Von Havanna nach Isla dela Juventad – Januar 2001

18.01.2001

Donnerstag, 18. Januar 2001

Donnerstag, 18.01.01 – Alleine der Großeinkauf ist eine ganze Geschichte für sich, vor allem das Gemüse vom Bauernmarkt… Am späten Nachmittag ist alles verstaut, die Küstenwache kontrolliert wie üblich die Kabinen nach blinden Passagieren, dann schleichen wir mit ganz leichter Brise die Küste entlang nach Westen in eine dieser sternbeschnuppten Nächte. Kreuz des Südens und so…

19.01.2001

Freitag, 19. Januar 2001

Freitag, 19.01.01 – Als Hemingway noch vom Cayo Paraiso aus auf Angeltour ging, da war die Insel noch doppelt so groß. Im Hurricane-Opfer-Teil (Westhälfte) versinkt heute mein Expeditionsteam (Thomas, Rainer, Rudi und Hans) knietief zwischen den Mangroven, die die Reste der Insel noch ein wenig zusammen halten. Leider überleben die Expeditions-Badelatschen die Aktion nur schwerstbeschädigt, Hans muss letztendlich zum rettenden Beiboot schwimmen, während die anderen ihre Fotoapparate krampfhaft in die Höhe halten…
Zur Stärkung gibt es den ersten fangfrischen Fisch (wieder ein großer Barracuda) der neuen Crew und Wolfgang vergeht das Lachen erst wieder, als sich nachmittags auf der Weiterfahrt zum Cayo Levisa zum ersten Mal sein Kiel in die Korallen bohrt. Da nützen auch die neuesten elektronischen Seekarten nichts, wenn die Dinger hier schneller wachsen, als der Berichtigungsdienst nachkommt!

20.01.2001

Samstag, 20. Januar 2001

Samstag, 20.01.01 – Anker auf und zurück zum Nassau Yacht Haven. Hier beginnen die üblichen „Leider-ist-der-Törn-zuende-Arbeiten”, tanken, aufklarieren, usw…
Wolfi kommt, skeptisch ob noch alles steht, dann beruhigt und so verabreden sich alle zum Cocktail und gemeinsamen Dinner. Eine letzte Nacht an Bord.

21.01.2001

Sonntag, 21. Januar 2001

Sonntag, 21.01.01 – Eine Kaltfront zieht durch, das gibt meinen Team Zeit, neue Leute kennen zu lernen, auf der Insel herumzuwandern, zu lesen oder mit dem Dinghi auf der Leeseite rumzudüsen.

22.01.2001

Montag, 22. Januar 2001

Montag, 22.01.01 – Und das gibt uns sogar Zeit, einen Landausflug ins Valle de Vinales zu organisieren. Chinesische Seidenmalereien sehen auch so aus: bizarre Bergformationen, viel Grün… für weitere Schwelgereien empfehle ich die handelsüblichen Reiseführer! Und viel eher Galateia-Kurs-West-typisch ist dann auch der kubanisch-deutsch gemischte Gesangsabend mit der weiblichen Hotelbandhälfte, nachdem alle anderen Gäste schon gegangen sind!

23.01.2001

Dienstag, 23. Januar 2001

Dienstag, 23.01.01 – Der Wind bläst weiterhin recht kräftig aus Nord, die Flachs sind weiterhin nur Zentimeter von meiner Kielsohle entfernt, aber am Nachmittag bin ich endlich auf der Außenseite vom Riff im 2000 m tiefen Golf von Mexiko. Reichlich Wasser für die nächste Nachtfahrt!

24.01.2001

Mittwoch, 24. Januar 2001

Mittwoch, 24.01.01 – Um das Cabo San Antonio zu runden ist der Nordwind ideal! So hat die schaukelige Nacht (bis zu vier Meter Seegang…) denn doch ihr Gutes. Als Willkommensgruß der Karibik (in die ich an eben jenem Kap meinen Bug stecke) beißt der nächste Barracuda und in der Bucht vor La Bajada landet er dann im Dampftopf (Wolfgangs ganzer Stolz – WMF, von Mama geerbt) sobald der Anker hält.

