Von Isla dela Juventad nach Isla dela Juventad – Januar 2001

01.02.2001

Donnerstag, 01. Februar 2001

Donnerstag, 01.02.01 – Und nach einer völlig unspektakulären, fast komplett motorunterstützten, ruhigen Überführung erreiche ich mit Wolfgang und Stephan das Hotel Colony, wo Gerdi schon mit einem Haufen Gemüse auf der Mole steht und sich auf ihr Zuhause freut, schließlich war sie schon vier Wochen lang von Boston bis Baltimore hier an Bord! Und damit bin ich sowas wie ihr Haus, zumal sie seitdem nur auf Reisen war.
Sagt sie jedenfalls.
Und das freut mich!

02.02.2001

Freitag, 02. Februar 2001

Freitag, 02.02.01 – Nach dem üblichen Behördenkram, nach einer Zeichenstunde für den Franzosen vor uns, der keine Seekarten für Mexiko hat, und mit zwei geschnorrten Gallonen Sprit für das Beiboot im Gegenzug für Wasseradapterverleihen an die Riesenmotoryacht hinter uns legen wir ab.
Zum Üben für die jetzt komplette neue Crew wird die Segelgarderobe ständig gewechselt: Zuerst Großsegel und Fock, dann bei nachlassendem Südwind der Blister, dann wieder Groß und Fock, dann nur noch Groß bei auffrischendem Nordost.
Und dann wieder alles bergen, weil wir in der Bahia de los Barcos ankern. Direkt neben Paul und „Antje“ von der „Shaula“, die wieder zum Essen vorbeikommen, denn es gibt frischgefangene „Spanische Makrele“ im Gemüsebett-lecker! (Bier ist mitzubringen!)
„Antje“ heißt übrigens gar nicht „Antje“, sieht aber genau so aus, weshalb niemand an Bord sich ihren eigentlichen Namen merken kann!

03.02.2001

Samstag, 03. Februar 2001

Samstag, 03.02.01 – Aus diesem wunderschönen Naturhafen hinaus, und dann Kurs Ost. Eine schöne Kreuz auf flachem Wasser (nie über 5 m!). Bis zum Cayo Grande, da fällt der Anker in völliger Einsamkeit.

04.02.2001

Sonntag, 04. Februar 2001

Sonntag, 04.02.01 – Bis zum Cayo Rosario sind es über 50 Meilen, also legen wir früh ab. Und noch so eben im Hellen fällt der Anker wieder.
Wieder einsam.
Nur die nächste Makrele leistet meiner Crew Gesellschaft. Und zwar „demi crue“, also nur kurz mit Knoblauch angebraten, dazu Kartoffelgratin und den letzten Rotwein.

05.02.2001

Montag, 05. Februar 2001

Montag, 05.02.01 – Nordwind, vier Beaufort, glattes Wasser, immer knapp außerhalb der Riffkante mit Kurs Ost zum Cayo Largo.
Traumhaft.
Zur Abwechselung mal wieder ein Barracuda an der Angel.
Beim Ankermanöver hinter der Cayeria Los Majaes kommt ein deutsches Pärchen im Beiboot längsseits, weshalb vorführeffektmäßig das Ankermanöver ausnahmsweise nochmal gefahren werden muß. (Wolfgang schmeißt den Zweitanker exakt auf den Erstanker, weshalb beide nicht halten. Und auch gar nicht halten können. Das muß man aber erstmal schaffen!!!)
Zum Trost gibt es den Barracuda mit Gin-Pfeffersoße im Reisrand!

