Von Istanbul nach Izmir

15.09.2005

Donnerstag, 15. September 2005

Donnerstag, 15.09.05 – Man darf Istanbul nicht verlassen, ohne die Hagia Sophia, die Blaue Moschee, die unterirdische Zisterne gesehen zu haben. Und den Basar. Und ohne ein zweites Mal eine Wasserpfeife auf der Galata-Brücke zu rauchen!

16.09.2005

Freitag, 16. September 2005

Freitag, 16.09.05 – Man darf Istanbul auch nicht verlassen, ohne den Topkapi-Palast gesehen zu haben. Und seinen Harem!

17.09.2005

Samstag, 17. September 2005

Samstag, 17.09.05 – Irgendwann muss man Istanbul aber verlassen, wenn man noch nach Izmir segeln will! Nach der Schiffs- und Sicherheitseinweisung darf ich mich endlich auch mal wieder bewegen! Leinen los, raus in die Bucht, und unter Großsegel und Fock nach Süden! Auf Sivriada, der westlichsten der Prinzeninseln gibt es eine kleinen Hafen, obwohl die Insel heutzutage unbewohnt ist, keine Prinzen mehr, schade! Ein paar einheimische Yachten nutzen das schöne Wochenendwetter auch, aber ansonsten herrscht Ruhe und Frieden nach der Hektik der Millionenstadt. Der Skipper packt die Gitarre aus, Juan singt La Bamba, Buchtromantik…

18.09.2005

Sonntag, 18. September 2005

Sonntag, 18.09.05 – Seit Vorgestern ist Basil III. an Bord. Das heißt, er ist der dritte Bewohner des Henkeltopfes über der Spüle – und er ist wie seine beiden Vorgänger Lieferant frischer Basilikumsblätter. Und er hat blinde Passagiere mitgebracht: Stan und Ollie, zwei fidele Regenwürmer!
Das ist auch schon die Hauptnachricht des Tages, nach dem Morgenschwimmen in der Bucht auf der andren Inselseite motoren wir bei Flaute 16 Meilen bis nach Katirli. In dem kleinen Ort gibt es nicht viel, aber eine gute Fischkneipe und ein frisches Efes sind ja auch genug! Was die Geschehnisse in Deutschland angeht: hier an Bord herrscht wie immer strengstes Politikdiskussionsverbot, welches auch fast eingehalten wird!

19.09.2005

Montag, 19. September 2005

19.09.2005Montag, 19.09.05 – Wenn das Frühstück unterwegs serviert wird, dann heißt das eigentlich immer, dass ein etwas längerer Schlag vor meinem Bug liegt: heute 42 Meilen bis nach Cakilkoy, die leichte Brise reicht gerade für den Gennaker mit der Warsteiner-Reklame, leises, gemütliches Segeln bis in das kleine Fischerdorf. Steffi parkt mich ein, aber am ersten Liegeplatz vor Moschee und Atatürk-Denkmal kann ich nicht bleiben, weil abends die Trawler heimkommen. Die Dorfjugend organisiert erstens eine Übersetzer, zweitens eine Liegeplatz an einem Trawler mit Maschinenschaden und drittens eine Tüte voller Sardinen. Selim, der Skipper von dem defekten Fischerboot, hilft erst beim Filetieren, dann beim Braten und schließlich beim Vertilgen der Sardinen. Ein Restaurant hätte es hier unten übrigens auch gar nicht gegeben! Ein prima Abend, der noch im Café fortgesetzt wird und erst spät mit dem Absacker hier im Cockpit endet.

20.09.2005

Dienstag, 20. September 2005

Dienstag, 20.09.05 – Erst bläst der Wind von vorne und wir müssen aufkreuzen, aber nach Marmara, der Marmorinsel, nach der das Meer und der Marmor benannt sind, dreht er auf Nordost und mit Rauschefahrt geht es weiter nach Westen. Sarköy ist wieder ein kleiner Fischerhafen, eine kleine amerikanische Segelyacht liegt schon drin, eine türkische kommt noch nach uns. Bilderbuchtürkei, aber Allah sei Dank steht die Moschee ausnahmsweise nicht direkt am Hafen! (Ihr daheim werdet ja nicht jeden Morgen um 05.07 h mit „Allahu akbar” aus scheppernden und hoffnungslos übersteuerten Lautsprechern geweckt!)

