Von Portoroz nach Korfu

01.04.2005

Freitag, 01. April 2005

01.04.2005Freitag, 01.04.05 – Hurra, ich schwimme wieder! Kein Aprilscherz!! Um 16.30 h setzt mich der
Kran der Marina in Lignano ins Wasser der Lagune. Ist das ein herrliches
Gefühl nach sechs Monaten an Land! Obwohl es an Land auch nicht schlecht
war, ich habe schließlich eine komplett renovierte Pantry, die
Kühlschränke sind neu, der Motor ist generalüberholt, mein Rumpf ist
poliert, die Toilettenpumpen sind ausgewechselt, ich bin neu verkabelt
und last but not least bin ich jetzt auch noch stolze Besitzerin eines
geruchsbelästigungsfreien Fäkalientanks. Ich bin quasi noch besser als
ich jemals war, Dieter hat viele kleine Wunder gewirkt, gegen die sich
Wolfgang nicht wehren konnte! Der Motorraum sieht jetzt aus wie ein
Operationssaal, das müsst ihr euch mal anschauen!! Schneeweiße
Schaltkästen und ein silbernes VW-Zeichen auf dem Zahnriemengehäuse
meines treuen Golf-Diesels!!!
Vielen Dank an alle treuen Leser, die sich zwischendurch nach meinem
Befinden erkundigt haben!
Mitten in der Nacht kommen Ursula (Skippers Mama) und Claudia (Skippers
Schwester) aus München angefahren und komplettieren den Weber-Clan mit
den Bordhunden Lipso und Ella, Claus Reissig spielt Chauffeur und freut
sich als erster und besonders willkommener Gast auf die ersten Meilen
mit mir.

02.04.2005

Samstag, 02. April 2005

Samstag, 02.04.05 – Martin Pallutt wird von Wolfgang an der Autobahn abgeholt, damit ist meine Mannschaft für den 20-Meilen-Törn nach Portoroz beisammen. Wobei lange diskutiert wird, wer den Schwarzen Peter bekommt und die beiden Autos über Land überführt. Claudia und Dieter beißen schließlich in den sauren Apfel und nach all der üblichen Hektik, die ein erster Ableger
nach so langer Standzeit mit sich bringt, dreht sich mein Bug dann so gegen 15.30 h aus der Marina heraus in die Lagune. Alles funktioniert prima, nur den Kloschlüssel hat mein Skipper abzugeben vergessen… Leichter Südwestwind zieht mich unter Fock und mit Motorunterstützung nach Osten, und auf der Höhe von Grado schwappt plötzlich Wasser in der
Bilge! Salzwasser, das hatte ich da noch nie!! Das Leck ist aber schnell gefunden, ist nur der Blindstopfen vom Loggegeber, der nicht so gut dichtet wie der Geber selber. Claus und Wolfgang philosophieren beim Lenzen darüber, ob das nun Pech war (wegen der entstandenen Arbeit) – oder Glück: In der Bilge findet sich nämlich noch eine übersehene
Palette Bier vom letzten Törn im September! Mit dem rasch eingesetzten Geber habe ich auch wieder eine
Geschwindigkeitsanzeige – und bin wieder dicht! Die Autos waren etwas schneller als wir, Dieter und Claudia warten schon
am C-Steg, und die geglückten ersten Meilen werden im „Laguna” gefeiert!

03.04.2005

Sonntag, 03. April 2005

Sonntag, 03.04.05 – Sonntagsfrühstück im Cockpit. Und irgendwie merkt man doch deutlich, dass Dieter und Wolfgang erstmalig ein bisschen aufatmen. Nach all der Arbeit in den letzten Wochen ist jetzt doch ein Ende abzusehen, nicht nur mir geht es so richtig gut! Portoroz ist für uns alle ja schon ein richtiges Zuhause, Brigitta und Tamara machen Dienst in der Rezeption,
der Wirt und die Kellner begrüßen meine Mannschaft mit Handschlag, selbst die Hunde genießen die vertraute Umgebung und verteidigen nebenbei meinen Stegabschnitt. Claus muss am Abend leider schon wieder abreisen, der Job ruft. Aber ich
freue mich schon auf ein Wiedersehen!! (Ein Bonmot von Brigitta darf ich nicht vorenthalten: Wolfgang: „Weißt du, Brigitta, heute ist ein ganz seltener Tag, das Datum ist 3, 4, 5, so eine Reihe gibt es nur einmal im Jahr, und genau diese sogar nur einmal pro Jahrhundert!” Darauf Brigitta: „Das ist ja prima, machen wir heute Abend Sechs, dann ist noch besser!! Erzählst Du mir morgen wie’s war!!”)

