Von Male nach Hurghada

26.02.2004

Donnerstag, 26. Februar 2004

Donnerstag, 26.02.04 – Hat schon was, mit der Yacht am Flughafen vorgefahren zu werden! Und das ist so auch wirklich nur hier in Male möglich: Um 06.45 h fällt der Anker vor dem Abflugterminal, Gute Reise Euch allen, vielen Dank und hoffentlich bis demnächst!
Ähnlich wie auf allen anderen Flughäfen der Welt darf man auch hier nicht vor dem Eingang dauerparken, also zurück in die Lagune. Ein kleines Tankschiffchen liefert wie versprochen Diesel, danach müssen Dieter und Wolfgang in die Stadt zum Großeinkauf für den Törn nach Hurghada. Ingrid und Tim kommen mit, irgendwie klappt dann irgendwas mit dem Taxi vom Supermarkt nicht, weshalb Wolfgang und Dieter das Retourboot um 16.30 h verpassen. Macht nichts, wird eben alles umdisponiert, Abendessen gibt es in der Stadt mit den „Sonnenscheins“, während die Einkäufe in der Lagune mit dem Dhoni hin und her fahren, der Dhonikapitän hat versprochen, gut aufzupassen.

27.02.2004

Freitag, 27. Februar 2004

Freitag, 27.02.04 – Ein Tankschiffchen für Wasser gibt es auch, Dieter legt mich längsseits an und nach etwas telefonischem Hin und Her werden meine Tanks eimerweise gefüllt, weil es keine geeignete Pumpe gibt. Dauert etwas länger, ist aber lustig.
In der Stadt hat inzwischen mein Agent die Schiffspapiere zur Ausreise vorbereitet, die Wäsche ist auch fertig geworden, vom Gemüsemarkt gibt es noch eine Bananenstaude und die gestern vergessenen Eier – und dann geht es mit Ingrid, Tim und Martin in den Club Med zum Abschied feiern. Und natürlich zum Buffet plündern, Tim ist der Meisterdieb!

28.02.2004

Samstag, 28. Februar 2004

Samstag, 28.02.04 – Eine Schildkröte (und natürlich die Freunde von den anderen Schiffen!) schauen zum Abschied vorbei, die Logge wird auf Null zurückgesetzt, motorgestützt queren wir das Nord-Male-Atoll, Dieter macht die letzten türkisbunten Lagunenfotos, um 14.00 ist das Außenriff überquert, ich stecke meinen Bug mal wieder in den Ozean und schnuppere an den 1370 Meilen, die bis zum erstmöglichen Stopp (Salalah im Emirat Oman) vor uns liegen.

29.02.2004

Sonntag, 29. Februar 2004

Sonntag, 29.02.04 – Frühstück mit Sonntagsei, irgendwelche Traditionen braucht man ja…
Außerdem die allmorgendliche Funkrunde mit der deutschsprachigen Clique, und zusätzlich für den langen Schlag auch mit dem englischsprachigen Netz. Eine Delfinschule bringt passenden Nordostwind vorbei, Bordroutine stellt sich ein. Und wie schön das ist, einfach auf See zu sein, das können mal wieder nur diejenigen nachvollziehen, die schonmal eine Langstrecke gesegelt sind. Vorzugsweise natürlich hier an Bord!

01.03.2004

Montag, 01. März 2004

Montag, 01.03.04 – Alles wie gestern, sogar die Delfine kommen wieder vorbei! Nur das Frühstücksei fällt natürlich aus! Tageshöhepunkt ist ein Abriss an der Angel, was das wohl mal wieder für ein Monster war?!

02.03.2004

Dienstag, 02. März 2004

Dienstag, 02.03.04 – Der Wind ist noch nicht wirklich stabil, deshalb stehen manchmal ein paar kleinere Korrekturen am Kurs oder an der Segelstellung an, gegen 10.00 h brist es sogar so weit auf, dass das erste Reff ins Großsegel muss! Und es sind „nur noch“ 1000 Meilen bis zum nächsten Festland, das wäre das Emirat Oman.