25.01.2001

Donnerstag, 25. Januar 2001

Donnerstag, 25.01.01 – Unterwasserparadies. Nur für uns.
Beim Schnorcheln den Mund nicht vor Staunen aufreißen! Kommt sonst Wasser rein!!!
Birgit, Rainer und Wolfgang bestellen für den Abend ein Strandpicknik bei Feli, Jose und Sori. Werden die drei es schaffen, die Reisetasche mit dem Topf voller Langustenschwänze, dem anderen Topf voller Reis, dem dritten Topf voller Bohnen und den beiden Töpfen mit Salaten am Küstenwachposten vorbei bis zum Strandlagerfeuer zu schmuggeln, wo sechs hungrige Segler schon warten und Wetten abschließen, ob das wohl klappt??!!
Klappt – und danach immer ein kubanisches Lied, während die Deutschen trinken, und dann ein deutsches, während die Kubaner trinken, und dann wieder ein kubanisches… bis Mitternacht…

26.01.2001

Freitag, 26. Januar 2001

26.01.2001

Freitag, 26.01.01 – Im Dschungel hinter La Bajada gibt es eine echte Piratenhöhle.
Zusätzlich zur Süßwasserquelle im Meer, deshalb waren die Piraten besonders gerne hier. Das steht im Buch „Gold und Galeonen“ (Bodo Müller, Edition Maritim, sehr toll!!!), welches wir gerade nachsegeln.
Allerdings steht da nicht, das man die Höhle mit der Weile offiziell mit einem Naturschutzparkführer besichtigen kann. „Unsere“ Kubaner versuchen meine Jungs (Birgit beschließt, den Tag ohne Männer an Bord zu genießen!) an den Wachen vorbei zu schmuggeln, was nur teilweise gelingt, weil in der Höhle (traumhaft, filmkulissenmäßig, kitschnah, Cesar Manrique Entwurf oder tatsächlich natürlich?) gerade ein „Offizieller“ mit zwei Münchner Mädels und einem Holländer rumkriecht (wörtlich, keine Pfade, weiter drinnen kein Licht, teilweise keine Kriechhöhe – und nur zwei kleine Taschenlampen für sieben Leute…)
Ganz „offiziell“ (weil der „Offizielle nämlich englisch spricht und sich außerdem tatsächlich in Flora und Fauna auskennt) wird dann noch eine Dschungelführung drangehängt, so kommen die fünf um fünf mit platten Füßen wieder an Bord an und segeln mich noch schnell an eine Pier mit Trinkwasseranschluss im fünf Meilen weiter südlich gelegenen Maria La Gorda. („Maria die Fette“ war übrigens auch ein Grund, weshalb die Piraten gerne hier waren, jaja, genau deshalb!!!)
Nach dem Bunkern werde ich an eine Boje gelegt. Rudi, Hans und Wolfgang plündern das Buffet in dem kleinen Tauchhotel und Birgit, Thomas und Rainer sind noch satt von gestern und essen nur ein paar schnelle Spaghetti an Bord.

