Von Martinique nach St.Martin – Februar 2000

13.02.2000

Sonntag, 13. Februar 2000

Sonntag, 13.02.00 – Nach der Schiffs- und Sicherheitseinweisung, nach dem ersten Einkauf und nach Skippers Fährausflug rüber nach FdF zum Ausklarieren legen wir ab: Gemütliches Einsegeln auf Raumschotskurs und ein schöner Ankerplatz vor St. Pierre.
Das war mal die Hauptstadt von Martinique, bis dann Anfang des Jahrhunderts der Vulkan Mt. Pelé ausbrach und die Stadt bis auf einen einsamen Gefängnisinsassen vernichtete. Heute sieht der Berg aber ganz ruhig aus. Aber vielleicht war das damals genauso?!

14.02.2000

Montag, 14. Februar 2000

Montag, 14.02.00 – Der Passat bläst weiterhin kräftiger als normalerweise um diese Jahreszeit üblich, die Dünung aus Nord verursacht weiterhin Kreuzseen, weil die Windrichtung ENE ist. Ich bekomme die kleine Arbeitsfock und das zweite Reff im Großsegel als Garderobe, und dann geht die Post ab.
Seitdem gibt es in der Seefahrt eine neue Maßeinheit: Der Zeitraum zwischen zwei überkommenden Wellen heißt ab heute „ein Trocken“ (Kaum ist die Crew trocken – schon kommt der nächste Brecher….). Nach 55 hurtigen Meilen ankern wir im Norden von Dominica in der Prince-Ruppert-Bay, und selbst im Dunkeln bietet sich noch ein Taxiboot-Käpt’n für die Indian-River-Tour am nächsten Tag an.

15.02.2000

Dienstag, 15. Februar 2000

Dienstag, 15.02.00 – Albert heißt er, der Taxler, und er macht seine Sache prima. Sagt die Mannschaft wenigstens, ich durfte wegen meines Tiefgangs ja nicht mit in den Fluss.
Dschungel. Richtiger tiefster Dschungel! Mit Boa Constrictors und so, sagt Albert. Da bleibe ich doch gerne bei meinen Fischen am Ankerplatz! Als Ausländer findet man hier auf Dominica übrigens unheimlich schnell neue Freunde. Weil die Insel nämlich bitterarm ist…
aber manchmal macht das auch richtig Spaß und man gerät an die Richtigen: Judith (ziemlich drahtig und ziemlich pfiffig) überredet die Galateia-Crew zum original creolischen Abendessen. Es gibt Stockfischeintopf mit Brotfrucht und Salat, serviert mit zusammengeliehenem Besteck auf einem Tisch direkt an der Hauptstraße, gegenüber von ihrer Wohnung.
Das Essen ist dann auch irgendwie gar nicht der Höhepunkt des Abends, sondern die Gespräche mit den Einheimischen, die sich dazugesellen und mitfuttern und mittrinken und mitdiskutieren: Über den Einfluss der USA, über den Parteispendenskandal in Deutschland, über die Legalisierung von Mariuhana…

16.02.2000

Mittwoch, 16. Februar 2000

Mittwoch, 16.02.00 – Gisela, Manfred und Wolfgang fahren morgens mit einem Taxi über die Insel, besichtigen den Regenwald, das Caraibendorf, die Dörfer an der Ostküste, die Überschwemmungs- und Hurrikaneschäden und die Bananenplantagen, und der Rest der Mannschaft faulenzt an Deck.
Gesegelt wird dann auch noch: 18 Meilen bis zu den Isles des Saintes, herrliches Wetter, Raumschotsbrise, nur ein Wermutstropfen: Ernst hat seine mitgebrachte Grippe an Manfred weitergegeben, der liegt seit mittags mit Fieber in der Koje.
(Vielleicht hätte er sich doch von der „Buschdoktorin“, die beim Landausflug am Straßenrand Obst verkaufte, ein paar Hühnerkrallen um den Hals hängen lassen sollen!)

17.02.2000

Donnerstag, 17. Februar 2000

Donnerstag, 17.02.00 – Der schönste Blick auf Bourg des Saintes ist vom Cockpit aus.
Vor allem, wenn das Städtchen von den Touristen eines Kreuzfahrtschiffs überschwemmt wird. Nach kurzem Stadtbummel verlassen wir deshalb die Heiligeninseln.
Schön, aber auch ganz schön voll!
An der Südwestecke von Guadeloupe liegt eine kleine Marina, nach drei schönen Segelstunden tasten wir uns da vorsichtig (weil flach) rein, Astrid und Ernst kochen Hühnchen in Mandarinensoße, schon wieder ein schöner Tag um!

