Seychellen im Juni 2010

Mittwoch, 16.06.10

Dienstag, 22. Juni 2010

Mittwoch, 16.06.10 Meine neue Crew gönnt meinem Skipper und mir noch so lange einen freien Tag, bis wir uns schon langsam Sorgen machen! Aber dann sind sie alle fünf da, meine „Mädels“: Sylvia Buhr, Monika Bloessl, Gerdi Bauerfeind, Rosi Stolle und Ursel Farrelly. Die fünf haben mal mit-, mal ohne einander ja schon Monate hier an Bord verbracht, da sage ich einfach nur: „Willkommen daheim!“ Beim Willkommensschluck an der Marinabar werden dann natürlich noch eben die wildesten Geschichten aus Maine, Samoa, Tahiti, Vanuatu, Thailand oder sonst wo erzählt, zur Einstimmung auf einen hoffentlich wieder mal wunderbaren Törn.
Apropos Törn: Der Törn von Madagaskar nach Durban ist noch ungebucht. Erstens ist das eine wunderbare, einmalige Strecke mit Natur und Kultur satt, und zweitens ist Einhandsegeln zwischendurch zwar mal ganz nett, aber toll ist es nicht. Ihr könnt uns doch nicht noch mal alleine lassen!

Donnerstag, 17.06.10

Dienstag, 22. Juni 2010

Donnerstag, 17.06.10 Besser heute Regen als morgen, wenn ja gesegelt werden soll. Beim Großeinkauf stört das Nass nur wenig, die netten Taxifahrer geben zwischendurch Nachhilfeunterricht in lokaler Geschichte und Politik, nur das Verholen auf einen Ankerplatz vor der Marina wird verschoben und durch ein kreolisches Abendessen im „Marie Antoinette“ ersetzt. Und das wiederum ist so lecker und originell, dass es auch schade gewesen wäre, hier nicht einzukehren.

Freitag, 18.06.10

Dienstag, 22. Juni 2010

Freitag, 18.06.10 Das Wetter ist leider immer noch nicht so, dass man unbedingt aus der Marina raus möchte, also wird viel Zeit beim Frühstück und unter der Dusche der Marina vertrödelt. Aber am Mittag darf ich meinen Bug dann doch ins freie Wasser stecken und ein paar Meilen bis hinter Sainte Anne segeln. Der erste Ankerplatz (Anse Cabot) ist zwar landschaftlich sehr schön, aber zum Übernachten etwas zu rollig. Macht nichts, hier auf den Seychellen liegen die Ankerplätze nah beieinander, um die Ecke herum liege ich prima geschützt an der Ostseite der Insel. Monika zaubert ein Ratatouille, da kommt das allen gut bekannte Galateia-Feeling auf.

Samstag, 19.06.10

Dienstag, 22. Juni 2010

Samstag, 19.06.10 Kleine Fock, ein Reff im Groß und Rauschefahrt hinauf nach Praslin, der zweitgrößten der Seychellen. Da leuchten die Steuerfrauenaugen, 25 Meilen in viereinhalb Stunden, und da sind die Ankermanöver schon eingerechnet! In der Anse (frz. für Bucht) Lazio liege ich in einer der Traumbuchten, auf die sich alle schon so gefreut haben: Sanfte, dschungelüberwucherte Hügel im Hinterland, rosa und grau schimmernde Granitfelsen am Ufer und dazwischen weißer Korallensand. Kitsch as Kitsch can. Zwischen den Palmen hat sich ein kleines Restaurant versteckt, eigentlich bewirtet man hier nur Tagesgäste, aber die Betreiberfamilie öffnet das Lokal am Abend noch einmal für meine Crew, sind ja auch ganz spezielle Gäste! Und die sind nach der leicht feuchten Dingianlandung sogar schon fast wieder trocken!
Das Highlight des Tages ist aber etwas ganz anderes, später beim Absacker in meinem Cockpit: Eine gewaltige, grün leuchtende, rotumrandete Monstermegasternschnuppe rast schräg über den nördlichen Sternenhimmel auf die Erde zu und entschließt sich erst im allerletzten Moment, doch nicht hinter mir einzuschlagen. So nah hatten wir das noch nie, da bleibt einem ja derart der Mund offen stehen, dass man das Wünschen vergisst!

Sonntag, 20.06.10

Dienstag, 22. Juni 2010

Sonntag, 20.06.10 Gleich wieder wegsegeln? Man müsste verrückt sein! Mit Higgins, dem Beiboot geht es wieder an den kleinen, fast brandungsfreien Strandabschnitt hinter meinem Heck, nach den gestrigen Übungseinheiten schon richtig gekonnt. Rosi und Monika wollen in die Hügel wandern, Wolfgang, Gerdi, Ursel und Sylvia schnorcheln lieber um die Felsen herum. Leider hat an diesem Sonntag ein ca. 12-jähriger Lausejunge schulfrei und nutzt die Abgeschiedenheit des Strandes und das Abtauchen meiner Crew zum Diebstahl von 70,- Euro und einer Sonnenbrille. Da hatten wir ja gar nicht mit gerechnet! Bei den sofort informierten Einheimischen herrscht große Betretenheit und auch die relativ rasch erscheinenden Polizisten scheinen es regelrecht persönlich zu nehmen. Ist überhaupt eher schade um die doch versaute Stimmung als um’s Geld. Naja…
Aber am Abend ist das Ungemach vergessen, Imier, ein gerade freier Touristenführer, organisiert ein Barbecue am Strand. Der gehört im Mondschein nur der Galateia-Crew, nur die Brandung, das Knistern der Kohle und zufriedenes Schmatzen sind zu hören. Und wieder lustige Geschichten aus aller Herren Länder.

