Von Portorož nach Portorož

05.09.2004

Sonntag, 05. September 2004

Sonntag, 05.09.04 – Zum ersten Mal seit sechs Jahren schreibt Wolfgang „kleine Fahrt“ anstatt „große Fahrt“ links oben auf die linke Seite des offiziellen Logbuchs! Vierzehn Tage durch die Dalmatinischen Inseln bummeln, das ist ein schöner Epilog zur Weltumsegelung. Mein Skipper ist zwar vom Feiern ein wenig müde, aber ansonsten geht es uns beiden ja blendend! Bertrand kommt noch zum Frühstück, dann sind alle Partygäste abgereist, Leinen los zu neuen Abenteuern! Und das erste lauert gleich hinter dem Kap Savudria: ein Jet-Ski in Seenot! Rettungsmanöver einleiten, Leine werfen, das volle Programm. Aber das Abschleppen funktioniert nicht, deshalb funken wir die Küstenfunkstelle Rijeka Radio an und bleiben nur in der Nähe, bis professionelle Hilfe eintrifft. Rosi und Stephan haben auf ihrem allerersten Segeltörn ja gleich mal einen prima Einstieg!
In Porec freut sich Vera und legt ein paar extra große Exemplare auf die Fischplatte, Wolfgangs Kollege Gerald kommt später am Abend noch auf einen Absacker und ein paar Anekdoten ins Cockpit, das dauert auch wieder bis in den frühen Morgen…

06.09.2004

Montag, 06. September 2004

Montag, 06.09.04 – Leuchtende Gesichter hinter meinem Steuerrad, tolles Segeln bei kräftiger Bora! Ohne Seegang im Schutz der Istrischen Küste nach Süden bis in eine kleine, einsame, partyfreie, verschwiegene Bucht südlich von Rovinj, wo Stephan sein erstes Ankermanöver fährt und wo der Skipper trotz schöner Sternschnuppen um 21.30 h in der Koje verschwindet.

07.09.2004

Dienstag, 07. September 2004

Dienstag, 07.09.04 – Ein fast ausgeschlafener Wolfgang und meine putzmuntere Crew genießen ein wunderbares Frühstück im Sonnenschein, und dann gibt es genauso tolles Segeln bei genauso kräftiger Bora wie gestern! Leider kommen wir bei dem Wetter nicht bis über den Kvarner Golf, sondern nur bis in die Paltana-Bucht, wo der Skipper vorsichtshalber nochmal um 21.30 h in der Koje verschwindet…

08.09.2004

Mittwoch, 08. September 2004

Mittwoch, 08.09.04 – Der Wind passt, der Skipper ist ausgeschlafen, Leinen los, schnell noch ein ungewolltes Fender-über-Bord-Manöver und dann über den Kvarner! Erst mit einem Reff im Groß und kleiner Fock, und dann später mit schöner Vollzeugbrise bis nach Mali Losinj. Und da hat sich ausnahmsweise in den letzten sechs Jahren nicht viel geändert, oder besser: die wichtigen Eckpunkte sind die gleichen geblieben! In der „Mini-Marina“ (kleine Kneipe mit Dusche) kommt die Crew nicht umhin, vor der Dusche schnell ein Gläschen Wein zu verkosten, und bei „Ivanka“ serviert Ivanka weiterhin höchstselbst die beste Fischsuppe der Region! In der „Mini-Marina“ findet später eine kleine jam-session zu Ehren des Pianisten statt, was mich daran erinnert, endlich die Antwort auf die unendlich oft gestellte Frage „Wo war es denn am schönsten?!“ zu geben: Am schönsten war, ist und bleibt es immer da, wo man Freunde für ein schönes Fest findet! Heute also Mali Losinj! Tanzen, lachen, mitsingen, Absacker um 03.30 h in der letzten geöffneten, rappelvollen Bar.

09.09.2004

Donnerstag, 09. September 2004

Donnerstag, 09.09.04 – Alles Gute zum Geburtstag an Claudia in München!!!! Da haben wir hier schon wieder einen Grund zu Feiern….
Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also erstmal der Ableger, was nicht so einfach ist, ich bin nämlich zugeparkt! Aber mit einer Verholeleine zum Bug der Nachbarin klappt da mal wieder prima und in herrlichster Ruhe, Segel hoch, weiterhin Bora, Kurs Südost, Richtung Kornaten. Als der Wind am Nachmittag etwas nachlässt, übt meine Mannschaft sinnvolle (Palstek, Kreuzknoten…) und sinnlose (Honolulu-Knoten, Mäuseknoten) Seilverschlingungen, das macht auch Spass, die Zeit verfliegt!
Die Insel Skarda hat eine wunderschöne Bucht auf der Südseite, Muringbojen ersparen uns das Ankermanöver, Sterne, Stille, nur der Wind zerrt ab und zu böig in meinem Rigg…