18.02.2000

Freitag, 18. Februar 2000

Freitag, 18.02.00 – So gegen Mittag bummeln wir los. Ungefähr auf der Hälfte der Westküste von Guadeloupe liegen ein paar winzige Inselchen, die Gewässer rundherum sind als „Custeau-Park“ Naturschutzgebiet.
Da machen wir ein Stündchen Halt, um die Fische zu bestaunen, die hier prächtig gedeihen, weil sie von den pausenlos Touristenströme herkarrenden Tauchbooten nämlich genauso pausenlos gefüttert werden. Aber schön zum Schnorcheln ist es natürlich zwischen den großen Papageienfischen und ihren anderen bunten Verwandten und Freunden!
Zum Übernachten verholen wir noch ein paar Meilen weiter bis nach Deshayes, das ist ein nettes, typisch französisches Dorf an der letzten Bucht der Westküste. Könnte aber auch irgendwo in Europa sein. Bis auf die Palmen und die Wassertemperatur…

19.02.2000

Samstag, 19. Februar 2000

Samstag, 19.02.00 – Bei ruhigem Wetter kann man zwischen die Riffe auf der Nordseite von Guadeloupe segeln und dort ankern. Nach drei Versuchsmeilen mit der kleinen Fock, zwei Reffs im Großsegel, sieben bis acht Windstärken direkt von vorne und bei drei bis vier Meter Kreuzsee beschließt Wolfgang, dass heute kein ruhiges Wetter ist.
Klar zur Wende, Ree, zurück nach Deshayes, allerdings mit Badestopp vor einem Traumstrand eine Meile nördlich von unserem Übernachtungsankerplatz.
Wobei sich das Umkehren als weise Entscheidung entpuppt: Erstens gibt es im Scheitel der Bucht eine Flussmündung, und im Flussbett kann man über große Findlinge durch den Dschungel bis zu ein paar kleinen Wasserfällen und einem herrlichen Badepool klettern! Wie im Paradies! Völlig einsam! Klares, kühles Süßwasser!
Alle Mann (Wolfgang, Ernst und Matthias) Hosen aus und rein! Zweitens lernen wir Norbert und Vera von der „Sturmvogel“ kennen und haben einen netten Klönabend bei mir im Cockpit.

20.02.2000

Sonntag, 20. Februar 2000

Sonntag, 20.02.00 – 43 Meilen sind es bis nach Antigua, also wird früh gefrühstückt und abgelegt.
Die Kreuzseen sind weiterhin unangenehm, aber der Wind hat bis auf fünf Beaufort nachgelassen und wir müssen auch nicht zu hoch an den Wind, so wird es eine anstrengender, aber vom Seglerischen her sehr schöner Tag.
Auch wieder mit einem wunderschönen Ausklang, denn wir ergattern einen der letzten Liegeplätze direkt an den historischen Gebäuden von Nelson’s Dockyard und treffen alte Freunde: Wolf und Ellen von der „Exorzist 2“ warten zwei Liegeplätze neben uns auf eine neue Seewasserpumpe für ihren Motor, und Christoph von der „Senorita“ bereitet sich und sein Schiff ein paar Meter weiter auf seinen (sehr frühen!) Rücktörn nach Europa vor.
Lustiger, langer Abend, logisch…

21.02.2000

Montag, 21. Februar 2000

21.02.2000

Montag, 21.02.00 – Die Mannschaft begibt sich auf Fotosafari auf Lord Nelsons Spuren.
Bei mir persönlich liegt der „English Harbour“ auf der List der schönsten Häfen auch ganz vorne: Alle Gebäude aus Britanniens goldenen Tagen sind wunderbar restauriert, werden aber weiterhin „schiffig“ genutzt: Segelmacher, Zubehörhändler, Zollamt, Kneipe… ein lebendiges Museum quasi!
Und wir mittendrin! Und (leider, leider… höhö!) ist es hier zu eng für die bonzigen Megayachten, die liegen nebenan im Falmouth Harbour mit wesentlich weniger Atmosphäre drumherum.
Was uns aber nicht hindert, am Nachmittag (nach einem Ablegemanöver mit Ankersalat, ging aber dann alles noch ganz gut…) da mal eben reinzutuckern und uns die „Endeavour“ (J-Klasse) und ihre millionenschweren Schwestern zu begucken.
Noch zwei Meilen weiter fällt dann der Anker in einer einsamen Bucht ( der jetzt ein Thunfisch fehlt, der liegt nämlich schon in der Pfanne!), so nah können Geschichte (Nelson’s Dockyard), Geld (Falmouth Harbour) und Natur (Carlisle Bay) hier beieinander liegen!

