Mittwoch, 08.06.05 – „Willkommen an Bord” für Steffi Bretl und Roland Rollinger (ja, genau der Roland, der braucht ja auch mal Urlaub!)! Steffi ist genau wie Christiane Minnich zum ersten Mal an Bord, Roland hat mich zuletzt von Auckland nach Sydney gesegelt!
Weil das Wetter prima ist und alle schon ausreichend die Stadt erkundet haben, lässt der Skipper keine Langeweile aufkommen und schleift die neue Mannschaft gleich zum Großeinkauf! Für das Ladenpersonal des kleinen Supermarktes ist mein Drei-Wochen-Bedarf sogar ein Größteinkauf , und spätestens als Wolfgang die Käsesorten mittels „muuuuh” und „määhähä” ermittelt werden auch die übrigen Einkäufer auf die Show aufmerksam.
Bier und Fruchtsäfte holen Steffi und Wolfgang dann in einem der neuen Mega-Shopping-Zentren, da hätte man alles andere auch kaufen können, aber das wäre sicherlich nur halb so lustig gewesen!
Nach dem Einbunkern in meine Staufächer und nach der alltörnlichen Schiffs- und Sicherheitseinweisung treibt uns ein schöner Nordwind quer über die Bucht von Istanbul, in der ruhigen Ankerbucht Cam Limani (wochentags nur eine Hand voll Yachten! Das war ja letzen Sonntag anders
) auf den Prinzeninseln kann meine Mannschaft bei türkischen Ravioli und Weißwein erstmals ruhig durchatmen und den Törnbeginn genießen.

Donnerstag, 09.06.05 – Von 10.00 h bis 14.30 h fahren wir durch Istanbul. Die Stadt nimmt kein Ende, der Bosporus ist bis fast an das Schwarze Meer auf beiden Seiten dicht besiedelt. Die Ortsteile tragen zwar noch die Namen der Dörfer, die sie früher mal waren, aber tatsächlich gibt es keine unbebaute Fläche mehr zwischen ihnen. Geschätzte 15 Millionen Menschen, die ganz genaue Zahl weiß niemand.
Sonntag, 12.06.05 – Sonntags gibt es auch weiterhin ein Frühstücksei, damit mein Skipper weiß, dass die Woche zu Ende ist. Direkt danach legen wir ab – und der Tag wird traumhaft: unter Blister die Küste entlang bis zur kleinen Insel Kefken Adasi. Da gibt es einen kleinen Schutzhafen, die Reste einer Fischzucht, ein paar Männer Besatzung für das Küstenrettungsboot und den Leuchtturm, und ein paar verfallene Gärten voller Blumen und Kräuter. Die Küstenretter freuen sich über den Besuch, und meine Inselexpedition (Dieter, Roland und Wolfgang) darf sogar oben auf den Leuchtturm! Das gibt schöne Fotos! Rasmus sei Dank kann man von da oben aber nicht erkennen, was hier unter Deck wild gebacken und gebrutzelt wird, Wolfgang darf für mindestens zwei Stunden nämlich nix von den Vorbereitungen unter Deck erfahren. Roland fängt sogar das Blümchenpflücken an, damit sich der Landausflug noch ein wenig in die Länge zieht
Donnerstag, 16.06.05 – Meine Crew geht mal wieder auf Expedition – und ich darf nicht mit. Das im Hinterland gelegene Safranbolu („Safranstadt” nach dem Gewürz, das Jahrhunderte lang großen Wohlstand beschert hat!) ist wegen seines komplett erhaltenen osmanischen Stadtzentrums UNESCO-Weltkulturerbe. Aber schon die Busfahrt durch die Gebirgslandschaft ist den Hafentag wert! Die Details der Reise würden hier mal wieder den Rahmen sprengen, insgesamt wurden zwei Video-Kassetten, vier Dia-Filme und eine nicht genau definierbare Unmenge von Digitalbildern verknipst, zwei Museen, eine Karawanserei und ein Aussichtspark besichtigt und zwei Basare geplündert. Zwischendurch gelebter Geschichtsunterricht von Jason und den Amazonen bis zu Atatürk. Außerdem wurden natürlich wieder Unmengen neue Bekanntschaften geschlossen, das macht hier ja am meisten Spaß! Heute ein Tourismusdirektor, unterwegs viele hilfreiche Jugendliche und zurück in Amasra ein Wirt mit Ferngläsern zum Karnickelbeobachten!
Sonntag, 26.06.05 – Sonntagsfrühstück mit Traditions-Ei. Und danach gerade mal 20 Meilen bis nach Akcaabat. Da helfen mal wieder die Fischer beim Anlegen, kaum sind die Leinen fest, kommt Besuch an Bord: Der Hafenmeister, ein Lokalreporter und dessen Schwager kommen zum Interview. Naja, und natürlich zum Erzählen, zum Teetrinken, zum Hilfe anbieten.
Dienstag, 28.06.05 – Großer Autoausflug zum Kloster Sumela. Das ist ein von Menschenhand geschaffener, steinerner Adlerhorst, dessen Anblick allein schon den Atem stocken lässt. Der Fußweg hinauf zur winzigen Eingangspforte übrigens auch. Den ganzen Ausflug samt Gebirgspassüberquerung, Handhangelseilbahn, Orchideenbestimmung, Forellenessen, Hammelgrillen, dem letzten byzantinischem Kirchturm auf türkischem Boden, Freilichtmuseumscafé etc. kann ich hier aus Platzmangel nicht beschreiben, außerdem war ich ja mal wieder nicht mit. Sauerei