Donnerstag, 24.06.04 – Und schon legen wir wieder ab! Zwar erst am Nachmittag und auch nur nach Boynuzbükü, denn Wolfgang will ein paar Lackkratzer an meinem Rumpf ausbessern, was wegen der Stegnachbarn hier in der Marina nicht geht. Auf dem Weg in die ja nur drei Meilen entfernte Bucht braut sich ein Gewitter zusammen und wirklich, kaum sind die Segel gesetzt, da beginnt es, wie aus Eimern zu schütten! Und Wolfgang und ich freuen uns riesig, weil so nämlich endlich der Saharastaub aus dem Rigg gewaschen wird. Die eher nicht so glücklich ausschauenden Segler auf den anderen Yachten halten meine Crew (Manfred stolz im neuen Superleicht-Ölzeug!) wahrscheinlich für endgültig übergeschnappt, weil wir mitten in den Schauerböen eine Wende nach der anderen fahren, damit der Dreck aus Großsegel und Genua geschüttelt wird! Passend zur neuen Sauberkeit duftet sogar die Bucht wunderbar, denn der Regen hat auch hier den Staub vom wilden Thymian und von den Pinien gewaschen, es riecht intensiv wie in einem Gewürzhandel!
Kurz nach uns ankert die „Flying Tiger“ mit Carola, Marco, Uli (die drei waren z.T. schon mehrfach hier als Gäste an Bord, zuletzt Carola in Neuseeland!) und Freunden hinter mir, und das ist natürlich kein Zufall, sondern ein Ergebnis der modernen Telekommunikation! Erstmal einen Kaffee für alle hier an Bord und dann an Land, der Wirt hat ein Lamm geschlachtet! Party!!!

Sonntag, 04.07.04 – Vor Marmaris weht der Wind immer von den Bergen hinab in den Durchfahrtskanal zu diesem riesigen Naturhafen. Wellen entstehen dabei kaum, so macht das Aufkreuzen Spass! Und es funktioniert so gut, dass wir, um der Nachmittagshitze zu entgehen, noch ausreichend Zeit für einen Badestopp hinter dem Inselchen Bedir haben. Ist wohl eines der letzten ruhigen Fleckchen in der Gegend, denn das ehemals verträumte Marmaris hat sich zum überlaufenen Touristenzentrum entwickelt. Einen Liegeplatz in der mondänen Netsel-Marina bekomme ich aber trotzdem, und ein gutes Restaurant mit einer Großbildleinwand (EM-Finale!) ist dann recht schnell gefunden. Griechenland gewinnt, Otto II. wird gekrönt und die Türken freuen sich!
Freitag, 09.07.04 – Meine Staunetze werden nochmal mit Obst und Gemüse, meine Tanks mit frischem Wasser und meine Bilgen mit Getränken gefüllt. Danach steht ein wenig Kultur auf dem Programm, denn in Bodrum gibt es eine gewaltige Kreuzritterfestung und natürlich die bunten Basargassen zu bestaunen. Um 15.20 h gleite ich dann aber doch noch unter den Zinnen der Burg entlang aus dem Hafen, zwei Stunden Segeln (und weil weiterhin kräftiger Meltemi bläst, hat Manfred heute das Dauergrinsen am Ruder!) bis nach Aspat Koyu, das ist die nächste Ankerbucht auf dem Weg nach Westen und ein Naherholungsgebiet mit Strandbad und einfachen Pensionen für die einheimischen Urlauber. Nach kurzer Überlegung werde ich doch nicht frei schwoiend vor dem Strandtrubel, sondern mit Buganker und zwei Achterleinen an einen der Tavernenstege mitten im Strandtrubel für die Nacht vertäut. Quasi zentral im Freibad! Um mich herum platschen die Halbstarken arschbombend ins Wasser, ein paar Familienväter kommen zum Fachsimpeln vorbei, der Tavernenwirt versichert sich, dass die Mannschaft auch ganz bestimmt bei ihm und nicht nebenan zum Essen geht. Was dann auch nicht passiert, weshalb sich seine Küchenmannschaft ganz besondere Mühe gibt und die Weingläser mit Blümchen am Stiel verziert und den Mokka halb flambiert serviert! Am Nachbartisch feiert eine Großfamilie ein Fest, türkische Lieder erklingen, Fisch wird aus dem Salzteig gemeißelt, der Pizzabäcker zaubert mit seinen Teiglingen: ein witziger Abend!