04.04.2005

Montag, 04. April 2005

Montag, 04.04.05 – Aber ein bisschen was gibt es natürlich trotzdem immer noch zu erledigen, Dieter verbringt zwei Stunden im Masttopp und baut die Umlenkrollen von Fock- und Genuafall aus, Claudia schrubbt den Schleifstaub von meinen Möbeln, Uschi putzt die Fender, Martin klariert die Backskisten und Wolfgang programmiert unter Anleitung eines slowenischen Profis den neuen Laptop.

05.04.2005

Dienstag, 05. April 2005

Dienstag, 05.04.05 – Wie gestern… aber alle sind mit Spass bei der Sache und erkennbar werde ich leerer und das Auto voller. Bandschleifer, Stichsäge, Industriestaubsauger, Poliermaschine, lauter so Sachen, die hier an Bord in den nächsten Jahren hoffentlich nicht mehr so viel benötigt werden…

06.04.2005

Mittwoch, 06. April 2005

Mittwoch, 06.04.05 – Zum Schluss wird es natürlich noch mal hektisch, weil es bei den Webers zum Schluss immer noch mal hektisch wird. Aber, zur Beruhigung an alle, die Dieter vor sechs Jahren von mir weg gezerrt haben: So schlimm ist es dieses Mal nicht! So gegen 17.30 h sitzen Uschi, Claudia und Dieter samt Ella und Lipso im Bulli und Wolfgang weiss mal wieder nicht, wie er sich
bei seinem Papa bedanken soll. Dann mache ich das hier eben: Tausend Dank, und du sollst einfach bei unserer nächsten Weltumsegelung überall dahin kommen, wo du bei der ersten noch nicht warst! Pünktlich zum Abendessen kommt Olga Blanco-Suarez an Bord, wir kennen uns schon vom Phuket – Sri Lanka Törn im Winter 2004. Martin hat mich
1999 mit über den Atlantik gesegelt, und im Jahr davor schon zu den Kanaren.

07.04.2005

Donnerstag, 07. April 2005

Donnerstag, 07.04.05 – Richard Pillinger aus Wien ist zum ersten Mal auf „Kurs West”, hat aber mit Wolfgang „Curieux JoJo” mal von den Balearen im Winter zurück nach Portoroz gesegelt. Da habe ich viel Erfahrung im Cockpit versammelt, prima! Willkommen an Bord!
Nachdem der erste Einkauf verstaut ist, folgt die obligatorische Schiffs- und Sicherheitseinweisung – und dann heißt es: „Leinen los!” Olga steuert mich aus der Box, im Golf von Piran werden Großsegel und Fock gesetzt, die Maschine wird abgestellt und die Götter bekommen den ersten Schluck als gutes Omen für eine schöne Reise. Die führt uns heute nach Porec, da kann Wolfgang ja nicht vorbei segeln, ohne sich von seiner „Patentante” Vera zu verabschieden. Die ist zwar traurig, dass wir wieder auf große Fahrt gehen, aber sie serviert am Stammtisch ein grandioses Abschiedessen, und ihr wisst ja, wie das bei
Vera im Turm dann immer endet… ein Gang reiht sich an den anderen, ein leeres Glas an das nächste, eine Erinnerung ergibt die folgende – und zum Schluss wird getanzt, die anderen Gäste sind da schon lange weg…

