leckeres Filet am Abend. Eine vorbeischwimmende große Schildkröte freut sich, dass ein Räuber weniger herumschwimmt.

Freitag, 08.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Freitag, 08.10.10 Schnorcheln, spazieren gehen, die Aussicht vom alten Leuchtturm genießen, die ersten Lemuren in freier Wildbahn bestaunen und die Schönheit der kleinen Insel genießen. Damit vergeht schon die erste Tageshälfte. Die zweite wird gesegelt, hoch am Wind und quer über die Bucht bis an den einsamen Ankerplatz hinter Nosi Kisimani. Obwohl, ganz einsam ist es heute gar nicht, denn aus dem Dorf weiter flussaufwärts kommen ein paar Kanus angepaddelt, die Kinder wollen Eier verkaufen. Die haben wir aber noch, Fisch haben wir noch, Filet Nr. drei liegt gerade als Sashimi auf dem Vorspeisenteller. Aber ein paar Kalmare wären gut, für morgen. Abgemacht, morgen früh. Ein Junge hat aber heute schon einen zu verkaufen, der kommt noch zum Curry, das Wolfgang aus dem letzten Makrelenfilet brutzelt. Preis: Ein Schulheft, ein Kuli und ein paar Luftballons.

Nach ein paar Liedern zur Klampfe veranstaltet die Mannschaft noch ein Betthupferl und hupft ins Wasser. Ulrike lacht sich schlapp, als Chrissi Leuchtplankton am Allerwertesten kleben hat…

Samstag, 09.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Samstag, 09.10.10 Die Kalmarlieferung erfolgt pünktlich, die Brise Wind kommt auch, wir üben Wenden. Gegen den Wind brauche ich ein paar Kreuzschläge bis in die Baie des Russes, klappt schon prima!

In der Baie kommt Paul, der freundliche Reiseführer, mit seiner pfiffigen Mappe voller Vorschläge für Wandertouren – und klar, die Mannschaft bucht einen Ausflug für morgen!

Sonntag, 10.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Sonntag, 10.10.10 Alles Gute zur Hochzeit für all die Millionen, die heute heiraten! Dass Männer immer Eselsbrücken brauchen, um sich ihre Hochzeitstage merken zu können…

Paul verteilt meine Crew gleichmäßig auf den Sitzbrettern in seiner Piroge, seine Frau und der Matrose helfen beim Segelsetzen – uns schon saust das Auslegerboot einmal über die Bucht. Auf der anderen Seite führt er das Expeditionscorps an wunderschöne Strände, zu winzigen Fischersiedlungen, kreuz und quer über eine Halbinsel und zurück zum Häuschen eines Freundes, wo seine Frau schon das Mittagessen fertig hat. Es gibt frischen Fisch und Kokosreis, lecker!

Zurück an meinem Ankerplatz geht das Besichtigungsprogramm noch weiter, die Ruinen der Ukrainischen Siedlung liegen ja direkt hinter meinem Heck. Ich werde auch besichtigt, und zwar von ein paar Buckeldelfinen. Die sind ganz schon mächtig, fast schon kleine Wale. Es bleibt aber ein kurzer Besuch.

Montag, 11.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Montag, 11.10.10 Ich bekomme zehn neue Crewmitglieder. Wenn die mal groß sind, bekommt der Palmengarten in Frankfurt eine neue Attraktion.

Etwas außerhalb der Baie des Russes liegt Ankaranana, ein prima Schnorchelstopp zum Warten auf Wind. Der kommt mittags, reicht genau zum Segeln, aber nicht zum schnell Segeln. Macht nichts, wir sind nicht in Eile, und wir schaffen es noch gut bei Helligkeit bis in den Honey-River. Die Einheimischen wollen auch gerne von ihrem wilden Honig verkaufen, aber ich habe noch ein Glas an Bord. Einer der Männer fragt irgendwie umständlich und geniert nach Präservativen, haben wir noch, geben wir gerne.