21.09.2005

Mittwoch, 21. September 2005

Mittwoch, 21.09.05 – Ausnahmsweise muss ich heute mal mit zwei Nachträgen beginnen, denn erstens hatten mich in Istanbul über Nacht ein paar Möwen komplett bekleckert, so dass ich zu einer zweiten Deckswäsche kam, und zweitens hatten wir vorgestern unterwegs Besuch von der türkischen Küstenwache, weil mein Kurs das Sperrgebiet bei der Insel Bati schnippelte. So wissen wir jetzt wenigstens, wo sich das Hochsicherheitsgefängnis samt PKK-Führer Erdokan befindet!
Heute wird meine Mannschaft schon gaaaanz früh geweckt, weil ein Fischkutter unter wildem Manövrieren neben mir anlegt und seinen Fang auslädt. Macht nichts, kräftiger Nordwind lockt uns sowieso nach draußen, um 08.20 h füllt sich die Fock und ab geht die Post in Richtung Dardanellen. Steffi und Martin haben das beste Ölzeug und harren während eines Gewitterschauers im Cockpit aus, der Rest steckt die Nase erst wieder in die frische Luft, als es im immer enger werdenden Fahrwasser immer spannender mit den Frachtern und Tankern (Rekord: vier nebeneinander!) und gleichzeitig landschaftlich immer schöner wird. An der allerengsten Stelle sind die beiden Ufer weniger als 1000 Meter voneinander entfernt, hier liegt das Städtchen Cannakale mit der kleinen Marina, wo eine Plastiktüte im Propeller zu einem doppelten Anlegemanöver führt: Einmal vorwärts als Notmanöver – und einmal tütenfrei rückwärts, damit alle über meine bequeme Gangway aussteigen können und nicht über den Bugkorb zu klettern brauchen.
Juan organisiert ein Taxi für morgen, danach stehen für heute nach einem windigen Segeltag nur noch eine warme Dusche und der Stadtbummel auf dem Programm.

22.09.2005

Donnerstag, 22. September 2005

Donnerstag, 22.09.05 – Uschi, Steffi, Martin und Juan fahren nach Troja und besichtigen die riesigen Ausgrabungsfelder und das fast originale Trojanische Pferd, ein zweites, nämlich das aus dem Film, steht übrigens direkt hier am Hafen, da habe ich auch mal was zu gucken. Wolfgang wählt den Besuch der Gallipoli-Schlachtfelder und schließt sich einer geführten Tour mit lauter Aussies und Kiwis an, die hier im ersten Weltkrieg tausende junger Leute verloren haben, aber wenigstens den Grundstein für die Unabhängigkeit ihrer Heimatländer legten.
Uschi und Juan schaffen nach Troja noch eine Blitkompakttour an den wichtigsten Ehrenmalen vorbei und stellen damit für heute den Geschichtsunterrichtsrekord auf.

23.09.2005

Freitag, 23. September 2005

23.09.2005Freitag, 23.09.05 – Es geht weiter bergab zur Ägäis, bis zu drei Knoten Schiebestrom strudeln mich aus den Dardanellen hinaus. Die Gesundheitskontrolle erkundigt sich schnell über Funk nach dem Wohlbefinden der Mannschaft und geht dann wieder Frachter kontrollieren und angeln. Am Kap Helle ist dann meine Schwarzmeerrundreise vorbei, das war ein abenteuerlicher Sommer seit dem 23.05.05, als ich dieses Kap zum ersten Mal querab hatte!
Heute führt der Kurs an der türkischen Küste entlang nach Süden, bis zu der Insel Bozcaada, wo eine neue Mole, eine tolle Burg und schattige Cafes alle Erwartungen übertreffen. Juan rettet eine Katze aus einer dornigen Akazie und führt so die Tradition der heldenhaften Kreuzritter fort!

24.09.2005

Samstag, 24. September 2005

Samstag, 24.09.05 – Ein paar Delfine trösten über den eher schwachen Wind hinweg: mal reicht es für den Blister, mal muss der Motor schieben, erst am Nachmittag brist es noch mal schön und stabil auf. Im Ayvalik Archipelago finden wir eine supergeschützte, einsame Ankerbucht, die deshalb so einsam ist, weil der Grund aus Seegras besteht und wir beide Anker und diverse Versuche brauchen, bis der Skipper halbwegs zufrieden ist. Logischerweise schläft der Wind exakt mit dem letzten Ankermanöver ein und erhebt sich auch die ganze Nacht über nicht mehr zu einem leisesten Lufthauch, ohne die beiden Anker wäre ich auch an der gleichen Stelle geblieben…