27.01.2001

Samstag, 27. Januar 2001

Samstag, 27.01.01 – Da wäre es morgens um 04.30 h fast vorbei gewesen.
Mit mir.
Mit Kurs West.
Ein Wrack mehr an Kubas Küste…
Dabei hatte das alles erst noch eher komische Züge, als Rainer plötzlich „Hola?!“ durch den Salon ruft, weil er denkt, dass Einbrecher an Bord sind.
Das sind aber nur die Schritte von Hans, der den Echolotalarm als erster gehört hat und sich deshalb mal eben an Deck orientiert. Und dann sofort den Skipper weckt, der aber schon wach ist, weil nämlich mein Kiel den Grund berührt, und da reagiert er doch eher allergisch.
Die Boje ist abgerissen, und die Dünung aus dem Norden wirft mich auf den Strand. Ein paar Meter weiter östlich ragen die Reste einer alten Betonmole in die Bucht, wenn es mich dorthin getrieben hätte, dann wäre ich jetzt schon schwerst beschädigt.
Einfach den Motor starten und wieder ins tiefe Wasser fahren geht auch nicht, weil zunächst die Bojenreste (hauptsächlich die ca. 10 m lange Stahltrosse, denn die Boje ist am Grund ausgerissen!) geborgen werden müssen. Und was wir jetzt überhaupt nicht brauchen können, ist irgendeine Trosse im Propeller…
Mit der Weile liege ich quer in der Brandung… vorwärts oder rückwärts weg hier? – Vorwärts, das Ruder hart steuerbord, kräftig Gas, bis der Bug in die Bucht zeigt…
Ein paar kurze, endlose Momente später ruft Wolfgang dann das erlösende „Wir schwimmen wieder!“
Ein paar Minuten später fällt der Anker wieder vor dem Hotelanleger, noch ein paar Minuten später wickelt sich die Ankerkette um einen Korallenblock, wodurch kein Federweg mehr gegeben ist und nur Sekunden später ein Kettenschloss bei der 45- Meter-Markierung zerfetzt.
Nachts ist es etwas schwierig, sich ein korallenfreies Sandfleckchen zum Ankern zu suchen…
Ich treibe zum zweiten Mal.
Wenigstens sind sowieso alle wach, also wird der Zweitanker geworfen, bevor ich wieder strande…
Um 06.10 h serviert Birgit Kaffe und Tee. Tagsüber ist dann wieder Urlaub: herrlicher Sonnenschein, Rainer, Hans und Rudi suchen und finden den Anker, der Oberzöllner macht Dienst nach Vorschrift, weshalb die Schiffspapiere weggesperrt bleiben, weshalb wir nicht zur eigentlich geplanten Nachtfahrt aufbrechen, weshalb die Mannschaft an der Bar bei einer kleinen Jam-Session mitmischt…

28.01.2001

Sonntag, 28. Januar 2001

Sonntag, 28.01.01 – Zu schönes Wetter, das gibt es auch! In diesem Fall: Zu kräftiger Passatwind.
In Verbindung mit dem Nordäquatorialstrom, der sich auch um das Cabo Frances windet, bremst uns das auf zwölf Meilen in sieben Stunden. Wobei wir über 40 Meilen zurücklegen, hin und her und zick und zack… und in 90 Minuten den ganzen Luv-Weg wieder verschenken, den wir kehren um.
Und liegen um 19.00 h wieder vor der Hotelpier vor Anker.

29.01.2001

Montag, 29. Januar 2001

Montag, 29.01.01 – Hier ist es traumhaft schön, das darf man ja nicht vergessen. Weißer Sandstrand am Ufer, Korallenriffe zum Schnorcheln, eine nette Strandbar, frische Fische an der Angel, nette Ankernachbarn (Paul und „Antje“ aus Holland kommen zum Abendessen vorbei) – und weiterhin „zu schönes“ Wetter!

30.01.2001

Dienstag, 30. Januar 2001

Dienstag, 30.01.01 – Rudi und Hans reisen ab, weil sie den letzten Tag in Havanna verbummeln wollen. Und Wolfgang telefoniert, was das Zeug hält, um die nächste Crew hierher zu lotsen!

31.01.2001

Mittwoch, 31. Januar 2001

Mittwoch, 31.01.01 – Und ganz zum Schluss wird es dann noch mal spannend. Wegen der Dünung am Anleger.
Beim Wasser- und Dieselbunkern. Eieieiei… aber ohne Schäden, nur Birgit klemmt sich kurz, aber folgenlos die Finger.
Und dann ist sie weg, die Havanna-Crew!
War ein echter Seeräuber-Abenteuer-Urlaub! Ein bißchen Erholung wäre jetzt ganz nett, sagt der Skipper….
Stephan Heinemann aus München bringt jedenfalls schon mal eine Wetterberuhigung mit, deshalb erledigen die beiden den lästigen Behördenkram und gehen auch noch Nachtfahrt in Richtung Isla de la Juventud, wo Gerdi Bauerfeind wartet.
Unterwegs: Flaute am Cabo Frances. Birgit, das glaubst Du nicht, wie das hier draußen auch aussehen kann!!