Im kleinen, aufgeräumten Ort freuen sich die Kinder über die Abwechslung, wenn Fremde kommen, Uli hat einen besonders netten Fan.

Eine Familie betreibt hier ein kleines Restaurant, und wenn so wie heute Gäste kommen, dann wird es sogar geöffnet. Es gibt Mangrovenkrabben – und das gibt eine ziemliche Sauerei.

Dienstag, 12.10.10

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Dienstag, 12.10.10 Die Schule bekommt noch neue Kreide, einen Stapel Hefte und einen aufblasbaren Globus aus meinem Fundus, und da das Helfersyndrom gerade mal wieder zuschlägt, darf ich noch eine Piroge gegen den Wind aus dem Fluss schleppen. Die Küste entlang segeln die Jungs dann wieder selbständig. Ich auch, und zwar nach Süden, 17 Meilen bis hinter Nosi Ovy. Ein großer Schwarm Flughunde zieht durch den Sonnenuntergang, schön gruselig. Nee, doch nur schön.

Mittwoch, 13.10.10

Montag, 18. Oktober 2010

Mittwoch, 13.10.10 Das kleine Fischerdorf am Ufer liegt ziemlich ruhig da, die meisten Boote sind auf dem Festland, dort ist Markttag. Vor den Hütten wird aber schon wieder für Nachschub gesorgt, überall stehen Gestelle mit Stockfisch, und das geht hier bis zu ganzen Rochen! Das riecht man auch…

Hauptziel des Ausflugs ist die Flughundkolonie, die hinter dem Dorf in einer Gruppe von hohen Bäumen lebt. Christian klatscht laut in die Hände – und schon geht die Flugshow los. Zu Dutzenden steigen die völlig harmlosen „Vampire“ auf, drehen kreischend eine Runde und zanken sich dann bei der Über-Kopf-Landung um die besten Schattenplätze.

Madagaskar hat neben all dem wilden Afrika auch Kontrastprogramm zu bieten: Drei Meilen weiter nördlich hat ein findiger Franzose ja das letztens schon beschriebene Mini-Hotel eröffnet, neben der Extraterrestrischen Lebensform „Max“ (der bandelt heute mit Christian und Uli an) und dem guten Essen lockt hier vor allem das wunderbare Schnorchelriff. Joke hat besonderes Glück und sichtet eine Meeresschildkröte, Wolfgang erspäht einen großen Oktopus und alle anderen wissen auch bald nicht mehr, wo sie hingucken sollen.

Donnerstag, 14.10.10

Montag, 18. Oktober 2010

Donnerstag, 14.10.10 Ich darf mal wieder ein paar Meilen segeln, der Kurs geht wieder nach Norden. Die beständige Vollzeugbrise zieht mich in gut vier Stunden zwanzig Meilen weit bis hinter Nosy Iranya. Leider steht etwas Dünung an den Ankerplatz, aber beim Sundowner an der eleganten Bar des doch sehr feinen Hotels merkt man da ja nichts von.

Freitag, 15.10.10

Montag, 18. Oktober 2010

Freitag, 15.10.10 Die Zivilisation hat ja doch manchmal Vorteile, z.B. eine Tauchbasis. Joke und Wolfgang lassen sich an meiner Badeplattform abholen und verschwinden für zwei Tauchgänge unter Wasser. Das Schöne am Tauchen ist, dass man mehr Luft, also mehr Zeit als beim Schnorcheln für genaue Beobachtungen hat. Und von den üblichen Verdächtigen (Fische und Korallen in allen Farben, Forman und Größen) mal abgesehen begeistern deshalb winzige Clownshrimps, scheue Sandaale, skurrile Gespensterkraben und andere Versteckspieler.