08.04.2005

Freitag, 08. April 2005

Freitag, 08.04.05 – Der Zoll hatte gestern beim Einklarieren noch geöffnet, aber der
Hafenmeister ist erst heute morgen da. Wolfgang hat reichlich Zeit, die
neue Gesetzgebung mit ihm zu diskutieren, denn der arme Mann muss alle Personendaten in den Computer eintippen. Wolfgang kennt den Kapitän aus der Zeit, als er hier fast jeden Sonntag mit einer BR-Schein Ausbildungsmannschaft den Papierkram des Grenzübertritts erledigt hat, so unterhält man sich freundschaftlich und gelassen, zumal wir ja hier
keinen (neuerdings verbotenen!) Crewechsel in Kroatien geplant haben. Jedenfalls verdreht der Hafenmeister auch nur die Augen, das sind wir mal gespannt, wie lange die neue Regelung Bestand haben wird… Der Wind hat auf Südost gedreht, aber zwischen den vielen kleinen vorgelagerten Inseln zwischen Porec und Rovinj macht das Aufkreuzen
Spass, denn der Seegang ist nicht hoch. Vera hat meine Mannschaft mit hausgemachten Nudeln und eingefrorener
Sauce Bolognese versorgt, die Richard noch verfeinert, dafür lässt man gerne den Kneipenbummel aus, am gemütlichsten ist es ja sowieso hier unter Deck im Salon. Eine neue Bekanntschaft haben wir auch, Wolfgang von der „Golden Tilla” will auf die Azoren und lädt zum kleinen Sundowner auf dem Steg ein.

09.04.2005

Samstag, 09. April 2005

09.04.2005Samstag, 09.04.05 – Der Vormittag fällt komplett ins Wasser. Es regnet waagerecht. Und zwar aus dem Südosten, da wollen wir ja eigentlich hin! Macht nichts, Wolfgang und Martin installieren endlich den neuen Rechner am Kartentisch (vielen Dank an Harald Krien für die Mühen!!! Das arbeiten wir ab!!), außerdem serviert die kleine Bar einen guten Cappucchino und am Nachmittag beruhigt sich das Wetter so weit, dass wir bis an die alte Dieselpier in Pula fahren können. Olga und Martin haben Fisch eingekauft, den gibt es mit Gemüse und Kartoffeln aus dem Ofen, der Liegeplatz ist super geschützt, Wolfgang liest aus „Käpt’n Blaubär” vor,
die Petroleumlampen verbreiten warmes Licht, ein schöner, kuscheliger Abend!

10.04.2005

Sonntag, 10. April 2005

Sonntag, 10.04.05 – Der Liegeplatz in der alten Militäranlage hat einen großen Nachteil: Vor lauter Windschutz merkt man nicht, wie stark der Wind wirklich ist. Die Vorhersage meldet Sturmwarnung bis 55 Knoten, aber meine Mannschaft beschließt, die Nasen mal in die Brise zu stecken. Und wir segeln deshalb tatsächlich ganze sechs Meilen weit. Dann hat mich die stürmische Bora zweimal fast platt auf das Wasser gedrückt, obwohl ich nur mit kleiner Fock und zwei Reffs im Großsegel „bekleidet” bin. Die Mannschaft steckt komplett in Ölzeug, Rettungswesten und Lifeleinen, das volle Programm. Sturmtraining, aber an die Überquerung der Kvarner Bucht ist bei dem Wetter überhaupt nicht zu denken, zumal die Bora noch sehr aus dem Osten bläst. Gesucht wird der sicherste Liegeplatz in der Umgebung, und das ist in der Marina Veruda. Dort reicht die Schräglage
in den Böen auch vor Achterleinen und Muringleine noch, um die Gläser auf dem Tisch rutschen zu lassen…Postkarten schreiben, prima kochen (Thai-Risotto aus Wildreis!), noch ein Kapitel aus dem „Blaubären” vorlesen (das Kapitel mit den Klabautergeistern passt prima zu den Sturmgeräuschen in meinem Rigg!) – und abwarten.

11.04.2005

Montag, 11. April 2005

Montag, 11.04.05 – Es stürmt. Und zwar so richtig. An ein Ablegen ist wieder nicht zu denken. Und an eine Überquerung der Kvarner Bucht schon gar nicht. Wir bleiben einfach hier und verbummeln den Tag. Reichlich Zeit, um groß aufzukochen (Thai-Curry aus Wildreis), meine Winschen zu warten, Wellness zu beschreiben (Olga verschwindet zwei Stunden in der Dusche!), Logbuch zu schreiben…