03.03.2004

Mittwoch, 03. März 2004

Mittwoch, 03.03.04 – Der Tag bringt einfach nur schönes Segeln, am Abend wird es dann so ruhig, dass Dieter und Wolfgang eine Delfinschule unter Deck pfeifen hören. Da unterbricht meine Mannschaft das Abendessen natürlich gerne, um den Außenbordskameraden im Mondschein zuzuschauen, wie sie um meinen Bug herum ihre Späße machen! Und Delfine bringen ja bekanntlich Glück! Um 21.00 h ist es dann soweit, Dieter bekommt die Nachspeise wunderbarerweise direkt bis in die Koje geliefert, durch das offene Luk springt ihm nämlich ein Fliegender Fisch mitten ins Gesicht… Wolfgang wünscht „Guten Appetit!“

04.03.2004

Donnerstag, 04. März 2004

Donnerstag, 04.03.04 – Heute werde ich zur Backstube. Es gibt leckeres Vollkornbrot, um 18.00 h auf Position 09°38’N und 065°09’E ist es fertig!

05.03.2004

Freitag, 05. März 2004

05.03.2004Freitag, 05.03.04 – Der Bulk-Carrier oder Schüttgutfrachter „Newforest“ ist mit Eisenerz von Indien nach England unterwegs, der Wachhabende lässt sich auf ein bisschen Klönschnack mit meinem Skipper ein, auch mal nett. Halbzeit zwischen Festland und Male ist auch schon! 697 Meilen in beide Richtungen! Ein riesiger Segelfisch (so einer, wie Mark und Wolfgang ihn damals in Vanuatu gefangen haben!) zieht den Haken an der Angel gerade und entkommt also, die Bananen sind reif, ein Thunfisch beisst und entkommt der Pfanne nicht, Duschen auf der Badeplattform, lauter kleine Abenteuer!

06.03.2004

Samstag, 06. März 2004

Samstag, 06.03.04 – Und weil es so gut läuft und wir schon wieder ein Etmal von 140 Meilen haben, darum wird der Kurs direkt auf Aden gelegt und Oman von der Planung gestrichen. War sowieso nur als Not-Tankstopp anvisiert, und bis an die Insel Sokotra (Suqutra) ist der Kurs ohnehin derselbe.
Am Abend geht der Vollmond neben Jupiter auf, was mich daran erinnert, das der Mond seinen Weg an den Planeten entlang jetzt vollendet hat! Schaut auch in Deutschland mal abends nach oben, Venus im Westen, Mars direkt im Süden, Saturn in den Zwillingen links daneben und Jupiter im Osten! So schön hat man vier der fünf sichtbaren Planeten selten am Himmel vereint! Merkur kommt in der letzten Monatshälfte noch dazu, dann habt ihr sie alle am Himmel, aber ihr könnt ja schonmal üben!

07.03.2004

Sonntag, 07. März 2004

Sonntag, 07.03.04 – Schon wieder gibt es ein Frühstücksei, wie die Zeit verfliegt!! 1000 Meilen seit Male zeigt die Logge an, aber wo sind die geblieben?
Wolfgang schneidet Dieter die Haare, damit er sie sich nicht zu sehr rauft, aus der Gegend um Aden wird nämlich gerade der erste Überfall auf eine Yacht (SY „Saltair“) gemeldet… bei den Piraten handelt es sich eigentlich um Menschenschmuggler (auch nicht besser!!!), die zwischen Somalia und Jemen pendeln und nebenbei Yachten plündern. Im Fall der „Saltair“ war das Piratenboot, von der Mannschaft abgesehen, vollgepfercht mit Frauen!!!

