Von Auckland nach Auckland – Februar 2003

05.02.2003

Mittwoch, 05. Februar 2003

Mittwoch, 05.02.03 – Wolfgang gibt den Leihwagen ab, Uschi entfernt die vom Maler hinterlassene Staubschicht – und Cornelia Schröter aus Hannover steht am Nachmittag auf dem Steg: Willkommen an Bord!

06.02.2003

Donnerstag, 06. Februar 2003

Donnerstag, 06.02.03 – Die Vorbereitungen zum America’s Cup laufen auf Hochtouren, der Megayachthafen ist voll, überall gibt es Ausstellungen und Unterhaltungsprogramm vom Winschenkurbeln bei Alinghi bis zum SMS-Verschicken an das Team-Neuseeland-Boot. Hafentag!

07.02.2003

Freitag, 07. Februar 2003

Freitag, 07.02.03 – Die Kanne selbst steht ja bekannterweise nur ein paar hundert Meter von meinem Liegeplatz entfernt im Yachtclub und will auch noch besichtigt werden, während Wolfgang seine Aufenthaltsgenehmigung verlängert. Am Nachmittag ist aber das offizielle Aucklandprogramm beendet und nach der obligatorischen Hafenrundfahrt durch das Cupper-Becken übernimmt Connie das Ruder und Wolfgang setzt Groß und Fock, Kurs Motuihe Island, irgendwo im südlichen Teil des Hauraki-Golfes, wo hinter einer kleinen Steilküste vor einem kleinen Sandstrand der Anker fällt und hält. Uschi brutzelt Lammkoteletts, die Petroleumlampe schimmert warm im Cockpit: Ein wenig Ruhe nach all dem Trubel tut auch wirklich Not!

09.02.2003

Sonntag, 09. Februar 2003

Sonntag, 09.02.03 – Graf Luckner war hier auf Motuihe übrigens mal interniert, der war ja recht aktiv in diesen Gewässern. Sieht man aber nix mehr von, deshalb segeln wir ohne Besichtigungstour weiter. Eine leichte Brise reicht so gerade zum Segeln und so gerade bis nach Whangaparapara auf Great Barrier Island. Zum Sonnenuntergang hockt meine Crew dann schon auf der Terrasse der einzigen Kneipe und genießt den Blick auf die Bucht – mit mir mitten drin!

10.02.2003

Montag, 10. Februar 2003

10.02.2003

Montag, 10.02.03 – Eigentlich müsstet ihr das Besichtigungsprogramm ja auch schon auswendig kennen: Heute also wieder die Wanderung zu den heißen Quellen! Ein Whirlpool mit kleinem Wasserfall mitten im Dschungel, Wassertemperatur angenehme 32°C, und zur Unterhaltung eine Familie aus Korcula in Kroatien!
Im Anschluss an die Rücktour durch den Urwald reicht die Zeit noch für eine kleine Friedhofsbesichtigung direkt hinter meinem Ankerplatz: eine luxuriöse Aussicht haben die Toten hier, das ist mal sicher!
Bis nach Port Fitzroy sind es nur neun Meilen, aber die gehören mit zum Schönsten, was Neuseeland so zu bieten hat. Ein bizarrer Steingarten aus Lavabrocken in allen Formen und Farben und dann eine schmale, versteckte Durchfahrt in den Naturhafen Port Fitzroy hinein. Erst am Ankerplatz hinter Quion Island werden die Segel geborgen, um die Stille und die Romantik möglichst wenig durch den Motor zu stören.
Connie und Wolfgang nutzen den lauen Abend noch für einen schnellen Spaziergang zum Wasserfall und entdecken dabei ein Stabheuschreckenpärchen beim Stabheuschreckenkinderfabrizieren! Das ist ja mal wieder interessant!
Uschi hat unterdessen ein paar Lammkoteletts zum Brutzeln vorbereitet, das ist ja mal wieder lecker!