12.04.2005

Dienstag, 12. April 2005

Dienstag, 12.04.05 – Dafür geht es heute mit Sonnenaufgang los! Die Bora weht zwar weiterhin kräftig, aber mit zwei Reffs im Großsegel und der Starkwindfock mache ich aus den sieben Windstärken eine prima Rauschefahrt über den Kvarner! Nach drei Stunden sind wir im Lee von Mali Losinj, der Seegang beruhigt sich von vier auf zwei, die Sonne kommt heraus und der Tag wird
wundervoll. Unglaublich, wie schnell das Wetter sich hier ändern kann, im Velebitgebirge sieht man den Schnee, der gestern bis auf 200m Höhe herunter gefallen ist! Ein grandioser Anblick, der für die aktuelle Lufttemperatur wenigstens teilweise entschädigt. Der Wind lässt dann auch schnell nach, die Reffs kommen raus, die große Fock wird
angeschlagen und der Kurs geht weiter zwischen den vielen Inseln hindurch nach Süden. Delfine an Bug bringen uns Glück! Kurz vor Zut wird es dann dunkel, aber das ist ja nicht unbedingt ein Grund, um anzuhalten! Mit elektronischer Seekarte und Radar macht die „Blindnavigation” an den Kornaten entlang die Nachtfahrt zum Vergnügen. Dazu sternenklarer Himmel, perfekt! Naja, ein bisschen frisch…

13.04.2005

Mittwoch, 13. April 2005

Mittwoch, 13.04.05 – Bei Wachwechsel um 06.00 h segeln wir gerade auf die Insel Hvar zu, 144 Meilen in den letzten 24 Stunden! „Nach einem kalten Tag und einer kalten Nacht sind wir echte Seewölfe!” steht im Schifflogbuch, und das stimmt!
Passend für ein gemütliches Galafrühstück lässt der Wind dann etwas nach, um gegen Mittag aus dem Nordwesten wieder aufzufrischen! Backstagsbrise, Rückenwind! Zum ersten Mal in diesem Jahr baut meine Mannschaft die Passatbesegelung auf, meine Lieblingsbesegelung! Die Fock mit dem Spinnakerbaum nach Steuerbord, die Rollgenua nach Backbord und
das groß geborgen auf dem Baum, im Slalom durch ein paar große Thunfischschwärme, leider beißt keiner an der Angel! Und schwupps, sind wir in Korcula! Und genau hier liegen die Reste des Tiefdruckgebietes, das uns in den letzten Tagen so geärgert hat, denn bei der Einfahrt in den Korculanski Kanal haben wir noch Westwind, vor der Altstadt Flaute
und danach, bei der Ausfahrt aus der Meerenge zwischen Korcula und der Halbinsel Peljesac, Ostwind! Zwar nur noch mit einem Beaufort, so dass der Motor schieben muss, aber der Himmel bewölkt sich wieder und im Westen flackert Wetterleuchten. Trotzdem (und nach einigem Zögern vom Skipper) nutzt meine Mannschaft das relativ ruhige Wetter, gegen die
Kälte hat Keith Musto das gute Ölzeug erfunden, eine Teekanne nach der anderen verlässt die Pantry und kurz vor Mitternacht scheinen schon die Lichter von Dubrovnik am südlichen Horizont.

14.04.2005

Donnerstag, 14. April 2005

Donnerstag, 14.04.05 – Nach ziemlich genau 48 Stunden seit dem Ableger in Pula/Veruda legen wir kurz vor Sonnenaufgang in der Marina von Dubrovnik an. Gut 250 Meilen, ich habe gar keine Ahnung, was das für ein Problem sein soll, bei den
SKS-Törns 300 Meilen in einer Woche zu fahren… Meine Mannschaft legt sich verdienterweise noch für ein paar Stündchen
in die Kojen, dann gibt es ein großes Brunch im Cockpit zur Stärkung für den obligatorischen Rundgang durch die Altstadt von Dubrovnik – und dann geht es auch schon hinauf auf die gewaltigen venezianischen Stadtmauern
des ehemaligen Ragusa. Die Fotoapparate klicken um die Wette, die Videokamera surrt Band und Band, die Andenkenläden werden gestürmt und das Abendessen gibt es auch noch an historischer Stätte. Dubrovnik muss
man aber selbst erleben, deshalb mache ich hier Schluss mit der Schwärmerei, zumal ich selber ja mal wieder gar nicht mit durfte!