08.03.2004

Montag, 08. März 2004

Montag, 08.03.04 – Meine Mannschaft erstellt also einen Überfallplan: Kreditkarten teilweise verstecken, Bargeld ebenfalls. Zwei Fotoapparate auch, einer wird ggf. geopfert. Funkgerät und Zweit-GPS ebenfalls verstecken. Ein Anruf beim MRCC (Seenotleitstelle in Bremen) bringt leider nur „Viel Glück“ und die Information, das ein Piratenüberfall als Seenotfall gehandhabt werden darf, incl. EPIRB-Einsatz und Mayday-Ruf. Die im Golf von Aden stationierten Kriegsschiffe sowohl der „Coalition of the willing“ des Irakkrieges als auch die im UN-Auftrag hier Wache schiebenden deutschen Schiffe vermelden, dass sie zwar im Notfall, aber nicht präventiv tätig werden. Ist wohl immer noch einfacher zu löschen, wenn es brennt, als einen Rauchdetektor einzubauen…Naja.
Da wenden wir uns doch wieder Erfreulicherem zu und gratulieren Uschi (langjährige Bordkommandantin und Skippers Mama!) zum überstandenen Einbau der neuen Linse im rechten Auge und zum damit wiedergewonnen klaren Durchblick in allen Lebenslagen!
Ach so: und seglerisch gesehen ist hier Blisterwetter, weil der Wind etwas nachgelassen hat. Mit der „Warsteiner“-Reklame weiter auf Kurs West!
Apropos Bier: In Male gibt es keinen Alkohol zu kaufen, deshalb bin ich zur Zeit ein „trockenes“ Schiff. Wolfgang kann sich an keine Lebensphase seit seiner Einschulung erinnern, in der er wochenlang keinen Tropfen Alkohol konsumiert hat. Bekommt ihm aber blendend, hat schon bestimmt drei Kilo abgenommen!!! Dieter auch!!!

09.03.2004

Dienstag, 09. März 2004

Dienstag, 09.03.04 – Der Wind wird etwas unsteter, weshalb sich Blister und Maschine abwechseln. Der Höhepunkt des Tages ist sowieso mal wieder das Angeln: Um 18.40 h surrt die Backbordspule erst zaghaft und dann rasend schnell. Und dann gar nicht mehr. Weil ein Fischkopf ohne zugehörigen Körper einfach nicht so viel Widerstand bietet… da war der Hai leider mal wieder schneller als Wolfgang, dem nichts anderes übrig bleibt, als dem frechen Räuber den erstaunt blickenden, sauber amputierten Doraden-Kopf auch noch hinterher zu werfen…

10.03.2004

Mittwoch, 10. März 2004

10.03.2004Mittwoch, 10.03.04 – Im Meer schwimmen Unmengen fluoreszierende Algenblüten, und als kurz vor der Morgendämmerung ein paar Delfine vorbeischauen, leuchten sie wie Sylvesterraketen unter Wasser!
Völlige Flaute bestimmt den Rest des Tages, ein Meer wie Blei. Überreichweiten bis zu 250 Meilen (!) auf UKW, ein paar Versuche mit dem Blister, eine gemütliche Kaffeepause und ein Funkgespräch mit einem Frachter auf Westkurs (hat leider keinen Diesel für uns!) sorgen für Kurzweil.

11.03.2004

Donnerstag, 11. März 2004

Donnerstag, 11.03.04 – Um 06.30 h spielt eine große Schule kleiner Wale um meinen Rumpf herum, um 08.25 h bläst ein riesiger Finnwal direkt neben uns und bleibt fast eine Stunde in der Nähe (trotzdem leider kein vernünftiges Foto, weil die Kameras piratensicher unzugänglich versteckt sind…), um 08.35 h gesellt sich der ebenfalls riesige Partner dazu, um 14.00 h kommen zwei leckere Doraden an mein Heck weil sie ein paar von den kleinen Zebrafischen schnappen wollen, die sich am Ruderblatt verstecken. Leider beißen sie nicht auf die Angeln, obwohl Dieter und Wolfgang ihnen die Köder bis vor das Maul ziehen! Aber die „alten Hasen“ schnuppern nur kurz und konzentrieren sich wieder auf die „Zebras“. Um 15.30 h zieht ein kleiner Hai seine Runden hinter uns und mit der Dunkelheit erscheinen wieder die Leuchtspurgeschosse (Delfine) im neongrünen Plankton. Ein Tag im Galateia-Zoo. Plus „drei Sorten Fliegen“ (laut Dieter, hier sind nämlich ein paar Eintagsfliegen geschlüpft!).
Das alles bei völliger Flaute (und natürlich entsprechend guter Sicht über und unter Wasser!) und einem entsprechend schlappen Etmal von 64 Meilen, die mache ich ja sonst an einem windigen Nachmittag!