Uli, Christian und Chrissi sind allerdings froh, als die beiden Unterwasserbummler wieder auftauchen, denn ich liege leider quer zur Dünung und rolle hin und her. Kaum unter Segel ruhe ich aber wieder in stabiler Seitenlage, und weil nach zwei Tourismus-Tagen mal wieder Einsamkeit gefragt ist, kreuzen wir ein paar Schläge bis in den hintersten Zipfel der Baie des Russses. Es ist so still, dass ein einzelnes Radio von irgendwo her noch hörbar ist, vielleicht ein Fischer am Ufer. Und als da bald die Batterien leer sind, hört man gar nichts mehr. Das ist so ungewohnt für europäische Ohren, dass Wolfgang vorsichtshalber die Gitarre rausholt und zur Beruhigung leise Barmusik spielt.

Samstag, 16.10.10

Montag, 18. Oktober 2010

Samstag, 16.10.10 Neulich lag hier eine Schraube an Deck, 4 mm Sechskantkopf. Eigentlich habe ich so was nicht im Masttopp, aber mein übervorsichtiger, sicherheitsorientierter Skipper will doch mal eben nachgucken, ab und zu sollte man das ja ohnehin tun. Und so wird der Bootsmannsstuhl rausgekramt und schon klettert eine rotblonde Megalemure den Mast rauf. Die Schraube ist nicht von mir, alles prima da oben, alles fest, alle Wanten und Stage bestens, aber wenn man schon mal da ist, kann man ja noch eben etwas Öl in die Lager sprühen und ein paar schöne Fotos machen.

Nachmittags segeln wir ein paar Privatregatten gegen die Pirogen und Dhaus, und am Tagsziel, in der Crater Bay, kann ich dann bequem Wasser nachbunkern. Da darf dann wieder ausgiebig geduscht werden für den Rest des Törns.

Sonntag, 17.10.10

Montag, 18. Oktober 2010

Sonntag, 17.10.10 Als Bunkerstopp ist die Craterbay prima, aber die landschaftlich schönste ist sie nicht. Nach dem Frühstück werde ich deshalb die fünf Meilen bis nach Nosi Tanekely verholt, noch einmal Schnorcheln für alle!

Der frische Westwind füllt für die letzten zehn Meilen des Tages meine Fock, raumschots bis nach Nosi Komba. Im kleinen Strandrestaurant „Chez Claudia“ weiß man schon, was meine Mannschaft bestellen wird: Einmal quer durch die Vorräte, also Fisch, Zebu-Steak, Hühnchen (zugegebenerweise eher ein sportlicher, durchtrainierter Gockel), Scampis und Kalmare in Knoblauchsoße. Dazu gedünstetes Gemüse, Reis und ein paar Pommes und kühles THB. Das heißt Three Horses Beer und ist die hiesige Marke, bei den Temperaturen hat man ja auch Durst wie drei Gäule!

Montag, 18.10.10

Montag, 25. Oktober 2010

Montag, 18.10.10 Montags ist Nosi Komba-Tag, denn hier gibt es so viel zu gucken, dass ein Nachmittag einfach nicht reichen würde. Außerdem werden viele der Souvenirs, die drüben auf Nosi Be an die Hoteltouristen verkauft werden, hier hergestellt. Die Frauen besticken alles vom Taschentuch bis zur Sechs-Meter-Tischdecke, und die Männer sitzen in kleinen Werkstätten und schnitzen Masken, Schachspiele und Zauberkisten. Letztere bekommt man nur auf, wenn man einen komplizierten Zauberspruch aufsagt – und nebenbei unauffällig eine kleine, fast unsichtbare Zierleiste an der Unterkante verschiebt.

Die hier ja handzahmen Lemuren haben heute ordentlich Hunger und  belagern meine Mannschaft förmlich, das macht Spaß! Die kleinen Patschehändchen möchte man/frau gar nicht mehr loslassen.