10.09.2004

Freitag, 10. September 2004

Freitag, 10.09.04 – Rosi und Stephan planen einen maritimen Wohnungsumbau: Unter dem Küchentisch wird eine Koje eingerichtet, Sternentapete kommt an die Decke, das Schaukeln wird elektromechanisch gelöst! Den beiden scheint ihr erster Segeltörn zu gefallen…wir haben aber auch viel Glück, der Wind dreht heute auf Nordwest, Rückenwind, super! Im langen Kanal an der Ostseite von Dugi Otok natürlich kein bisschen Seegang, weiterhin strahlender Sonnenschein und in der schmalen Passage zwischen Katina und Dugi Otok ein wundervoller Ankerplatz. Wolfgang greift mal wieder zur Gitarre, Thomas spielt Bassbegleitung auf dem Didgeridoo, Stephan trommelt, Monika hat die Fussrasseln aus Vanuatu angelegt, Barbara singt und Rosi gehen vor lauter Sternschnuppen die Wünsche aus.

11.09.2004

Samstag, 11. September 2004

11.09.2004Samstag, 11.09.04 – Normaltouristenprogramm: Wanderung zum „Silbersee“, Fotos von den Klippen, Brotzeit im kleinen Restaurant zusammen mit Toni von „Tonis Supermarkt“. Das ist ein fünf Meter langes Bötchen, aus dem heraus Toni Obst, Gemüse, Eier, Wein und Käse verkauft. Gut, dass wir das alles brauchen!
Am Nachmittag segeln wir noch ein wenig nur so zum Spass und ohne wirklich Strecke zu machen zwischen den pittoresken Muschelkalkinseln hindurch. Hinter jedem Kap taucht ein noch schöneres Eckchen auf, wie von Geisterhand geschoben erscheinen Segel hinter Felsen, wo niemand eine Durchfahrt vermutet hätte, unglaublich! Und erst der Ankerplatz am Abend! Völlig abgeschieden, eingerahmt von weißen Felsen, und vom Hügel vor meinem Bug Aussicht über den ganzen Archipel aus über 200 Inseln im weichen Licht des Sonnenuntergangs…
Nach dem Abendessen gibt es Sternenkunde, in der Lichtleere der Inseln ist der Andromeda-Nebel mit bloßem Auge zu erkennen, unvorstellbare 2 Millionen Lichtjahre entfernt!!!

12.09.2004

Sonntag, 12. September 2004

Sonntag, 12.09.04 – Und weil der Sonnenuntergang so schön war, klettert der Großteil der Mannschaft (außer Barbara und Wolfgang) zum Sonnenaufgang auch wieder auf unseren Hügel! 200 Inseln der Archipels im weichen Licht…
Wir müssen wieder nach Norden, deshalb haben die Götter den Wind auf Süd gedreht. Das ist auch ziemlich unvorstellbar. Aber wahr! Vorgestern mit Schmetterlingsbesegelung (Großsegel und ausgebaumte Fock) hier runter, heute mit Passatbesegelung (Genua und ausgebaumte Fock) wieder rauf. Da klopft der Skipper mal auf Holz…
31 Meilen weiter nördlich, zwischen Molat und Ist, vor dem Örtchen Zapuntel hat die Gemeinde gute Muringbojen ausgelegt, das beruhigt in den heftigen Böen des nächtlichen Gewitters, das uns deshalb auch nicht weiter stört und mir schön das Deck wäscht.

13.09.2004

Montag, 13. September 2004

Montag, 13.09.04 – Trotz des Gewitters bleibt der Wind im Süden, der Blister zieht mich bunt und leise bis vor Osor. An der Brücke, die Mali Losinj und Cres verbindet, bekomme ich den Logenliegeplatz, die Mannschaft schlemmt Lammbraten und beschwippste Weichselkirschen in einer Konoba an Land, das lohnt sich in Osor besonders, denn das kleine Örtchen ist besonders liebevoll hergerichtet, und da wäre es ausnahmsweise mal eine Schande, an Bord zu bleiben. Bunte Blumen in allen Gässchen, schöne Skulpturen von verschiedenen Künstlern, aufwendig renovierte Kirchen und Häuser, ein Kleinod in der nördlichen Adria!

14.09.2004

Dienstag, 14. September 2004

Dienstag, 14.09.04 – Morgens um 09.00 h wird die Drehbrücke geöffnet, da muss ich hindurch! Aber auf der anderen Seite kann man wieder anlegen, so bleibt doch noch Zeit für ein Frühstück auf der mittelalterlichen Piazza und ein paar Fotos vom Dorf. Mit Südostwind geht es dann weiter nach Westen, zurück über den Kvarner-Golf bis in die Marina Pomer. Und da gibt es ausnahmsweise mal was negatives zu berichten, die Zimtzicke hinter der Rezeptionstheke macht nämlich Theater, weil Wolfgang (zugegebenerweise überflüssigerweise!!!) die Schiffspapiere in Porec liegengelassen hat! Logischerweise klärt sich alles nach ein paar überflüssigen Telefonaten auf. „Gut, dass Segler nicht so sind!“ denkt sich mein Skipper, und bei gebratener Leber im übrigens auch recht netten Ort Pomer ist alles schon wieder vergessen.