15.04.2005

Freitag, 15. April 2005

Freitag, 15.04.05 – Die schlechte Nachricht mal vorneweg: Der Wetterbericht für die nächsten
Tage ist kurz vor grauenhaft. Südwind so weit das Auge reicht. Wolfgang
surft auf dem Laptop am Kartentisch meilenweit durch das Internet, um
die Wetterlage zu verbessern, aber es hilft nichts. Leichter bis
mäßiger Südost für heute, stürmischer Südost für morgen, Südost auf
Südwest drehend für übermorgen und auch danach keine Chance für Nordwind. Tiefdruckbildung über der Adria… Die netten Franzosen von nebenan entscheiden sich, heute noch die Adria in Richtung Italien zu überqueren, meine Crew bunkert mich noch voll und dreht meinen Bug dann nach Südosten, an der Küste entlang in den Golf von Kotor. Natürlich
nicht ohne den kleinen Schlenker unter die Stadtmauern, da habe ich auch endlich meinen Teil vom Sightseeing! Von See aus lugt nur ab und zu ein Kirchturmspitzlein über die trutzigen Wehranlagen, erst mitten in der von riesigen Türmen beschützten alten Hafeneinfahrt öffnet sich der Blick in das Gassengewirr der Altstadt, wunderschön!! Mit (noch) ruhigem Wetter erreichen wir die Zollpier in Zelenika, die Einklarierungsformalitäten für Jugoslawien bzw. Montenegro werden rasch erledigt, und für die stolzen 100 Euro Gebühren gibt es wenigstens eine Gastlandsflagge als Willkommensgeschenk vom Hafenmeister. Zwei Meilen
weiter im Stadthafen von Herceg Novi findet sich ein Liegeplatz im Stadthafen für mich, Olga krönt den Tag und brutzelt Lammkoteletts an Rosmarinkartoffeln (mit frisch gepflücktem Rosmarin!).

16.04.2005

Samstag, 16. April 2005

16.04.2005Samstag, 16.04.05 – Mitten im Golf von Kotor, auf einer winzigen, im Lauf der der Jahrhunderte von den Seefahrern aus Perast Stein für Stein und Wrack für Wrack aufgeschütteten Insel steht die Kirche der Madonna vom Felsen. Es gibt einen einzigen Liegeplatz, den nehmen wir. Kirche und Museum sind leider geschlossen, bis eines der vielen von der Madonna bewirken Wunder
geschieht: Vier Frauen die einen Tourismuskongress vorbereiten, haben den Inselmeister aus Perast überredet, ihnen die Kirche zu zeigen. Und meine Mannschaft darf sich der Führung durch die Anlage anschließen! Hinter den Türen der Kapelle verbirgt sich ein Kirchenschiff, das diese Bezeichnung wirklich verdient, denn es sieht sehr nach Kapitänskajüte
aus! Über dreitausend silberne Votivtafeln erzählen von wundersamer Rettung aus Seenot oder von der Heilung von Skorbut und Wundbrand, viele Gemälde erinnern an Schiffbruch und Krieg auf See, Vasen und seidene Vorhänge sind Opfergaben aus China, ich kenne keinen anderen Ort auf der Welt, wo sich Seefahrt so fantastisch und fast schon mystisch
konzentriert! Für mich brennen hier jetzt auch zwei Kerzen, und eine Miniatur der wundertätigen Ikone vom Hauptaltar gesellt sich zum Heiligen Christopherus an meinem Kartentischschott. Hoffentlich vertragen sich die beiden! Ein paar Meilen weiter, ganz hinten im Eck zwischen den schneebedeckten Zweitausendern, die den Golf umranden, liegt Kotor. Und Martin legt mich
an die Pier. Damit liegen jetzt zwei Traumschiffe im Hafen, denn die MS „Deutschland” liegt hinter mir! Richard verzichtet in wienerischer Weisheit auf den Aufstieg auf die byzantinisch-venezianisch-östrreichischen Festungsanlage hinter der
Altstadt, aber Olga und die beiden anderen Jungs schnüren die Wandersandalen und erklimmen die Burg. Der Golf, Kotor, die
„Deutschland” und ich. Ausblick ohne Ende. Und jeden Schritt auf den siebenhundertmillionendreizehn (oder so…) Treppenstufen wert! Abends rockt die Jugend in den Gassen, aber zu mehr als einem gemütlichen Absacker lässt sich hier an Bord niemand mehr hinreißen.