Montag, 21.06.10

Dienstag, 22. Juni 2010

Montag, 21.06.10 Eine Delfinmama zeigt ihrem Jungen mal eben ein schönes, rotes Schiff und übersieht dabei, Rasmus sei Dank, die zahmen Fledermausfische und Schiffshalter, die sich immer an meiner Badeplattform tummeln. Die wollen wir noch behalten! Ursel erschrickt schon kaum noch, wenn sie an den Zehen knabbern!
Nur drei Meilen um die Ecke liegt die Insel Curieuse, die mal Lepra-Station war. Im „Doctor’s House“ lernt man viel über die wechselvolle Geschichte der Insel, aber die Hauptattraktion sind die über 300 Galapagos-Schildkröten, die hier geschützt aufwachsen. Allerdings auf der anderen Seite der Insel, aber schon die Wanderung alleine wäre den Stopp wert gewesen. Die Schildkröten wurden irgendwann einmal von Seefahrern als Proviant hergebracht, waren dann fast ausgestorben und vermehren sich nun wieder prima. Am liebsten lassen sie sich unter dem Kinn kraulen und recken dazu ihre Hälse lang aus den Panzern! Sehr lustig. Nur Wolfgang findet „Plume“, den „gefährlichen Schildkrötenwachhund“ noch lustiger und tollt mit ihm über die Wiese.
Zum Übernachten steuert mich Rosi ein paar Meilen weiter ins Lee von Praslin, ein großer Charterkat überlässt mir den Platz großzügig und bringt seine Gäste noch irgendwo anders hin. Da sind wir wieder alleine, auch schön.

Dienstag, 22.06.10

Montag, 28. Juni 2010

Dienstag, 22.06.10 Zwischen La Digue und Praslin weht der Südost-Passat frisch durch die Düse, die durch die beiden Inseln gebildet wird: Das Zweite Reff im Groß und der angenehme Seegang, der hier frei von der langen Dünung des Südindiks ist, sorgen für einen schönen Segeltag hoch am Wind. An den Isles de Coco wird gewendet, bei ruhigerem Wetter könnte man hier noch einen Schnorchelstopp einlegen, aber heute ist es zu windig.
Der kleine Hafen von La Digue hat noch reichlich Platz für mich, Rosi und Gerdi bringen die Achterleinen mit dem Beiboot aus, Wolfgang bedient den Anker und Sylvia fährt einen souveränen Achterausanleger. Für heute ist nur noch ein kleiner Dorfbummel geplant, aber der macht schon Lust auf morgen! Später am Nachmittag trudeln noch ein paar Charterkatamarane ein, und unser Nachbar an Backbord bläst seinen Generatormief genau in mein Cockpit. Wolfgangs freundliche Beschwerde nutzt nichts, Monikas auch nicht, die der anderen Skipper um uns herum auch nicht, lediglich der Applaus des kompletten Hafens, als der Stinker endlich abschaltet, scheint den arroganten Schnösel wenigstens aufzuregen. Da freut man sich als kleine, genügsame Weltumseglerin einfach über das effiziente Energiemanagement an Bord, hier ist es immer schön leise. Und trotzdem ist das Bier kalt.

Mittwoch, 23.06.10

Montag, 28. Juni 2010

Mittwoch, 23.06.10 Auf La Digue gibt es kaum Autoverkehr, perfekt für eine Fahrradtour. Start beim freundlichen Cappucino-Man nach dem Duschen, dann erst nach Norden an der Küste mit dem wilden Stränden entlang zum freundlichen Fruit-Drink-Man, dann  nach Süden in den Nationalpark mit den schönsten Fels- und Strandkombinationen der Seychellen. Wie von Riesenhand verstreut türmen sich die Granitgiganten übereinander und bilden Minibuchten voller Puderzuckersand. Mal wieder Kitsch as Kitsch can…Endstation ist wieder beim Cappucino-Man, der meiner Crew eine frische Papaya schenkt.
Die Sonne weist mir den Weg nach St. Anne auf Praslin, für die vier Meilen brauche ich am frühen Abend nur die Fock, bevor mir der freundliche Hafenmeister M. Robert eine Boje zuweist. Heute fährt Ursel das Manöver, M. Robert staunt. Der gute Mann weiß auch gleich den Busfahrplan für morgen, gibt Tipps zum Abendessen und macht so Lust auf die morgige Inselerkundung.