11.02.2003

Dienstag, 11. Februar 2003

Dienstag, 11.02.03 – Die angekündigte Nachmittagsbrise kommt tatsächlich erst am Nachmittag, sogar erst am späten Nachmittag. Bis dahin muss deshalb der Motor schieben, einmal quer über den Hauraki-Golf mit dem Golf! (für die nicht so häufig Logbuchleser: mein prima Schiffsmotor ist ein Golf Diesel!)
Um 17.20 h reicht der Wind aber dann doch zum Segeln – in den Sonnenuntergang hinein bis hinter das winzige Moturekareka Island. Ein kleiner Strand, ein altes Wrack zum Schnorcheln und ein paar noch ältere Kiefern, die den Liegeplatz gegen den Wind schützen.

11.02.2003

Dienstag, 11. Februar 2003

Dienstag, 11.02.03 – Mount Hobson, denn ohne den Mount Hobson zu besteigen ist man einfach nicht wirklich auf Great Barrier Island gewesen. Rauf geht es wie immer durch den Windy Canyon, aber zur Abwechslung wählen Connie und Wolfgang für den Abstieg den South Fork Track, der zwar nicht an den alten Holzstaudämmen entlang, dafür aber länger durch den „verzauberten“ Gipfelbereich und dann später über eine schöne Ein-Personen-Hängebrücke führt.
Great Barrier ist wohl tatsächlich noch ein echter Geheimtipp, denn es wird in den meisten Reiseführern kaum oder nur kurz erwähnt, weil es für Normaltouristen nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten gibt und für Tagesausflügler einfach zu weit vom Festland entfernt ist. Aber auch nach der Leihwagenrundtour in der vergangenen Woche steht unser Urteil fest: Hier und nirgends anders ist Neuseeland am schönsten!
Zurück an Bord wird noch schnell das kleine braune Entchen gefüttert, während Wolfgang die gefräßigen, frechen Möwen mit der Weitschussoption der Heckdusche auf Distanz hält (sein neuer Lieblingssport, Gardena-Multifunktionsdusche sei Dank!!!). Das kleine braune Entchen heisst übrigens Brown Teal oder Pateke (auf Maori), und Ornithologen fliegen durchaus schonmal halb um die Welt, um einmal ein seltenes Exemplar in freier Natur zu sehen. Bei mir sitzen sie halt immer auf der Badeplattform rum…

12.02.2003

Mittwoch, 12. Februar 2003

Mittwoch, 12.02.03 – Connie und Uschi machen einen kleinen Inselrundgang, bis es Zeit wird für die Hauptattraktion des Tages: Die Millenium-Cup- Regatta macht heute Zwischenstopp auf Kawau Island, und um dahin zu kommen, müssen all die 55 Super- und Megayachten, die an dieser größten jemals stattgefunden habenden Superyachtregatta teilnehmen an mir vorbei. Beziehungsweise um mich herum, denn so gegen 13.00h hat mich meine Mannschaft mitten in das Feld der Millionenpötte hineinmanövriert. Das gibt ein paar tolle Fotos, zumal der Himmel strahlend blau ist und die Yachten alle unter Spinnaker um uns herum halsen. Das ganze ist Teil des Beiprogramms zum America’s Cup, schließlich haben die Syndikatseigner ja auch üblicherweise noch ein „gemütliches“ Schiff zum Segeln. Und das muss ja auch mal bewegt werden, damit die Salonpolster nicht stockig werden…
In der Mansion House Bay ist leider aus Sicherheitsgründen das Betreten des Rasens heute nur für besonders dicke Brieftaschenträger gestattet, aber da ich weniger als die hier und heute üblichen vier Meter Tiefgang habe, können wir wenigstens in erster Reihe ankern und den Berühmtheiten beim Dinghifahren zuschauen! Da müssen sie auf dem Weg zum Diner nämlich schon wieder um mich herum!!!

