Donnerstag, 15.07.04 – Gisela hat einen kleinen Band mit Sprüchen und Weisheiten aus der Antike mitgebracht, und zum Frühstück zitiert sie das Thema des Tages, heute Cicero: „Anfang der Schandtat ist es, unter Mitbürgern seinen Körper zu entblößen!“ , worauf Wolfgang, der nämlich erst zum Frühstück aus fremden Betten erscheint, mit Goethe antwortet: „Genoss der Jüngling ein Vergnügen, so sei er dankbar – und verschwiegen!“
Zum weiteren Tagesgeschehen. Die Lebensmittel hatten Manfred, Uschi und Wolfgang gestern schon gebunkert, Diesel und Wassertank sind voll, und der Wind hat auf Nord gedreht, wo er um die Jahreszeit ja hingehört: Wir legen ab, Gisela und Marlon übernehmen zum Eingewöhnen abwechselnd das Ruder bei herrlicher, kühler und recht steifer Brise und schon sind wir am Nachmittag wieder auf Samos, in einer kleinen Bucht etwas östlich von Phytagoreion. Nur eine andere Yacht, eine nette Kneipe am Ufer, mein Zweitanker gegen die Fallböen, alles bestens!

Sonntag, 18.07.04 – Wolfgang ist ein wenig sehr nervös, leider gibt es nämlich eine „gale-warning“ für das Seegebiet um Naxos, und da wollen wir hin. Aber alle anderen vertrauen mir mehr als ihm, also segeln wir los. Und der Wetterbericht hat recht: Nord, sieben Beaufort, in Böen acht. Na und ?! Gisela steht fest am Ruder, Uschi juchzt bei jedem bisschen Gischt, das überkommt, Marlon findet’s geil und Manfred hat bei gut zwei Metern Seegang „das“ Grinsen im Gesicht. Ich lasse mich natürlich wie immer mit zwei Fingern steuern und von den drei möglichen Tageszielen erreichen wir bequem das luvwärtigste, also das am schwierigsten zu erreichende. Leider ist die Traumbucht mit der tollen Strandbar ein Naturschutzgebiet für Althippies, weshalb wir die genaue Lage und den Namen der Insel nicht verraten können. Allen Mitseglern hier wird die Bucht ohnehin als der Platz in Erinnerung bleiben, wo in einer tollen Aktion das Beiboot durch die wilde Brandung am Strand gesteuert wurde…
Sonntag, 25.07.04 – Frühstart, mit Sonnenaufgang und den Fischern aus dem Hafen. 15 Meilen nach Süden ans Kap Maleas, Fingerspitze am östlichen Finger der Peleponnes. Und wo der stürmische Nordwind den armen Odysseus in die weite Welt gepustet hat, da herrscht heute Flaute.
Freitag, 30.07.04 – Seit einiger Zeit liegt hier schon ein neuer Umlenkblock (eine Rolle) für das Spinnakerfall herum, die alte ist nämlich ausgeleiert und soll ausgewechselt werden. Oben im Masttopp! Das gibt nebenbei auch noch ein paar schöne Fotos von da oben, Marlon macht die Kletterpartie außerdem sichtlich Spass, ganz besonders der abschließende Sprung von der Saling ins tiefblaue Wasser!