15.09.2004

Mittwoch, 15. September 2004

Mittwoch, 15.09.04 – Ziemlich hohe Dünung aus dem Süden wirft am Kap Kamenjak, also an der Südspitze Istriens hohe, spektakuläre Gischtfontänen in die Luft, die aber ansonsten unbewegt ist: Flaute! Macht nichts, unter Motor geht es ein paar Meilen nach Norden bis zu Dieters Geheimtippanlegestelle. Im Vorhafen von Pula hat das Militär nämlich eine riesige Schiffstankstelle stillgelegt, an der verschwiegeneren der beiden alten Bunkerpiers liege ich wie in einem Freilichtindustriemuseum zwischen gewaltigen Rohrleitungen, verrosteten Schiebern und Absperrhähnen, aber ansonsten mitten im Wald! Beim Spazierengehen gibt es alte Lagerhallen, verlassene Verwaltungsgebäude, leere Schaltkästen und lauter so Zeugs, das langsam von Ranken und Gräsern überwuchert wird, zu besichtigen. Mal wieder ganz was anderes!
Ein Schauer zwingt meine Mannschaft zum Abendessen ausnahmsweise unter Deck, das ist aber auch sehr gemütlich, die Petroleumlampe spendet warmes Licht, bis der Himmel wieder aufreisst und es von oben sternenhell und heute zusätzlich auch von unten leuchtet: Das vom Steg abtropfende Regenwasser „ärgert“ das im Meer befindliche Plankton, welches deshalb aufglimmt! Und schon spuckt meine Mannschaft um die Wette Leuchtpünktchen ins Meer, und Barbara schreibt mit der Heckdusche ihren Namen in die Dunkelheit!

16.09.2004

Donnerstag, 16. September 2004

Donnerstag, 16.09.04 – Gut, der freundliche wachhabende Offizier hätte uns auch noch eine halbe Stunde länger am Liegeplatz gelassen, dann wäre der Regenschauer noch über uns hinweg gezogen. So erwischt er uns mitten im Fazanski Kanal und bringt kräftige Bora! Das macht dann doch wieder Spass, zumal der Regen aufhört, die Bora aber bleibt! Ein paar Delfine auf Gegenkurs bestaunen uns, 8,8 Knoten stehen als Rekord auf der Logge, schon um 14.45 h liegen wir in Porec an der Muring! Reichlich Zeit für einen Besuch der Basilika mit den berühmten Mosaiken – und für ein Abendessen bei Vera im Turm…

17.09.2004

Freitag, 17. September 2004

17.09.2004Freitag, 17.09.04 – Die Bora bläst. Ganz leicht vor Novigrad, so richtig ab Umag, und dann so ganz richtig (sechs Beaufort gegenan!) ab dem Kap Savudria! Das Großsegel ist ja noch von gestern gerefft, aber vorne muss von Fock 1 auf Fock 2 gewechselt werden, und das ist bei zwei Metern Wellenhöhe schon eine echte Herausforderung auf dem Vorschiff! Macht aber riesig Spass, glänzende Augen trotz nasser T-Shirts bei Stephan, Barbara und Monika am Segel! Thomas souverän am Ruder, Rosi behält die Übersicht vom Heckkorb aus! Schade, dass der letzte Supersegeltag dann doch irgendwann am Liegeplatz in Portoroz zu Ende ist. Und damit auch der ganze Törn. Und damit auch der Epilog zum Kurs West. Und damit halt unser aller soooo grooooßes Abenteuer, der Kurs West.

18.09.2004

Samstag, 18. September 2004

Samstag, 18.09.04 – Aber nur vorerst! Denn heute werde ich noch schnell geputzt, und über Winter werde ich dann von Dieter und Wolfgang gepflegt und gehätschelt und poliert und weiter perfektioniert – und dann geht es wieder auf Große Fahrt, die Termine für das Schwarze Meer stehen schon auf der homepage: Der erste „Kurs West“ ist rum, es lebe „Kurs Ost“!
PS: Das Satellitentelephon wird natürlich erst wieder im Frühjahr aktiviert, deshalb funktioniert die Schiffs-e-mail bis dahin nicht. Wolfgang ist aber unter sygalateia@aol.com erreichbar! Und ein Handy will er sich für Deutschland auch noch zulegen, hoffentlich schaltet er das dann auch mal an….