06.02.2001

Dienstag, 06. Februar 2001

Dienstag, 06.02.01 – Dienstag, 06.02.01

Stephan und Gerdi erkunden die Strände der Cayos mit dem Beiboot, und Wolfgang geht bei Renate und Uli auf der „Men Goe“ zum üblichen Seekartentausch: Diesmal das Hafenhandbuch von den Bahamas gegen eines von Panama und ein paar kopierte Seekarten. Und damit ist der Tag auch schon wieder fast verbummelt.
Bis in die funkelnagelneue Marina auf Cayo Largo sind es ja nur noch zwei Meilen, die motoren wir am Nachmittag, damit der Sundowner nach dem Behördenkram noch gemütlich an der Bar gesüffelt werden kann…

07.02.2001

Mittwoch, 07. Februar 2001

Mittwoch, 07.02.01 – Hafentag: Dhingi-Tour, Wäsche waschen, Leute kennenlernen, …
ach, und Wolfgang lässt sich in der Open-Air-Außenborder-Werkstatt von der Putzfrau des örtlichen Vercharterers die Haare schneiden – sieht nicht schlecht aus, sagt Gerdi!
Abends: „All inclusive“ – im Hotel Melia. Selbst die Drinks an der Bar nach (!) dem üppigen Buffet. Ein Gast wurde sogar gesichtet, wie er einen Stuhl wegträgt. Und von den Seglern wird berichtet, dass sie regelmäßig mit Plastiktüten bewaffnet das Käsebuffet räumen.
Meine Crew benimmt sich aber anständig. Eher sogar überdurchschnittlich gut, das übrige „all inclusive“-Publikum ist aber, was die Tischmanieren (trotz noblen Ambientes und tadellosen Essens!) betrifft, auch ziemlich leicht zu übertreffen…

08.02.2001

Donnerstag, 08. Februar 2001

Donnerstag, 08.02.01 – Eine kleine Meeresschildkrötenaufzuchtfarm will noch besichtigt werden.
Wolfgang lässt sein Visum am Flughafen noch einen Monat verlängern, die Zöllner verspäten sich, und so wird es 17.00 h, bis wir mal in die Pötte kommen, die Leinen losgeworfen werden und direkt vor der Marina-Einfahrt der Anker schon wieder vor dem Strand fällt.
Anstrengend ist das aber auch alles…

09.02.2001

Freitag, 09. Februar 2001

Freitag, 09.02.01 – Na heute aber mal wieder: 35 Meilen bis zum Cayo Rosario.
Der Passat weht kräftig, also reicht die Fock für eine herrliche Rauschefahrt zurück nach Westen. Eine Welle „rauscht“ leider bis in Gerdis Kabine, weil die Luke im Cockpit offensteht.
Ansonsten aber alles prima, Stephan hat leuchtende Augen am Ruder – nur ist der Spass um 16.00 h leider wieder vorbei, denn das Tagesziel ist erreicht.
Und dahinten liegt doch eine kleine Yacht mit großer holländischer Flagge?! Paul und „Antje“ (Yvonne heißt sie wirklich!) laden zum Sundowner auf die Shaula, danach gibt es großes Festessen hier an Bord: Gut, dass die Fischer vorhin zusätzlich zu den drei gekauften Langusten noch eine vierte hergeschenkt haben, zusammen mit den beiden Snappern von Paul und Antje reicht das für eine nette Völlerei (mit Reis, Kräuterbutter und Gemüseauflauf) unter dem Sternenhimmel.

10.02.2001

Samstag, 10. Februar 2001

Samstag, 10.02.01 – Auf dem Weg zum Ankerplatz „Aquardiente“ beißen zwei große Riffbarsche. Einer hat Glück (und darf weiterschwimmen), der andere bekommt Rum hinter die Kiemen und ein letztes Ruhebett aus Weißkohl in Kokosmilch, zusammen 45 Minuten gebacken, dazu einfach ein kühles Bier, nachdem sich die Mücken wieder in die Mangroven verzogen haben – wir liegen nämlich mitten auf einer kleinen Waldeslichtung, anders lässt sich das nicht beschreiben…
(Außerdem war es natürlich wieder ein herrlicher Segeltag bei Passat und blauem Himmel, auf der Riffinnenseite wieder Seegang „0 – 1“, muß ich das eigentlich jeden Tag neu schreiben?)