12.03.2004

Freitag, 12. März 2004

Freitag, 12.03.04 – Freitags haben die Moslime ja ihren Ruhetag, und hier ist auch nix los. Keine Wale, keine Frachter, keine Fische, aber auch kein Wind und keine Piraten.

13.03.2004

Samstag, 13. März 2004

Samstag, 13.03.04 – Dafür heute wieder volles Programm: Morgens leichter Wind für den Blister, dann ein Monsterfisch an der Angel (bricht den Haken ab!), dann ein Thunfisch an der anderen Angel, zwei Filets kommen gleich in die Pfanne, dazu gibt es Reis und Möhrchen. Beim abendlichen Bergen vertörnt sich dann der Bergeschlauch vom Blister, so dass wir auch endlich mal ein Problem, wenn auch nur ein winziges und behebbares, zu berichten haben, und in der Nacht brist es endlich auf „richtigen“ Wind (aus Ost mit vier Beaufort) auf. Einem Fischer müssen wir ausweichen, ein anderer weicht uns aus, Position 13°21′ N, 049°54′ E.

14.03.2004

Sonntag, 14. März 2004

Sonntag, 14.03.04 – Ein ca. 14 Meter langes Maschinenfahrzeug nähert sich um 13.30 h aus dem Süden, Kurs Nord. Für einen Fischer hat es zu wenig Arbeitsfläche, nur rundherum einen Spritz- oder Sichtschutz aus blauen Planen. Und für einen Frachter oder Küstenfahrer hat es einfach den falschen Kurs. Also doch ein Menschenschmuggler auf dem Weg zum Jemen? Piraten?
Wolfgang beschließt, keine näheren Erkundigungen einzuziehen und startet den Motor, so dass aus fünf Knoten unter Segeln sieben mit zugeschalteter Maschine werden. Dieter versteckt die Wertsachen, Wolfgang bereitet die Funkgeräte etc. vor. Und nach einem halbstündigen „Zwischenspurt“ haben wir das Fahrzeug hinter dem Horizont gelassen und der Tag wird so schön, wie alle anderen auch, zumal ja noch eine Thunfischhälfte zu Sushi verarbeitet werden kann und frisches Brot aus der Backröhre duftet!

15.03.2004

Montag, 15. März 2004

Montag, 15.03.04 – An und unter Deck ist alles gelb, weil meine Mannschaft 120 Quadratmeter knisternde Spinnakerseide ausgebreitet hat und meint, so irgendwie Ordnung in diese Unmenge Tuch zu bringen. Dieter versucht im Cockpit, Kopf und Bergeschlauch in Linie zu bringen, und Wolfgangs Kopf taucht im Salon ab und zu zwischen den bunten Falten auf, wobei er krampfhaft bedacht ist, keines von den Lieken loszulassen, um so unverdreht bei Hals und Schothorn anzukommen! (Hals, Kopf und Schothorn sind die Ecken eines Segels, Lieken die Kanten!)
Als der Blister dann aber wieder in alter Pracht und unvertüddelt aufgebläht vor meinem Mast hängt, da freut sich eine Delfinschule so sehr, dass die akrobatischsten der Außenbordskameraden Dreifachsalti mit Schrauben springen!