25.09.2005

Sonntag, 25. September 2005

Sonntag, 25.09.05 – Sonntagsfrühstück, dann eine Runde schwimmen, dann ein bisschen Zeit vergammeln, nichts tun, braun werden – und erst am Nachmittag18 Meilen rüber nach Mytilene auf Lesbos. Die Einklarierungsformalitäten sind, nachdem die Gastlandsflagge noch schnell richtig herum aufgehängt wird, schnell erledigt, weil ich noch griechische Papiere habe, dem Betrachten des Endspiels der Europameisterschaft im Basketball steht also nichts mehr im Wege. Das Ergebnis (klarer Sieg für Griechenland) ist ja bekannt, und die Art der Griechen mit Hilfe von Schallnebeltriebfahrzeugen zu feiern ist ohnehin nicht beschreibbar. Irre. (Schallnebeltriebfahrzeuge sind eine Verbesserung der ja aus Athen bekannten Schalltriebfahrzeuge: bei blockiertem Vorderrad wird Vollgas gegeben, bis das Gummi des Hinterrades so viel Gumminebel produziert hat, das der Schall, der im Nebel ja viel besser geleitet wird, das Gefährt ruckartig nach vorne schleudert. Der Fahrer schafft es meistens nicht, noch aufzusteigen.)

26.09.2005

Montag, 26. September 2005

26.09.2005Montag, 26.09.05 – Der Nebel scheint allerdings leicht toxisch zu sein, denn merkwürdigerweise weigern sich vier Taxifahrer meinen Skipper samt den leeren Gasflaschen einzuladen. Das die Putzfrau im Hafengebäude den Großteil der Ausklarierungsformalitäten übernimmt, stützt die These, das Gummidämpfe ungesund sind.
Bei weiterhin leichten Brisen werden alle meine Segel ausprobiert: Fock und Genua als Passatbesegelung, der Blister, das Großsegel – nur Starkwind- und Sturmfock bleiben in ihren Säcken. Wie gehabt ist der beste Wind am Nachmittag, und so wird erst direkt vor dem Ankerplatz in Lee der Insel Orak Adasi bei Eskifoca der Motor zum Ankermanöver gestartet.
Ein schöner Sonnenuntergang, ein großer Kartoffelauflauf und Skippers Klampfe runden den Tag ab. Ein Fischer legt noch Netze aus, dann kehrt Ruhe ein.

27.09.2005

Dienstag, 27. September 2005

Dienstag, 27.09.05 – Strahlender Sonnenschein, das Wasser lockt zum Bade, der Ableger wird bis um 10.55 h verzögert, niemand will so richtig aufbrechen, um die letzten 30 Meilen bis nach Izmir zu segeln. Obwohl die noch mal so richtig Spaß machen: Rauschefahrt unter Passatbesegelung den Golf von Izmir hinunter, selten, dass ich mal unter sechs Knoten laufe!
Der Anblick von Izmir ist einfach nur erdrückend. Eine riesige Stadt rund um die Bucht herum, aber leider ganz ohne das Altstadtflair von Istanbul. Nur vereinzelt mal ein Minarett, keine Stadtmauern, nur Hochhäuser. Und eine kleine Marina voller netter Leute, die sich freuen, dass auch mal eine ausländische Yacht sich hierher verirrt! Mindestens drei verschiedene „Hafenmeister” bieten ihre Hilfe an, die Leinen werden angenommen, ein LKW mit Diesel zum Nachbunkern wird organisiert (obwohl wir ja nicht viel verbraucht haben!) , Tee wird serviert und am anderen Ende findet sich tatsächlich ein gepflegtes Fischrestaurant für ein zünftiges Törnabschlussessen. Obwohl, für Alex Köstner aus München ist es schon das Törnanfangsessen, denn er ist einen Tag zu früh angereist, darf aber als Decksfracht bis morgen bleiben.

28.09.2005

Mittwoch, 28. September 2005

Mittwoch, 28.09.05 – Ich werde wie üblich gründlich geschrubbt, danach bleibt Zeit für ein kleines Mittagessen – und dann heißt es mal wieder Abschied nehmen, das fällt ja immer schwer, besonders nach einem so schönen und abenteuerlichen Törn! Gute Heimreise – und hoffentlich bis nächstes Jahr!
Lange Pausen gibt es hier trotzdem nicht, am Nachmittag packen Beate Kuhn und Simone Lagrave (zuletzt von Singapur bis Phuket hier an Bord) ihre Taschen in die Backbord-Achterkabine, willkommen an Bord! Die Crew ist damit schon komplett, Uschi bleibt ja noch. Mit dem Taxi wird der Großeinkauf erledigt – und danach auch gleich zum Teil verkocht, frischer kann man das erste Essen ja nicht gestalten!