11.02.2001

Sonntag, 11. Februar 2001

11.02.2001

Sonntag, 11.02.01 – Cayo Campos ist ja nur sieben Meilen weit weg, aber so schön!
Die Logbucheiträge:
12.00 h: Motor an;
12.15 h: Fock gesetzt, Motor aus;
13.15 h: Fock geborgen, Motor an;
13.45 h: Motor aus, geankert.
Stephan und Gerdi düsen mit dem Beiboot los und Wolfgang „angelt“ mit einer halben Flasche Rum zwei schöne Snapper. Und weil die Fischer die Einladung zu einem kühlen Bordbier, zwei Kugelschreiber und eine Dose Tomatenmark gerne honorieren wollen, schmeißen sie noch schnell vier riesige Langustenschwänze in die Spüle.
Und keine Holländer (Nebenbei – viele herzliche Grüße an Swen, Ulla, Nick, Finn: Danke für die stete Post!) weit und breit- wer soll das alles essen!?
Nebenbei zieht am Ufer eine Horde Affen entlang, weshalb der neugierige Wolfgang doch noch mal an Land rudert und mit zwei Trinkkokosnüssen und ein paar Informationen zum Naturpark „Cayo Campos“ von den Parkwächtern, die eine knappe Meile weiter am Strand eine Station haben, zurückkommt.

12.02.2001

Montag, 12. Februar 2001

12.02.2001

Montag, 12.02.01 – Nach dem Ablegen, Segelsetzen etc. gibt es zur Stärkung also erstmal einen ordentlichen Langustensalat, frische Kokosnuss mit Rum…
Der „Golfo de Batabano“ ist auf dem Weg zur Isla de la Juventud nie tiefer als sechs Meter. Weißer Korallensand auf dem Grund malt eine Farbe, die den Unterschied zwischen Meer und Himmel verwischt.
Mittendrin im Blau schwebt ein weißer Rumpf mit rotem Streifen.
Der Blaue Planet… der ganz, ganz Blaue… sollte sowieso nicht „Erde“, sondern „Wasser“ heißen!
(Heute kein Fisch, sondern Süßkartoffelsuppe hinter Cayo Grande, Sundowner in der Hängematte und ein Erkundungsschnorchelgang zum Wrack da vorne. Habe ich euch die neue Hängematte eigentlich und überhaupt schon vorgestellt?!)

13.02.2001

Dienstag, 13. Februar 2001

Dienstag, 13.02.01 – Das letzte Mal für diesen Törn schnorcheln, schwimmen, faulenzen, Segel setzen, 12 Meilen später wieder bergen: Nueva Gerona ist erreicht. Nach dem üblichen Papierkram feiert meine Mannschaft bei Carlos Abschied, das heißt, eigentlich feiert nur Stephan Abschied, Gerdi bleibt nämlich spontan noch drei Wochen da! Carlos ist den fleißigen Logbuchlesern vielleicht noch ein Begriff vom letzten Jahr, da gab es das Tier zu Essen, was eigentlich verboten ist… heute gibt es aber „nur“ Languste bis zum Abwinken…

14.02.2001

Mittwoch, 14. Februar 2001

Mittwoch, 14.02.01 – Böses Erwachen: Obwohl ich hier bestens bewacht im Freihafen liege, hat in der Nacht jemand den Kartentisch leergeräumt.
Diebe an Bord, zum ersten Mal seit Beginn der Weltumsegelung!
410,- Dollar, 10,- DM, die Digitalkamera (leider keine Bilder vom nächsten Törn!), die kleine Ixus-Kamera, die halbe CD-Sammlung, eine Hose von Stephan – weg.
Der Rest des Tages ist deshalb ziemlich unerfreulich, wegen Behördenkram und so. Außerdem brütet Wolfgang über der Frage, ob es richtig war, den Niedergang unverschlossen zu lassen, das hat wenigstens verhindert, dass Schäden angerichtet wurden, war aber natürlich andererseits einladend.
Die Kreditkarte, alle Papiere, alle Navigations- und Kommunikationsgeräte hat der Dieb jedenfalls dagelassen, ein wenig Glück im Unglück also, und deshalb Grund genug für Gerdi und Wolfgang (Stephan sitzt um 15.00 h im Flieger nach Havanna, guten Flug – und bis nächstes Jahr!), abends ordentlich zu feiern…