16.03.2004

Dienstag, 16. März 2004

Dienstag, 16.03.04 – Mit dem ersten Tageslicht liegt die Aden-Halbinsel mit dem charakteristischen „Elephant Back“ an Steuerbord querab. Neben der schweizerischen „Batida“ mit Giselle und Walter fällt dann kurze Zeit später mein Anker, und Walter spielt Chauffeur für meine Crew, die für den kurzen Stopp in Aden das eigene Beiboot nicht extra aufpumpen will. Und einen Steg für Yachten gibt es nicht. Die Zollformalitäten sind schnell und unbürokratisch erledigt, was auch daran liegt, dass das Land so arm ist, dass es nicht einmal vernünftige Formulare gibt, und dafür hat normalerweise ja noch der pleiteste Inselkönig Geld! Dieter muss ein Passbild machen lassen, das ist mal was Neues!
Beim Einkaufsbummel auf dem Markt findet Wolfgang dann alles, was an Obst und Gemüse ausgegangen ist, auch frisches Brot gibt es. Die Menschen sind unheimlich hilfsbereit, beim Mittagessen in einer kleinen Garküche gesellt sich immer irgendwer zu den beiden Bleichgesichtern, das macht Spass! Und, kaum zu glauben, ein Internetcafé und gute Telefonleitungen gibt es dann doch, dieses Logbuch liest sich lustig, weil alle deutschen Sonderzeichen (ä,ö,ü…) auf den arabischen Computern anders belegt sind! Lauter komische Kringel!!!
Weitere Eindrücke vom Stadtbummel: Die Autos, besonders die Taxen, sind die größte Ansammlung mobilen Schrotts, die man sich vorstellen kann. In der Mittagspause liegen die Männer auf der Straße herum und kauen mit dicken Backen leicht berauschende Kat-Blätter. Die erwachsenen Beduinen aus dem Norden tragen stolz ihren Krummdolch, und noch stolzer ihre Automatikpistolen im Gürtel. Als erwachsen gilt man offensichtlich mit dem ersten Bartflaum, halbe Kinder mit großkalibrigen Waffen hantieren zu sehen, ist dann doch recht ungewohnt. Die Frauen gehen alle (bis auf die Bordsteinschwalben im sog. Yachtclub, wobei die es nötig hätten… ) verschleiert. Und man raucht am Nachmittag gesellig und gemütlich eine Wasserpfeife, Wolfgang wird rückfällig und raucht ein paar Züge mit!
Auf der „Batida“ klingt der anstrengende Tag dann geruhsam aus, Lisa und Bill von der „Apollo“ erzählen noch ein Weilchen von ihrem Landausflug und dann fallen meine Beiden müde in die Kojen und können nach 1880 Meilen und 16 Tagen auf See endlich mal eine ganze Nacht durchschlafen.

17.03.2004

Mittwoch, 17. März 2004

Mittwoch, 17.03.04 – 123 Liter Diesel werden an der Tankstelle aufgefüllt, da haben die meisten anderen Yachten mehr auf dem Weg vom Oman (und nicht von Male/Malediven!!!) bis hierher verbraucht! Nach dem Ableger werden dann auch sofort wieder die Segel gesetzt, zur Belohnung für umweltfreundliches Fahren hängt Poseidon (oder war es Nereus, mythologisch mein Papa?!) einen kleinen Seehecht an die Angel. Ein bisschen grätig, aber prima zum frischen Salat! (Wo der wohl hier wächst? Man sieht nur Wüste!)

18.03.2004

Donnerstag, 18. März 2004

18.03.2004Donnerstag, 18.03.04 – Noch im Dunkeln, um 04.00 h in der Frühe, stecke ich meinen Bug in der Meerenge Bab al Mandab in das Rote Meer. Damit sind die Ozeanpassagen vom „Kurs West“ abgeschlossen, denn das Rote Meer gilt als Binnenmeer. Obwohl es für uns sicherlich nochmal eine Prüfung wird, denn der Wind wird wohl unweigerlich weiter nördlich gegen uns drehen. Aber die endlosen Weiten, die sind abgesegelt. Schade irgendwie. Mit zwei Knoten Schiebestrom, noch Rückenwind und sechs Kilo Dorade an der Angel heisst uns das Rote Meer aber freundlich Willkommen, vor Mocca gibt es die wohl passendste Kaffeepause der ganzen Reise, und damit ist der Tag auch schon fast wieder herum. Nachts gibt es wieder Meeresleuchten wegen der nach Heu riechenden Algenblüte!