13.02.2003

Donnerstag, 13. Februar 2003

Donnerstag, 13.02.03 – Und weil das mit dem Um-mich-herum-Fahren gestern so gut geklappt hat, machen wir das ganze heute nochmal! Nach einer kleinen Fotosafari an den Superracern „Canon“, „Shockwave“, „Travelex“, „Silver Tip“, „Ulisse“, „Unfurled“ und den Megacruisern „Freedom“, „Phyrne“ (vom schweizer Alighi-Syndikat, genauer vom Chef der USB-Bank), „Perseus“, „Chimera“, „Philanderer“, „Chimera“, „Charlatan“, „Ipanema“, „Sariyah“, „Yanneke Too“, „Imagine“ und „Destination“, um nur einige zu nennen, schneiden wir den großen Schwestern den Weg ab und legen uns vor Tiritiri Matangi auf die Lauer, da kommen sie dann wieder alle vorbei und setzen gerade an unserem Spähposten wieder ihre riesigen Spinnaker, denn ab hier geht es mit Backstagsbrise (Rückenwind) zurück nach Auckland. „Riesige Spinnaker“ bedeutet hier übrigens, das niemand ein solches Segel unter 400 Quadratmeter Fläche hat. Die größeren sind weit über 1000…
Zum Trost backt Wolfgang einen Schokokuchen, der alte italienische Großsegler „Amerigo Vespucci“ kreuzt unseren Kurs und in der Matiatia-Bucht an der Westseite von Waiheke-Island findet sich ein schwellfreies Ankerplätzchen für mich. Die Crew verholt sich zum Abendessen in das kroatische Restaurant in Oneroa, man gönnt sich ja sonst nichts! Oder nur wenig, vergleichsweise…
(Irgendein ehrlicher Steuerzahler muss meinen Skipper außerdem bitte mal erklären, wieso all diese reichen Leute ihre Schiffe auf den Cayman-Islands anmelden. Haben Milliardäre kein ordentliches Zuhause??)

14.02.2003

Freitag, 14. Februar 2003

Freitag, 14.02.03 – Trotz des ersten Schauers seit Monaten, den die ostseeerfahrene Connie souverän am Ruder abwettert, während Wolfgang vom Kartentisch aus dumme Kommentare macht, segeln wir mal eine Runde um den Rangitoto (Aucklands Hausvulkan) herum, und dann klettert meine Crew zum Sundowner auch noch oben drauf! Super Aussicht von da oben, besonders auf meinen Liegeplatz in der Islington Bay und über unser Segelrevier, den Hauraki-Golf mit seinen Dutzenden Inseln!

15.02.2003

Samstag, 15. Februar 2003

Samstag, 15.02.03 – Totale Katastrophe! Großbaum und Vorstag gebrochen! Wasser im Schiff! Und dabei hatte es am Start (tolle Stimmung, tolles Wetter, toller Wind!) noch so gut ausgesehen! Team New Zealand in Führung, Alinghi abgeschlagen in Lee. Und dann: Bruch am laufenden Band. Der erste Lauf um den America’s Cup 2003 nach 12 Minuten faktisch beendet. Neun Hubschrauber, drei Kreuzfahrtschiffe, über 3000 Zuschauerboote (ich mal wieder mittendrin, das wird so langsam zum Normalzustand!) und Millionen Fernsehzuschauer total enttäuscht. Bis auf die paar Schweizer, die glauben, dass man mit Geld alles kaufen kann und die deshalb auch ganz alleine und ohne Zuschauer den ersten Lauf zu Ende segeln dürfen.
Wobei das dann doch schon recht hart gegenüber dem Team Alinghi ist, weshalb wir auch bis zum einsamen Schluss an der Regattastrecke bleiben und zur Belohnung ganz nah an das schweizerische Boot herankommen!
Abwarten (in der Oneroa Bay vor selbiger Ortschaft auf Waiheke), morgen ist auch noch ein Tag…
(Wer es noch nicht gemerkt haben sollte: jawohl, wir sind parteiisch! Hier weht die schwarze Team-NZ-Flagge im Masttop, ausnahmsweise sogar noch über der „Warsteiner“-Flagge!!!)