22.02.2000

Dienstag, 22. Februar 2000

Dienstag, 22.02.00 – Endlich mal ein Vor-Wind-Kurs: Von Antigua bis nach Nevis segeln wir unter Passat-Besegelung. Die Arbeitsfock wird an Stb, die Rollgenua an Bb ausgebaumt, das Großsegel bleibt unten.
In Charlestown fällt der Anker südlich von der Fährpier, nur der Stadtbummel muss auf morgen verschoben werden, weil heute wieder an Bord gegessen wird. Und zwar ein großer Barracuda, der mitten beim Segelbergen den Freitod suchte.
Guten Appetit zu acht dicken Kotellets!

23.02.2000

Mittwoch, 23. Februar 2000

Mittwoch, 23.02.00 – Der Stadtbummel wird nachgeholt, was sich lohnt. Charlestown ist einfach nett, nicht gerade der Nabel der Welt, aber mit netten Leuten (selbst die Zöllnerin in einer Lagerhalle und der Polizist mit der handgemalten Unfallstatistik), gemütlich halt!
Ungemütlich wird es erst am Nachmittag, weil wir auf dem kurzen Weg nach St. Christopher in ein Gewitter geraten.
Ein Gewitter. Mit Böen aus Nordwest. Im Februar. In der Karibik.
Unglaublich!!!!
Außerdem ist der Ankerplatz an der Nordwestecke von St. Christopher dadurch ziemlich rollig, aber das ist dann auch schon irgendwie egal…

24.02.2000

Donnerstag, 24. Februar 2000

Donnerstag, 24.02.00 – Und plötzlich ist es wieder schön. Mit einer derartig leichten Brise aus SSE, dass Wolfgang den Blister setzen lässt. Zumindest, bis der Wind dann ganz einschläft
(Im Februar! In der Karibik! Unglaublich!!!!).
Zum Trost beisst unterwegs ein „Cero“, das ist so ein Mittelding aus Thunfisch und Barracuda, ganz weisses Fleisch, sehr lecker, und kurz vor der Hafeneinfahrt von Gustavia auf St. Barthelemy noch ein kleiner Thunfisch. Das gibt Sushi als Vorspeise und Paella als Hauptgericht zum Nulltarif, was in Gustavia gerade recht ist, weil hier die High-Society nämlich die Preise fest im Griff hat.
Beim Kneipenbummel müssen Wolfgang und Matthias dann allerdings feststellen, dass die Damen und Herren Millionäre nur ihre Superyachten hier geparkt haben, ansonsten nicht da sind und ein ziemlich verschlafenes, wenngleich sehr schmuckes und gepflegtes Dörfchen hinterlassen haben.

25.02.2000

Freitag, 25. Februar 2000

Freitag, 25.02.00 – Traumwetter, Raumschotsbrise, leider nur noch 18 Meilen bis nach St. Maarten. Um 17.30 h wird die Zugbrücke zur Simson-Bay-Lagoon geöffnet, und wenige Minuten später liege ich in der Marina.
Über 400 Meilen hat mich die Mannschaft hierher gesegelt. Und das war gar nicht immer einfach, hat aber Spaß gemacht. Besser wäre natürlich gewesen, Manfred hätte nicht mit Grippe in der Koje gelegen, aber was hift’s! Das Trostpflaster folgt am Abend: In der Marina findet heute das Marina-Fest statt, mit Tanz, Freibier und Barbecue! Wird gleich umgewandelt zur Törnabschlussfeier!

26.02.2000

Samstag, 26. Februar 2000

26.02.2000

Samstag, 26.02.00 – So richtig viel Crewwechsel findet nicht statt.
Matthias bleibt nämlich noch zwei Wochen, und dazu kommt nur Hans Schneider aus München. (Noch freie Plätze bei den nächsten Törns! Für Mutige und Kurzentschlossene, es geht nach und um Kuba!!)
Hans kennt mich schon vom zweiten Kapverden-Törn, da kann sich der Skipper die Sicherheitseinweisung ausnahmsweise mal sparen. Die so gewonnene Zeit wird gleich zum Bunkern genutzt, per randvoll geladenem Dhinghi, das gibt Applaus von den Café-Gästen am Ufer, gelingt aber wider Erwarten trocken und sicher!
Das Abendessen wird schon wieder geschnorrt, diesmal bei Uwe und Sabine auf der „Waltzing Viking“ (ARC-Freunde), wer sagt da, dass St. Maarten teuer sei?!