19.03.2004

Freitag, 19. März 2004

Freitag, 19.03.04 – Der deutsche Marinefliegerhubschrauber 8312 macht ein paar schöne Luftaufnahmen von mir, lieber Peter Struck, könnt ihr die Bilder bitte schicken?! Vor allem von dem Moment, wo mich die Rotorabwinde fast platt auf das Wasser gedrückt haben? Ansonsten sind die Jungs aber nett und zischen zum nächsten Opfer.
Langsam aber sicher dreht der Wind am Nachmittag nach Nordwesten, also gegen uns. Sind ja nur noch 1000 Meilen bis Hurghada… the battle may begin…

20.03.2004

Samstag, 20. März 2004

Samstag, 20.03.04 – Der Wind bleibt sowohl im Nordwesten als auch schwach. Meistens reicht es zum Segeln, manchmal nicht, dann wird motort. Gegen 14.00 h kommt ein kleines Fischerboot mit sechs Männern an Bord längsseits, die Besatzung hat kein Wasser mehr, also wird unser Notkanister rüber gereicht, die Fischer nehmen sich 15 Liter ab und verschwinden dann wieder in Richtung der Riffe vor der jemenitischen Küste. Nachts dann wieder Delfine und ein paar Frachter, als wir auf Backbordbug den Dampfertreck überqueren müssen.

21.03.2004

Sonntag, 21. März 2004

21.03.2004Sonntag, 21.03.04 – 105 Meilen sind wir in den letzten 24 Stunden gesegelt, aber nur 65 weiter gekommen. So ist das im Zickzack bei Gegenwind! Wenigstens nicht in Sturmstärke, wie wohl zur Zeit in Deutschland…
Eine Schwalbe und ein müder Bienenfresser (meint Wolfgang, aber der Biologie-Grundkurs ist eine Weile her…leider sieht man die schöne Haube nicht, die der Vogel immer nur ganz kurz aufgespannt hat) ruhen sich ein Weilchen aus, Dieter verknipst einen kompletten Film mit einer Delfinschule am Bug. Und ein Dutzend noch ärmlicherer Fischer als gestern in einem noch ärmlicheren Boot erbittet sich höflich Tee, Zucker und ein paar Zigaretten…

22.03.2004

Montag, 22. März 2004

Montag, 22.03.04 – Morgens sind wieder Delfine am Bug, mittags angelt meine Mannschaft einen schönen Barracuda, nachmittags befreit Wolfgang den Propeller von einem Büschel Seetang, am Abend kommen die Delfine so nah, dass man sie mit den Füßen berühren kann, und in der Nacht? Da sind alle sichtbaren Planeten sichtbar, und da der zunehmende Mond auch genau passend am Abendhimmel erscheint, wird man ihm bei seiner zunehmenden Reise entlang der Ekliptik (also der Planetenbahn!) zusehen können, wie er die Planeten einem nach dem anderen „besucht“. Jetzt, also am Anfang dieses schönen Himmelsspiels, steht er natürlich sonnennah beim Merkur. Den werdet ihr in Deutschlands Winterwetter kaum erkennen können, aber versucht es ruhig! Auf halbem Wege zwischen der Sonne und dem „Abendstern“ Venus, und zwar kurz nachdem die Sonne verschwunden ist!

23.03.2004

Dienstag, 23. März 2004

Dienstag, 23.03.04 – Delfine, leichte Brisen oder völlige Flauten, blaues Wasser, die morgendlichen Funkrunden…und der Skipper macht sich landfein, schneidet sich auf der Badeplattform die Haare und rasiert sich, denn es ist Ankunft in Port Sudan! Eine spannende Nachteinfahrt mit ein paar Riffen an den Seiten, und mit mehr Leuchtfeuern als auf den Seekarten verzeichnet. Der Hafen ist in den letzten Jahren erweitert worden, und die Seekartenberichtigungen sind eben nicht so schnell verfügbar. Mit Radar und elektronischer Seekarte ist aber sicheres Einlaufen kein Problem, kurz vor Mitternacht fällt mein Anker zwischen ein paar anderen Yachten im Westteil des Hafens vor dem Hilton.