17.04.2005

Sonntag, 17. April 2005

Sonntag, 17.04.05 – Erstmal „Leinen los!” und dann Frühstück. Bei Nieselregen… Aber bis zum Erreichen der offenen See hat es sich ausgeregnet, und bei schönem Südwestwind stört der bedeckte Himmel nicht wirklich. Kurs 165°, Delfine, die um den Bug spielen, den ganzen Tag lang eine schnelle Reise nach Süden. Über die Nacht muss ich leider einige Schauergeschichten erzählen! Der erste Schauer erwischt Richard und Wolfgang bei ihrer Wache und sorgt für mein erstes Reff im Großsegel. Der zweite Schauer ist ein veritabler Kaltfrontdurchgang mit Blitz und Donner und schweren Böen, die für mein zweites Reff im Großsegel sorgen. Wenigstens steigert Richard den Törngeschwindigkeitsrekord auf 9,2 Knoten.

18.04.2005

Montag, 18. April 2005

Montag, 18.04.05 – Dann folgen vier Stunden „Traumhafte Rauschefahrt” während Olgas und Martins Wache, bis um 02.20 h umlaufende Winde und die nächsten Schauer meinen Skipper zum Logbucheintrag „Scheiweta” zwingen. Zum Trost für Richard und Wolfgang erwischt der nächste Schauer dann doch Olga und Martin, und um die Schauergeschichten zu beenden regnet es auch noch
beim Anlegemanöver mittags in Otranto, wo dann alle zusammen nass werden… Die Franzosen aus Dubrovnik sind schon da, hatten aber am Samstag den Wind auf der Nase und haben Kotor nicht gesehen, da hat meine Mannschaft die bessere Route ausgewählt. Otrantos größte Schätze sind die mittelalterlichen Mosaiken in der Kathedrale und die kleine Trattoria hinter dem Fischmarkt, Antipasti bis zum Abwinken…

19.04.2005

Dienstag, 19. April 2005

Dienstag, 19.04.05 – Mal wieder mit Sonnenaufgang geht es hinaus auf die Adria. Aber wenigstens ist es ein Sonnenaufgang, denn die Wolken sind endlich wie weggezaubert! Direkt südlich von Otranto beginnt das Ionische Meer, und das begrüßt uns mit herrlichem Südwestwind, drei bis vier Beaufort, Halb-Wind-Kurs, Rauschefahrt nach Korfu! Erst in Lee der hohen Insel muss für kurze Zeit der Motor schieben, mit Sonnenuntergang erreichen wir die Engstelle zwischen Albanien und den griechischen Inseln, und um
22.00 h weist uns ein Matrose der Gouvia-Marina mit seinem Schlauchboot den Weg zu einem Liegeplatz und hilft meiner Mannschaft beim Anlegen. Super Service! Wolfgang fällt ein ziemlich dicker Stein vom Herzen, dass wir trotz der ganz schön widrigen Verhältnisse pünktlich wie die Maurer hier angekommen sind, und deshalb geht die Crew auch noch auf einen Ouzo
und ein paar Sardellen in die nächste kleine Taverne, auf diese Reise muss ja ordentlich angestoßen werden! 635 Meilen gegen den Wind, und dabei die Winddrehungen so gut ausgenutzt, dass wir tatsächlich nur ganz wenige Meilen echt aufkreuzen mussten!

20.04.2005

Mittwoch, 20. April 2005

Mittwoch, 20.04.05 – Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben! Und deshalb dürfen Oliver und Harald gleich beim Großreinemachen mithelfen, obwohl sie als Neuankömmlinge ja erst beim nächsten Törnende, also hoffentlich
in Athen, dran wären. Gut ist aber auch, dass die beiden schon den Großeinkauf erledigen können, das spart natürlich viel Zeit. Am Nachmittag verabschiedet sich Richard als erster. Passend zum Abendessen (und natürlich nach dem Putzen!) erscheint Claudia, Wolfgangs Schwester, mitten in der Nacht kommt dann das Taxi für Martin, der mit dem ersten Flieger den Heimweg antritt, Olga bleibt noch eine Woche an Bord.