Dienstag, 19.10.10

Montag, 25. Oktober 2010

Dienstag, 19.10.10 Die letzten fünf Meilen von knapp 150 muss ich motoren, denn am Nachmittag, als der Wind wie immer zulegt, sitzt meine Crew schon im Taxi zum Lemuria-Land. Dieser kleine Zoo-Park mitten in einer  alten Ylang-Ylang-Plantage zeigt noch einmal einen Querschnitt durch Madagaskars so spezielle Flora und Fauna. Fast alle Lemuren-Arten, also auch die winzigen, nachtaktiven, viele verschiedene Chamäleons, die seltenen Radiata-Schildkröten, Krokodile, ein Trockengarten mit kleinen Baobabs und Napoleon kann man hier besichtigen. Wobei Napoleon und seine Gattin Josephine tatsächlich als einzige nicht aus Madagaskar kommen, sondern von den Seychellen. Seine Majestät genießt das Exil aber sichtlich und lässt sich am 200 Jahre alten Hals kraulen.

Chrissi hat sich beim Schnorcheln eine ordentliche Erkältung eingefangen und verpasst das erste Abschiedsdinner.

Mittwoch, 20.10.10

Montag, 25. Oktober 2010

Mittwoch, 20.10.10 Heute werde ich wie immer am  Törnende auf Hochglanz gewienert, und dann heißt es als erstes für Joke Abschied nehmen. Komm bald wieder, Wolfgang freut sich immer über gute Tauchpartner, und über Dich besonders!

Uli, Chrissi und Christian bleiben noch bis morgen, und da Chrissi am Abend einigermaßen wiederhergestellt ist, kann er wenigstens das zweite Abschiedsdinner genießen. Es gibt butterzarte Zebusteaks im Nandipo, welches hiermit aufgrund eben dieser Steaks zu meiner Madagaskar-Stammkneipe erklärt wird. Herzlichen Glückwunsch zu dieser ehrenvollen Auszeichnung!

Donnerstag, 21.10.10

Montag, 25. Oktober 2010

Donnerstag, 21.10.10 Morgens um 09.00 h erscheint mein Bootsmann Sergio. Er startet den Motor, holt den Anker auf und fährt mich in die Crater Bay. Da bindet er mich zunächst an der Wasserversorgungsboje fest und macht den Motor wieder aus. Wolfgang und meine drei verbliebenen Gäste sind zufrieden, Sergio schafft es im Notfall prima alleine, mich von A nach B zu verholen. Rudi, ein Österreicher, der hier  nach und nach eine Marina aufbaut, akzeptiert Sergio ebenfalls als Wachmann für mich, wenig später bekomme ich eine der neuen Festmachebojen zugewiesen und schon bin ich geparkt. Für einen ganzen Monat, denn ausnahmsweise verlässt mich nicht nur meine letzte Crew, sondern auch mein Skipper! Seine kleine Nichte Luca braucht ja nächsten Monat einen welterfahrenen Patenonkel, und außerdem darf Wolfgang ja ohnehin einmal im Jahr Urlaub vom Urlaub machen…

So ganz supertoll findet er meinen Parkplatz wegen der doch recht instabilen politischen Lage hier in Madagaskar nicht, aber  Rudi versichert, dass alles gut ist und ich Ende November hier wohlbehalten und von Sergio bewacht und gepflegt an der Boje hängen werde. Bis dahin müsst ihr leider auf neues Logbuch warten, aber dann geht es spannend weiter: 1300 Meilen bis nach Durban!

Ganz zum Schluss macht mein Skipper als Abschied von Madagaskar einen Kotau: Er entschuldigt sich hiermit dafür, sich von der allgemeinen Madagaskar-Kriminalitäts-Panikmache angesteckt haben zu lassen. Das Handy war nicht gestohlen (s. Eintrag vom 25.09.10), sondern ist heute in einer der Rucksacknebentaschen wohlbehalten wieder aufgetaucht. Wir, also mein Skipper und ich, stellen also hiermit fest, dass Madagaskar eines der schönsten Reiseländer ist, die wir je besegelt haben – und dass die Madegassen ein wunderbar gastfreundliches, ehrliches, lustiges und friedliches Volk sind, und dass wir uns beide darauf freuen, hier nächsten Monat noch ein wenig zu segeln, bevor der Kurs nach Südafrika geht!