24.03.2004

Mittwoch, 24. März 2004

Mittwoch, 24.03.04 – Ohne Agenten bekommt man den Papierkram hier nicht erledigt; um uns kümmert sich Ahmed, der lange Jahre in Berlin gearbeitet hat und prima deutsch spricht! Vier Stunden sind er und seine Freunde mit uns beschäftigt, danach sind wir einklariert, ausklariert, ich habe den Tank voll Diesel und eine neue Gastlandsflagge, und die Staunetze sind wieder voller Obst und Gemüse.
Bekannterweise sind die Menschen ja um so herzlicher, je ärmer sie sind. Und hier im Sudan sind die Menschen extrem herzlich und freundlich… und so legen wir mal wieder mit gemischten Gefühlen ab, wenigstens haben wir ein paar Leuten einen guten Tag beschert!
Draußen wieder Delfine, abends ist der Mond schon bei der Venus angekommen, und damit ihr mal was lernt, verrate ich hier den ultimativen Galateia-Planeten-Merkspruch: Mein (Merkur) Vater (Venus) Erklärt (Erde) Mir (Mars) Jeden (Jupiter) Sonntag (Saturn) Unsere (Uranus) Neun (Neptun) Planeten (Pluto)! Nur einfach so auswendig könnte Wolfgang sich die nämlich niiiemals merken!!!

25.03.2004

Donnerstag, 25. März 2004

Donnerstag, 25.03.04 – Es brist auf. Um 09.45 h wird die Rollgenua eingerollt und die Starkwindfock vorgeheisst. Und um 15.00 h kommen zwei Reffs ins Groß. Der letzte Logbucheintrag des Tages: „NNW 5, Seegang 4“ Von der Seite oder von achtern wäre das ja prima Segeln, aber von vorne…

26.03.2004

Freitag, 26. März 2004

Freitag, 26.03.04 – Herzlichen Glückwunsch zum 18. Geburtstag, lieber Marlon! Kann sich mein Skipper mal wieder gar nicht vorstellen, dass sein Neffe schon volljährig ist!
Ab sechs Windstärken von vorne ist das Leben hier an Bord dann nicht mehr so richtig angenehm, und vor allem geht es nicht wirklich weiter, für die letzten 61 Meilen haben wir schon 105 durchs Wasser gebraucht und da waren Wind und Welle noch deutlich geringer. Aber zum Glück gibt es Marsas, das sind Buchten in der Wüste. Und um 13.50 h fallen meine Buganker (wegen des Windes alle beide!) in der Marsa Abu Imama. Der Ankerplatz ist „landlocked“, landumschlossen, das Meer ist nicht sichtbar, nur gelbbraune Hügel und Sand rundherum. An der Küste war noch ein Beduinenlager, aber hier ist nichts. Nur Sand. Und ein Schwarm Kraniche, wohl schon auf dem Weg nach Norden. Und ein Mann auf einem Kamel. Und sechs schöne Flamingos auf dem Riff backbord neben meinem Ankerplatz. Und Sand.

27.03.2004

Samstag, 27. März 2004

Samstag, 27.03.04 – Ein Tag Pause. Vom Gegenwind erzwungen, aber willkommen. Genau einen Monat lang sind wir drei jetzt ohne Pause unterwegs, denn die beiden Zwischenhalte in Aden und Port Sudan waren ja auch angefüllt mit Geschäftigkeit, mit Behördengängen und Bunkeraktionen. Und so ist meinen Menschen ein Liegetag ganz recht.
Zwei Fischer (es gibt doch Leben hier!!!) fragen nach einer Taucherbrille, und Wolfgang hat mal eine in Neukaledonien am Strand gefunden, die jetzt den Besitzer wechselt. Dieter dichtet die Salzwasserpumpe, mittags gibt es Pizza, Brot für die Weiterreise wird in den Ofen geschoben, und mal eine Runde schwimmen und längst vergessene Muskeln trainieren, das ist auch schön!!! Und das Riff erkunden: viele bunte Hartkorallen, Mördermuscheln, Röhrenwürmer und Fische, Fische, Fische. Unter Wasser ist hier jedenfalls keine Wüste!