Donnerstag, 24.06.10

Montag, 28. Juni 2010

Donnerstag, 24.06.10 Der Bus fährt direkt ins Vallée de Mai, Weltkulturerbe, Palmenurwald seit Millionen von Jahren. Eine kundige Führerin erklärt die verschiedenen Bäume, am berühmtesten ist die Coco de Mer. Mit 22 kg produziert sie die weltgrößte Frucht, und mit 14 m Länge auch noch die weltgrößten Blätter. Da stellt man sich den Hobbygärtner vor: „Meine Coco de Mer keimt gerade, wir brechen schon mal die Decken vom ersten bis zum fünften Stock durch, damit das erste Blatt Platz hat! Jetzt sind es nur noch 25 Jahre, bis man sehen kann, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist, und wenn dann nach weiteren sieben Jahren die erste Nuss gereift ist, haben wir noch mindestens weitere 500 Jahre Spaß mit dem Pflänzchen!“
Zum Abendessen folgt meine Crew der Empfehlung eines einheimischen Mädchens und speist vorzüglich und fast privat und echt creolisch. Adresse wird nicht verraten, Geheimtipps müssen geheim bleiben.

Freitag, 25.10.06

Montag, 28. Juni 2010

Freitag, 25.10.06 Es  hätte eine tolle Überfahrt im Passat nach Mahe werden können. So ist es bei Regen und schwachem Wind nur eine Überfahrt. Wenigstens der Ankerplatz vor Glacis ist reizvoll und entschädigt für die ungewollte Dusche.

Samstag, 26.06.10

Montag, 28. Juni 2010

Samstag, 26.06.10 Nur wenige Meilen weiter südlich liegt die Anse Mayor. Einsam bis auf ein paar Tagesausflügler, mitten im Naturpark gelegen, wunderbare Unter- und Überwasserwelt. Ein Adlerrochen und Kalmare begleiten die Mädels beim Schnorcheln, Flughunde ziehen am Himmel vorbei, und drei Kadetten von der Fregatte „Hessen“ auf Landgang kommen zu Besuch. Schön, dass die Bundeswehr mit Deutschlands modernstem Schiff Reklame für Blohm und Voss fährt…

Sonntag, 27.06.10

Montag, 28. Juni 2010

Sonntag, 27.06.10 Wieder eine dieser Buchten, aus denen man nicht wirklich weg will. Zumal es Pfannkuchen zum Sonntagsfrühstück gibt. Aber da locken ja noch weitere Buchten, die Bucht von Port Launay, dahin muss man nur um Isle Conception herumsegeln, und das macht Spaß. Anders als im Hafenhandbuch beschrieben gibt es hier allerdings nun ein supermodernes, aber schön in die Landschaft eingefügtes Hotelresort. Und drei Carettschildkröten, die kontrollieren, ob mein Anker hält. Hält. Christian, ein heranpaddelnder Salzburger, der mich aus dem Internet kennt und sich freut, mich mal leibhaftig zu sehen, verrät, dass die Bar eine Leinwand für die Übertragung der Fußball-WM hat, und da gratulieren wir der Nationalmannschaft mal recht herzlich zum 4:1 gegen England. Naja, 4:2, gerechter Ausgleich für Wembley ’66!

Montag, 28.06.10

Montag, 05. Juli 2010

Montag, 28.06.10 Eine englische Familie hat Schwierigkeiten mit dem Außenborder ihres Charterkat-Beibootes und Wolfgang rückt mit Higgins zur Rettung aus. Ohne Paddel driften die Tommies nämlich hilflos zwischen den Korallen umher, und England hat Hilfe, Trost und Zuspruch ja zur Zeit bitter nötig.
Danach locken uns zwei Delfine aus der Bucht, und eine gute Stunde später bin ich schon am nächsten Ankerplatz. Das schönste zum Schluss: Anse Jasmin gehört nur uns, unzugänglich von der Landseite her, weißer Strand und wieder wunderschöne Granitformationen drumherum – und unter Wasser das pralle Leben.
Am Abend stört kein Streulicht den Sternenhimmel, und mit etwas Glück könnt ihr auch in Deutschland die Venus, darüber Mars und dann Saturn in einer seltenen Kombination aufgereiht unter dem Löwen bestaunen.

Dienstag, 29.06.10

Montag, 05. Juli 2010

Dienstag, 29.06.10 Prima Segelwetter tröstet darüber hinweg, dass das nun schon wieder die letzten Meilen eines Törns sind. Bis auf die letzten Meter wird das Fahrwasser hinauf gekreuzt, nur die Marinaeinfahrt schiebt mich der Motor ein paar Kabellängen hinauf. Weil am Superyachtsteg gerade neue, noch dickere Stromkabel gelegt werden, bekomme ich erst morgen Landstrom, macht nichts, richtige Superyachten sind ja stromunabhängig und haben ein Solarpaneel steuerbord achtern! Weil außerdem schon wieder Nationalfeiertag ist, haben die meisten Restaurants geschlossen, aber im „Pirate Arms“ spielt sogar eine Liveband, und so steht dem zünftigen Törnabschlussdinner nichts im Weg.