16.02.2003

Sonntag, 16. Februar 2003

16.02.2003

Sonntag, 16.02.03 – Der Tag beginnt mit Besuch: eine nasse Katze krabbelt um 04.00 h irgendwie auf die Badeplattform, lässt sich von Connie trockenrubbeln, verschmäht aber die angebotene Milch und legt sich zum Schlafen nach eingehender Schiffsbesichtigung in Skippers Koje auf die frisch gewaschenen Unterhosen im Wäscheregal. So gegen 08.30 h bemerken Frauchen und Herrchen den Verlust von „Sparky“ und rufen quer über die Bucht nach ihrem verschollenen Vierbeiner, laut genug jedenfalls, um bei uns gehört zu werden. Wir ankern nämlich nebeneinander. Da war es ja nur ein kurzer Besuch, ich dachte schon, ich hätte jetzt eine Bordkatze!
Der Tag geht „tierisch“ weiter, die lustigen Pinguine draußen im Golf laden zum Mitschwimmen ein, Connie und Uschi drehen eine Runde um meinen Rumpf herum und sind gerade wieder an Bord, als ein kleiner Hai vorbei schwimmt. Uuups, hoffentlich hat der seinen großen Bruder nicht mitgebracht!
Nach zwei Stunden Startverschiebung wegen Flaute wird dann doch noch das zweite Rennen zwischen Neuseeland und Alinghi gestartet. Und was das für ein Rennen wird! Erst führt Alinghi, dann Team Neuseeland – und erst ganz zum Schluss gewinnt Alinghi wieder die Oberhand und wird mit nur sieben Sekunden Vorsprung Erster. Auf der zweiten Kreuz fahren die Boote 33 Wenden, eine direkt vor meinem Bug, was mal wieder einen Anpfiff vom Kontrollboot gibt, aber das war wirklich der Wind, der mich da mitten in das Regattafeld hineingetrieben hat! Wolfgang hätte natürlich auch etwas besser aufpassen können, aber er war leider mit Fotografieren beschäftigt… Das klappt aber alles wunderbar, trotz der über 3000 Zuschauerboote!
Zur Beruhigung segeln wir nach dem Rennen noch ein paar Meilen weiter, hinter Tiritiri Matangi fällt bei Vollmondschein der Anker in einer kleinen Bucht, auf der Insel hört man eine paar Kiwis „ki-wiiiiii“ nach ihrem Partner rufen, ansonsten herrscht Stille nach einem aufregenden Tag!

17.02.2003

Montag, 17. Februar 2003

Montag, 17.02.03 – Die kleine Insel Tirirtiri Matangi ist ein „open sanctuary“, ein öffentlich zugängliches Naturreservat, in diesem Falle hauptsächlich für Vögel: 18 von nur noch ca. 240 lebenden Takahes (eine blaubunte Mischung aus Papagei und Truthahn) fühlen sich hier wohl, außerdem viele Kiwis, Hihis, Robins, Bellbirds, Pukekos, Zwergpinguine…weil es hier keine eingeschleppten Raubtiere (Wiesel, Frettchen, Hunde etc. ) gibt. Meine Crew verbringt den Vormittag also mit staunenden Augen und lauschenden Ohren an Land!
Nach 16 schönen Meilen hoch am Wind gibt es dann ganz andere Tiere zu bestaunen, kurz vor Sonnenuntergang kommen nämlich auf Kawau die Wallabies (Zwergkängurus) aus ihren Verstecken, die Fotos sind mangels Licht leider auch nicht besser als beim letzten Mal!

18.02.2003

Dienstag, 18. Februar 2003

18.02.2003

Dienstag, 18.02.03 – 10.10 h: Anker auf zum dritten Rennen! Pünktlich um 13.00 h erreichen wir das Regattafeld, wo Team Neuseeland den Start verpatzt und dann zwar aufholt, aber leider auch den dritten Lauf an Alinghi abgeben muss. Naja.
Trotzdem ist am Abend in Auckland wenigstens ein bisschen Stimmung im Hafenviertel, Connie hätte sich zwar ein rauschendes Fest für ihren letzten Tag gewünscht, aber so bekommen die drei wenigstens auch ohne Reservierung einen freien Tisch im besten Fischlokal am Platze!