28.03.2004

Sonntag, 28. März 2004

Sonntag, 28.03.04 – Dieter und Wolfgang schälen sich müde aus ihren Wolldecken, die seit Male das erste Mal zum Schlafen gebraucht werden. Kühle Wüstennächte! Und weniger Wind, also wird der Anker aufgeholt und mein Bug wird buchtauswärts gedreht. Am Eingang der Marsa winken die Beduinen nochmal herüber, beim Fotografieren des Kamels steuert mich Dieter in die Korallen neben dem Fahrwasser und fügt so noch den Erinnerungen an diesen Ort noch eine weitere, lustige hinzu, denn glücklicherweise rumpelt mein Kiel nur kurz und bleibt nicht wirklich stecken. Am lustigsten fand Wolfgang übrigens den Beduinen in seinem wallenden weißen Kaftan beim Anprobieren der Tauchermaske. Beduine, Wüste, Tauchermaske – unglaublich!
Mit schönem Wind kreuzen wir dann innerhalb des Riffgürtels in geschützten Gewässern nach Norden. Wunderbar, der Kontrast zwischen den leuchtenden Türkistönen der Korallenriffe vor den fahlen Farben der Wüste und des dunstigen Küstengebirges. Eine Makrele landet in der Pfanne und am Nachmittag ist der 22. Breitengrad erreicht. Ein Grenzzaun und ein Militärposten markieren die hier mal wieder willkürlich von den Kolonialmächten am Reißbrett gezogene Grenze zu Ägypten: der waagerechte Strich quer durch alle Stammestraditionen ist ein schönes Beispiel für die Probleme Afrikas!
Der Mond hat Venus und Mars im Stier überholt und steht jetzt neben Saturn in den Zwillingen, Tau fällt wie Regen aus dem Großsegel, eine ruhige Nacht beginnt!

29.03.2004

Montag, 29. März 2004

Montag, 29.03.04 – Heute nur Statistik: 3000 Meilen seit den Malediven und den Wendekreis des Krebses auf 23° 29′ N überquert, also können die Tropenhelme für die nächste Zeit wieder verstaut werden, denn ich schwimme von nun an in den sog. Gemäßigten Breiten.

30.03.2004

Dienstag, 30. März 2004

Dienstag, 30.03.04 – Ein Trawler kommt mal gucken und sorgt so mitten in der Nacht für Hektik, weil nicht so ganz klar ist, ob er ausweicht oder nicht, und einem Fahrzeug, dem nicht ausgewichen werden will trotzdem auszuweichen, das ist gar nicht so einfach! Klärt sich aber alles, kein Problem!
Der Sonnenuntergang nach einem gemütlichen Tag ist noch blasser als gestern, und Tau bildet sich auch nicht…

31.03.2004

Mittwoch, 31. März 2004

Mittwoch, 31.03.04 – … und der Dieseltank ist leer, was zu einer mitternächtlichen und etwas überflüssigen Filterwechsel und Motorentlüftungsaktion führt, und der Wind brist auf. Erst auf schöne drei Beaufort, dann auf vier, fünf und um 09.00 h auf gut sechs, knapp sieben Beaufort mit entsprechendem Seegang. Die Vorhersage war für fünf Knoten, das ist Windstärke eins! Und jetzt liegen wir hier im Starkwind, zwei Reffs im Großsegel, kleine Fock und frisch gewaschenes Vorschiff, alle paar Minuten!
Und um 14.00 h ist der ganze Spuk wieder vorbei, ein paar Delfine packen den Wind ein, das Rote Meer glättet sich wie weiland bei Moses, aber das war weiter oben beim Bittersee, hier ist es überall tief genug!