Von Izmir nach Kusadasi

29.09.2005

Donnerstag, 29. September 2005

Donnerstag, 29.09.05 – Wolfgang reduziert die Schiffs- und Sicherheitseinweisung heute ausnahmsweise auf das Nötigste und holt den Rest erst nach dem Ablegemanöver nach, während Uschi mich gen Nordwesten steuert (Uschi kennt die Schiffs- und Sicherheitseinweisung ja ohnehin schon auswendig!). Der Grund: Wenn der Meltemi hier am Nachmittag kräftige Wellen in der Bucht aufwirft, dann ist man besser schon mal ein paar Meilen weit draußen, morgens ist es ja meistens ruhig! Im Schutz einiger Inseln macht das Aufkreuzen später sogar Beate Freude, obwohl sie sich erst an die Schräglage gewöhnen muss! Aber dann ist sie kaum noch von meinem Steuerrad wegzubekommen!
Am Abend fällt der Anker in der gleichen Bucht vor Eskifoca wie vorgestern – und es ist immer noch genauso schön hier!

30.09.2005

Freitag, 30. September 2005

30.09.2005Freitag, 30.09.05 – Ein Tiefdruckgebiet zieht über die Adria nach Griechenland und klaut uns dabei den Wind. Aber für leichte Brisen habe ich ja den Gennaker an Bord – und der zieht uns 38 Meilen weit durch eine grandiose Landschaft an Chios und den Oinusses-Inseln vorbei bis nach Cesme in eine Hotelkomplexmarina.
Am Horizont zieht derweil eine endlose Flotte von Fregatten, Versorgern, Aufklärern, U-Booten und anderen Kriegsschiffen nach Norden, die NATO-Herbstmanöver beginnen. Na wenn’s denn sein muss… eine Delfinschule hat jedenfalls unseren Kurs eingeschlagen und zieht auch nach Süden!

01.10.2005

Samstag, 01. Oktober 2005

Samstag, 01.10.05 – Wie vorhergesagt dreht der Wind auf Süd – und deshalb machen wir nur ein paar Meilen um die Cesme Halbinsel herum, quasi von Cesme nach Cesme, von der Marina auf der Nordseite in den Stadthafen auf der Südseite. Ein Reff im Großsegel und die kleine Fock passen zu den sechs bis sieben Windstärken, die uns nach dem Kap entgegenwehen. Aber die Wellen sind niedrig, und nur ein paar Regentropfen trüben das Vergnügen.
Cesme überrascht als schnuckeliger kleiner Ort mit Ritterburg und gemütlichen Basar-Gassen, mit kleinen Restaurants und einem Café, wo die Mannschaft bei Wasserpfeife, Backgammon, Raki und streichelsüchtiger Miezekatze versackt. Welch ein Kontrast zu der Massenabfertigungsanlage gestern!

02.10.2005

Sonntag, 02. Oktober 2005

Sonntag, 02.10.05 – Die Damen gehen shoppen, Alex muss tragen helfen und Wolfgang verkrümelt sich dezent ins Türkische Bad und anschließend zum Barbier…
Das Tiefdruckgebiet ist Schnee von gestern, die Rückseite bringt frischen Westwind, der am Nachmittag so weit nachlässt, dass wieder die normale Fock gesetzt werden kann. Simone und der Skipper teilen sich dabei die Vorschiffsarbeit, Alex trimmt die Schoten, Beate ist weiterhin nicht mehr vom Ruder weg zu bekommen – und Uschi schreibt das Logbuch: „16.00 h, Anker raus bei 12 Meter Tiefe mit 60 Meter Kette, Bucht mit Fischerei, Mersin Körfezi, abends wunderbarer Sternenhimmel, Wolfgang hat uns die Namen der Sterne verraten”. Wahrscheinlich nicht wirklich alle, aber da Neumond ist und in der Einsamkeit hier draußen kein Streulicht stört, kann man sogar mit bloßem Auge den Andromeda-Nebel erkennen, unsere Nachbargalaxie, unvorstellbare zwei Millionen Lichtjahre entfernt!

03.10.2005

Montag, 03. Oktober 2005

03.10.2005Montag, 03.10.05 – Obwohl, so richtig Neumond ist natürlich erst heute, und das führt ausnahmsweise zu einer Teil-Sonnenfinsternis! Durch den Sextanten lässt sich prima beobachten, wie der Mond die Sonne verdeckt – über die Mittagsstunden bleibt es merkwürdig kühl bei winterlichem Licht!
Das Buchteln macht Spaß, nach 25 Meilen liegt Kormen Adasi querab, und da gibt es wieder eine kleine Bucht nur für uns. Glasklares Wasser, bunte, vulkanische Felsen, die den Wind und den Seegang abhalten und zwei heiße Quellen am Ufer!
Das Abendprogramm ist heute singen und Blödsinn machen, Sterne gucken hatten wir ja gestern!

04.10.2005

Dienstag, 04. Oktober 2005

Dienstag, 04.10.05 – Die Mannschaft will hier einfach nicht mehr weg! Und das, obwohl zwischendurch wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt ein Ausflugskutter einfällt, eine knappe Stunde Touristenbelustigung an der heißen Quelle veranstaltet und dann wieder wie eine Fata Morgana wieder verschwindet. Und der so die Stille noch deutlicher zurücklässt.
Hilft aber alles nix, noch 20 Meilen bis Kusadasi bei weiterhin traumhaftem Wetter, aber auch die schöne Marina und der riesige Basar sind nur ein milder Trost, dass der Törn schon zu Ende ist!

05.10.2005

Mittwoch, 05. Oktober 2005

Mittwoch, 05.10.05 – Ich bekomme morgens meine Streicheleinheiten – und dann relaxt die Crew noch ein paar Stunden am Swimmingpool. Da der Flieger erst am späten Abend abhebt, muss noch ein wenig Energie für die letzte Shopping-Runde im Basar getankt werden! Die letzten Souvenirs…
Und um Mitternacht steht dann das Taxi pünktlich am Marina-Tor, auch Simone steigt ein, obwohl der Männertörn vom Nachbarschiff sie ja auch gerne mitgenommen hätte!